Arzneimittel und Therapie

Botulinumtoxin in der Pädiatrie: Bei Zerebralparese gezielt Muskeltonus senken

Der pathologisch erhöhte Muskeltonus ist eines der wesentlichen Probleme bei Kindern mit infantiler Zerebralparese (siehe Kasten). Immer mehr setzt sich die gezielte Injektion von Botulinumtoxin A durch, um Spasmen lokal zu reduzieren. Botox® kann dabei auf ein gutes Sicherheitsprofil verweisen.

Botulinumtoxin Typ A ist ein natürliches Protein aus dem Bakterium Clostridium botulinum. Als fokal wirksames muskelentspannendes Medikament wird es seit geraumer Zeit bei Erkrankungen mit erhöhter Muskelaktivität eingesetzt. Das Wirkprinzip wird als "örtlich begrenzte Denervierung" bezeichnet: Nach intramuskulärer Injektion hemmt Botulinumtoxin lokal die Ausschüttung von Acetylcholin an der neuromuskulären Synapse und induziert so eine Muskelentspannung. Botox® ist unter anderem zugelassen bei Blepharospasmus, hemifazialem Spasmus und begleitenden fokalen Dystonien, zervikaler Dystonie (Schiefhals) und fokaler Spastizität.

Häufige pädiatrische Indikation: dynamische Spitzfußstellung

Inzwischen hat Botulinumtoxin Typ A auch in der Behandlung der Spastik bei infantiler Zerebralparese (CP) einen hohen Stellenwert und gilt als wichtiger Baustein neuropädiatrischer Maßnahmen. Durch gezielte, möglichst Sonographie-gestützte Injektion des Toxins in die betroffenen Muskelpartien lässt sich der erhöhte Muskeltonus lokal reduzieren, die motorischen Funktionen verbessern sich. Die häufigste Indikation für den Einsatz von Botulinumtoxin Typ A im Kindesalter ist die dynamische Spitzfußstellung im Rahmen einer Zerebralparese. Botox® ist für diese Indikation explizit ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen.

Wenige Nebenwirkungen – kaum Antikörperbildung

Besonders wichtig gerade bei der Anwendung eines Arzneimittels bei Kindern ist das Sicherheitsprofil. Für Botox® liegen bereits Erfahrungen über mehr als zwölf Jahre in der Pädiatrie vor.

Nebenwirkungen treten bei weniger als zehn Prozent der behandelten Kinder, und damit seltener als bei Erwachsenen, auf. Eine Vergleichsstudie zeigt, dass sich mit Botox® im Gegensatz zu einem anderen Botulinumtoxin-A-Präparat ein maximaler lokaler Effekt schon in Dosen erreichen lässt, in denen eine Migration in andere Muskeln noch nicht stattfindet. Auch die Antikörperproblematik und die damit verbundene sekundäre Non-Response scheint weitgehend vom Tisch. Bei weniger als einem Prozent der Kinder mit infantiler Zerebralparese wurde die Entwicklung von Antikörpern beobachtet.

Infantile Zerebralparese

Infantile Zerebralparese (CP) ist ein Überbegriff für Bewegungsstörungen, die durch eine pränatale, perinatale oder postnatale frühkindliche Schädigung des unreifen Gehirns hervorgerufen werden. Charakteristisch sind ein auffälliges Körperhaltungs- und Bewegungsmuster, ein pathologisch erhöhter Muskeltonus und extrapyramidal-motorische Störungen. Sie sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Auch die Lokalisation variiert.

So sind bei der spastischen Hemiparese Arm und Bein einer Körperseite betroffen, bei der spastischen Tetraparese alle vier Extremitäten. Die motorische Störung ist nicht progredient. Sie ist allerdings häufig assoziiert mit mentaler Retardierung, Seh-, Hör-, Sprach- und Lernstörungen sowie Anfallsleiden. Zu den Ursachen der infantilen Zerebralparese gehören Hirnblutungen, Enzephalopathien und Infektionen. Die Prävalenz wird zwischen einem und 2,5 pro 1000 lebendgeborenen Kindern angegeben. Besonders hoch ist das Risiko für Frühgeborene.

Liegt das Geburtsgewicht unter 1500 g, steigt die Gefahr einer spastischen Tetraparese gegenüber Reifgeborenen um das 40Fache. Neonatale Intensivbehandlung und optimale Versorgung der Frühchen können das Risiko reduzieren. Da sich eine CP erst beim Krabbeln, Laufen, Essen und Sprechen bemerkbar macht, bleibt die Krankheit oft so lange unentdeckt bis die Kinder anfangen zu sitzen oder zu stehen. Eine Heilung der Zerebralparese ist nicht möglich.

Die Therapie stützt sich auf intensive Physiotherapie, kombiniert mit orthopädischen, heilpädagogischen und/oder logopädischen Maßnahmen. Auch chirurgische Eingriffe können notwendig werden. Der pathologisch erhöhte Muskeltonus kann medikamentös mit dem Muskelrelaxans Baclofen oder durch gezielte Injektion von Botulinumtoxin A behandelt werden.

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