Schwerpunkt Gesunde Zähne

Bleaching: Vor- und Nachteile aus zahnärztlicher Sicht

Mittlerweile stehen sehr viele verschiedene Mittel zum Zähnebleichen zur Verfügung. Alle versprechen sie das gleiche: schnell und einfach ein strahlend weißes Lächeln ohne Probleme und lange anhaltend. Doch was ist von solchen Versprechen zu halten? Sind die Mittel wirklich so ganz ungefährlich? Wir sprachen mit dem niedergelassenen Zahnarzt Jörg Schneider über die Möglichkeiten und Gefahren des Bleachings.

DAZ:

Was genau passiert beim Bleichen der Zähne, dem so genannten Bleaching?

Schneider:

Es handelt sich um einen chemischen Prozess. Ein Bleichmittel wird auf die Zahnoberfläche gebracht. Dabei durchdringen in der Regel Peroxide mit niedrigem Molekulargewicht, oft Wasserstoffperoxid, den Zahnschmelz und das Dentin. Freiwerdende Radikale oxidieren dabei die verfärbten Moleküle zu farblosen Molekülen. Die Folge ist der erwünschte Aufhellungseffekt der Zähne.

DAZ:

Wann ist Bleaching sinnvoll?

Schneider:

Bleaching ist eine Modeerscheinung unserer Zeit. Makellose, blendend weiße Zähne stehen für Schönheit, Erfolg und einen gesunden Körper. Das künstliche Aufhellen der Zähne kann jenseits reiner Kosmetik auch dabei helfen, Zahnverfärbungen zu beseitigen oder zu mindern, die von endogener Natur sind. Mitunter werden durch Hyperfluorosen Flecke auf den Zähnen hervorgerufen – oder auch durch lokale Demineralisations- oder Remineralisations-Prozesse. Kronen oder Verblendungen, so genannte Veneers, können einem Patienten manchmal durch das Bleaching erspart bleiben.

DAZ:

Welche Variante ist beim Bleaching die beste?

Schneider:

Beim Zähnbleichen gilt inzwischen: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das Prinzip des Bleichens ist wie oben beschrieben stets das Gleiche, eben durch die Wirkung von Peroxiden. Grundsätzlich gibt es aber die Unterscheidung von Home-Bleaching, bei dem der Patient selber zuhause tätig wird, und den Chairside-Methoden, die vom Zahnarzt in der Praxis durchgeführt werden. Die einfachsten und auch preiswertesten Varianten sind die in den Apotheken und Drogerien erhältlichen Lacke oder Folien zur Hausanwendung mit niedrig konzentrierten Peroxiden. Diese Produkte sind zum Ausprobieren ganz gut geeignet, haben aber aus zahnärztlicher Sicht einige Nachteile.

DAZ:

Zum Beispiel?

Schneider:

Die Folien sind mitunter zu kurz, reichen nur für die Frontzähne und passen sich schlecht den anatomischen Formungen der Zähne an, und Zahnzwischenräume werden oft nicht erreicht. Auch ist der Schutz des Zahnfleisches oft nicht optimal gewährleistet. Einige Bleaching-Gele werden ausschließlich über Zahnarzt-Praxen vertrieben. Häufig benötigt man für diese Gele eine individuell angefertigte Schiene. Das ist teurer als die einfachen Hausmethoden – aber bei einer entsprechend sorgfältigen Fertigung der Schiene wird das Zahnfleisch geschont, und es findet eine gleichmäßige Aufhellung statt. Eine höhere Konzentration in den Bleaching-Gelen und mögliche längere Tragezeiten beschleunigen den Aufhellungseffekt.

DAZ:

Wenn Zahnärzte Bleaching anbieten, wie geht das vonstatten?

Schneider:

Aus meiner Sicht ist das die wohl effizienteste, aber zugleich auch kostenintensivste Methode. In der Zahnarztpraxis wird mit sehr hochkonzentrierten Materialien gearbeitet. Der Aufhellungseffekt tritt sofort ein, und der Patient verlässt nach etwa einer Stunde mit einem strahlend hellen Lächeln die Praxis. Bei dieser Behandlung zahlt der Patient neben der Arbeitsleistung des Zahnarztes auch die Materialien selbst.

DAZ:

Was kostet dann so etwas?

Schneider:

Bleaching-Strips und entsprechende Lacke aus dem Handel, zum Beispiel auch aus der Apotheke, beginnen bei etwa 30 Euro, können aber auch 60 Euro oder etwas mehr kosten. Eine Behandlung mit individuellen Schienen für beide Kiefer kostet dann schon von rund 400 Euro aufwärts. Die Preise für eine Chairside-Behandlung liegen je nach Material, benötigter Zeit und der Region zwischen etwa 250 und 600 Euro oder mitunter auch mehr. Mein dringender Rat: Unabhängig von der Bleichmethode sollte vor jeder Behandlung eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden, dadurch entstehen zwar weitere Kosten, die jedoch für ein gutes Ergebnis unabdingbar sind.

DAZ:

Was sollten sich Patienten vor dem Bleaching genau klarmachen?

Schneider:

Es ist so, dass Zahnfüllungen und Zahnersatz ihre Farbe während des Bleichens nicht verändern! Das kann zu unschönen und überhaupt nicht beabsichtigten Farbeffekten führen. Der Austausch von Füllungen oder Zahnkronen mit veränderten, angepassten Farben ist prinzipiell möglich, stellt in solchen Fällen jedoch keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung dar, was zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen führen kann.

Mein Tipp: Wer ein Bleaching plant – ob zuhause oder von professioneller Hand – sollte sich vorher von seinem Zahnarzt beraten lassen.

DAZ:

Sind Nebenwirkungen bekannt?

Schneider:

Nicht selten verursacht eine Bleaching-Behandlung vorübergehend hypersensible Zähne. In solchen Fällen sollte die Behandlung unterbrochen werden. Tritt keine Linderung ein, sollte das Bleaching ganz abgebrochen werden. Kommt versehentlich das Zahnfleisch mit dem Bleichmaterial in Kontakt, führt das zu vorübergehenden Zahnfleisch-Irritationen.

DAZ:

Wie lange hält das Ergebnis an?

Schneider:

Das hängt sehr stark von den Ernährungs- und Genussmittelgewohnheiten des Anwenders ab. Erfahrungswerte besagen, dass die Bleichwirkung zwischen sechs und 24 Monaten liegt. Zahnärzte empfehlen, zunächst eine professionelle Chairside-Behandlung in der Zahnarzt-Praxis mit nachfolgenden "Auffrischungen" durch Lacke, Gele oder Strips.

DAZ:

Herr Schneider, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Mario Süßenguth

Verschiedene Bleichverfahren

In-Office-Bleaching: wird mit individuell gefertigter, genau passender Schiene in der Zahnarztpraxis durchgeführt, es werden hochkonzentrierte Bleichmittel verwendet.

Chairside-Bleaching: wird ohne Schiene in der Zahnarztpraxis durchgeführt.

Home-Bleaching: der Patient bekommt individuelle Schienen angefertigt, die genau über seine Zähne passen und das Zahnfleisch nicht berühren und die er über Nacht – mit einem milden Bleichgel gefüllt – trägt.

Walking-Bleach-Technik: für tote verfärbte Zähne, das Bleichmittel wird in den von hinten aufgebohrten Zahn eingebracht und vorübergehend darin belassen. Am Ende der Behandlung wird das Bleichmittel wieder aus dem Zahn entfernt und das Loch auf der Rückseite mit einer (Kunststoff-) Füllung verschlossen.

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