Arzneimittel und Therapie

Mit Duftstoffen Mücken abschrecken

Der Tag geht, die Mücken kommen und haben schon die eine oder andere Gartenparty verdorben und manche Stunde Schlaf gestohlen. Die häufigste nachtaktive Mücke in unseren Breiten ist die Culex pipiens. Durch nerviges Summen und juckende Stiche haben die Insekten keine Freunde. Unterschiedliche Abwehrmittel sollen die Blutsauger auf Abstand halten. Doch welche Mittel sind geeignet, welche eher "für die Katz'"?

Stiftung Warentest untersuchte eine Reihe von Mückenmitteln. Anfänglich wurden Mückenpiepser, Mückenbänder unter die Lupe genommen. Doch das Urteil fiel eindeutig aus – keines der angepriesenen Geräte (Duftkerzen, Duftöle, Mückenbänder, Ultraschallgeräte [Mückenpiepser] und UV-Lichtgeräte) konnte die Mücken fern halten. Im Gegenteil: Mitunter landeten die Tierchen direkt auf den Mückenpiepsern, die sie eigentlich vertreiben sollten. Teebaum, Citronella oder indische Melisse halten die Mücken ebenso nicht vom Stechen ab. Natürliche Öle gelten als sanfte Alternative zu chemischen Abwehrmitteln. Doch sie wirken kaum und können sogar Hautausschläge auslösen. Bei dem Mittel ContraMück klagten zwei von fünf Testpersonen nach dem Auftragen über Pusteln und juckende Haut.

Demnach war der Effekt von Duftölen, Mückenpiepsern & Co. gleich Null. Deshalb schnitten die Gerätschaften dieser Gruppe mit "mangelhaft" ab. Aber auch die oft empfohlenen Mittel zum Einreiben zeigten nicht immer die gewünschte Wirkung. Der Geruch dieser Mittel soll anfliegende Mücken verjagen. Vier der getesteten Repellents hielten die Mücken überhaupt nicht vom Stechen ab. Am wirkungsvollsten waren die Repellents Autan® Family Milch und Jaico Muggenmelk, welche maximal drei bis vier Stunden Wirkung zeigten.

Moderne Elektroverdampfer bringen die in ihnen enthaltenen Wirkstoffe mit Strom zum Verdampfen. Das Paral® Mücken-Mobil und der Nexalotte® Mückenstecker verdampfen die Insektengifte Transfluthrin, Allethrin und Piperonylbutoxid. Dadurch werden die Mücken sogar abgetötet. Wichtig zu wissen ist aber, dass diese Verdampfer die Raumluft belasten. Die Wirkstoffe können Atemwege, Haut und Augen reizen. Sie sind besonders gefährlich für Säuglinge, Allergiker und empfindliche Menschen. Empfehlenswert sind die Biozidverdampfer deshalb nur im Notfall, nicht zur Dauernutzung. Beispielsweise um das Ferienhaus am See schnell wieder mückenfrei zu machen. Globol® Mückenverdufter und Isotronic® Natur-Insektomat waren völlig wirkungslos. In diesen beiden Verdampfern und den vier wirkungslosen Repellents waren ätherische Öle als Inhaltsstoffe zu finden.

Repellents auf natürlicher Basis

Das heißt aber nicht, dass man gleich zur chemischen Keule greifen muss, um eine durchschlagende Wirkung zu erzielen. Zwei Repellents auf der Basis von ätherischen Ölen haben im Test die Mücken merklich in die Flucht geschlagen: Aeroxon® Hautschutz gegen Mücken und Neudorff Permanent Mücktan. Beide haben als Inhaltsstoffe Lavendel- und Zitronenöl. Allerdings wirken sie nicht so lange wie Repellents mit synthetischen Wirkstoffen. Auch einige Anbieter von Mückenschutz mit synthetischen Wirkstoffen haben reagiert und problematische Chemikalien ersetzt.

So enthielt Autan® lange Zeit Diethyltoluamid (DEET), welches wegen möglicher Gesundheitsgefahren in Verruf geraten ist. Nach häufiger Anwendung in hoher Konzentration wurde von Hautreizungen und Störungen des Nervensystems berichtet. Für Säuglinge und Kleinkinder sind diese Wirkstoffe problematisch. Generell gilt bei diesem Stoff: er sollte nicht großflächig und nicht allzu häufig angewendet werden. Nun ist Autan® mit einem neuen Wirkstoff ausgerüstet: Bayrepel [1-Methylpropyl 2-(2-hydroxyethyl)piperidin-1-carboxylat] soll schwerer in die Haut eindringen als andere Repellents. Nach heutigem Kenntnisstand ist dieser Stoff unproblematischer als DEET und wirkt trotzdem. Die Präparate der Autan®-Familie wurden von "test" als "geeignet" zum Schutz vor Insektenstichen bewertet. Aber auch die Hersteller von Verdampfern haben reagiert: Transfluthrin gilt als unbedenklicher im Vergleich zu früher eingesetzten Pyrethroiden. Es ist in den beiden wirkungsvollsten Verdampfern enthalten.

Den ersten Mückenschutz als Pflaster bietet Hansaplast seit gut einem Jahr an. Natürliches Citronella-Öl soll die weiblichen Stechmücken auf Distanz halten. Allerdings blieb bei Untersuchungen der Stiftung Warentest die Wirkung der Aufkleber aus. Auch nachdem die Pflaster eine Stunde lang getragen wurden, stellte sich das gleiche juckende Ergebnis wie ohne Pflaster ein.

Lockt süßes Blut?

Bei einem Stich gibt die Mücke ein Sekret in die Wunde ab, um die Blutgerinnung zu unterbinden. Das löst Juckreiz und Schwellungen aus. Auf diesen Stich können einige Personen besonders empfindlich reagieren – sowohl auf den Mückenstich selbst, als auch auf möglicherweise eingesetzte Abwehrmittel. Allerdings werden einige Personen häufiger gestochen als andere. Landläufig sagt man von Personen, die besonders häufig gestochen werden, sie hätten "süßes Blut". Ganz so einfach lässt sich der Anlockeffekt nicht erklären. Aber richtig ist, dass die Stoffwechselvorgänge im Körper Ausdünstungen (etwa Kohlendioxid, Ammoniak, Essig- und Milchsäure) erzeugen, die Mücken anlocken können. Auch die Körpertemperatur, die Feuchtigkeit und Duftstoffe wie Parfüms spielen eine Rolle. Daraus ergibt sich ein Anlockeffekt, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann. Das sich hartnäckig haltende Gerücht, Blut von Frauen sei "süßer" als das von Männern, konnte aber im Test der Stiftung Warentest nicht bestätigt werden.

Dr. med. Ingo Blank

Quelle
Stiftung Warentest, Zeitschrift „test”, Ausgabe 06/2004 und 08/2005.

Tipps, um sich die kleinen bissigen Biester vom Leib zu halten:

  • bunte Kleidung (und Freizeitgeräte) lockt Insekten an, ebenso Parfums
  • leichte Sommerkleidung tragen, aber Arme und Beine bedecken
  • keine hektischen Bewegungen in der Nähe von Insekten
  • kein überreifes Obst aufheben
  • an Alternativen zu den chemischen Mitteln denken: Moskitonetz über dem Bett oder Fliegengitter vor den Fenstern

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