Bayerischer Apothekertag

Wir brauchen kalkulierbare Rahmenbedingungen

Die vergangenen zwei Jahre waren für die Apotheken alles andere als einfach. Das wurde auch auf dem Bayerischen Apothekertag deutlich, der vom 3. bis 5. Juni in Füssen stattgefunden hat. Ständig sich verändernde gesetzliche Rahmenbedingungen machten und machen es schwer, zukunftsorientiert zu arbeiten, Investitionen zu tätigen und neue Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Dennoch war der Grundtenor des Apothekertags durchaus optimistisch und insbesondere von großem Wohlwollen gegenüber der Landesregierung geprägt, die in Füssen durch Dr. Werner Schnappauf, Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, vertreten wurde. Wie bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, erhoffen sich die bayerischen Apotheker, allen voran der 1. Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbands, Gerhard Reichert, und Johannes M. Metzger, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, auch für die Zukunft den Rückhalt durch "ihre" Regierung. Darüber hinaus forderten sie auf dem Apothekertag vor allem besser kalkulierbare Rahmenbedingungen.

Reichert: Wir brauchen Planungssicherheit

Während auf früheren bayerischen Apothekertagen sowohl von Seiten der Kammer als auch des Verbands eine Rede zu den Grundsatzfragen der Arzneimittelversorgung in Bayern bzw. zur Lage der Pharmazie in Deutschland gehalten wurden, wechseln sich Kammer und Verband seit einem Jahr hierbei ab. Dieses Mal fiel die Aufgabe der Begrüßung der Ehrengäste sowie der Einführung in den Apothekertag dem 1. Vorsitzenden des Bayerischen Apothekerverbands, Gerhard Reichert zu.

Einen kleinen Schlenker in die Politik konnte er sich dabei allerdings trotz Aufgabenteilung nicht verkneifen. Wie zu erwarten, übte Reichert harsche Kritik an der Regierung, die "in doch oft nicht zu Ende gedachten Experimenten" eine sichere, zuverlässige und preisgünstige Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln aufs Spiel setze. Gehe es nach dem Willen der Apotheker, dürften derartige Experimente künftig nicht mehr stattfinden – unabhängig davon, ob es zu vorzeitigen Wahlen und möglicherweise einem Regierungswechsel kommt oder nicht.

"Wir wissen nicht, was uns die Politik in den kommenden vier Jahren bescheren wird. Was wir uns aber über alles wünschen, sind Planungssicherheit und Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung unseres freien Heilberufs", meinte Reichert.

Kompromiss zum Kassenrabatt war richtig

Wie wichtig Kontinuität und Sicherheit für den Berufsstand sind, macht dem Verbandsvorsitzenden zufolge nicht zuletzt der von den Apothekern mitgetragene Kompromiss zum Kassenrabatt deutlich. Mit der Bereitschaft, auf den größten Teil der Ausgleichszahlungen zugunsten einer Lösung zu verzichten, die eine Festschreibung des Abschlags von zwei Euro bis zum Ende des Jahres 2008 vertraglich fixiert, habe man gezeigt, dass "die Struktur der freien Apotheke und der Versorgungsauftrag uns wichtiger sind, als eine sicherlich willkommene, aber nur kurzfristig wirksame Reduzierung des Abschlags".

Reichert räumte ein, dass die Entscheidung des Deutschen Apothekerverbands pro Kompromiss in dem Bewusstsein fiel, dass viele Kollegen hierfür kein Verständnis haben würden, und er war sich sicher, dass noch einiges an Erklärung und Rechtfertigung auf den Verband zukommen wird. "Trotzdem bin ich der Meinung, dass es in der jetzigen Situation die richtige Entscheidung war". Umso mehr, als es im Zuge der Kompromissfindung auch möglich gewesen sei, die "unselige" Diskussion um die Frage der Mehrwertsteuer im Herstellerrabatt endgültig ad acta zu legen.

Apotheker nicht zur Melkkuh machen

"Politik, Gesellschaft und Krankenkassen können sich darauf verlassen, dass die Apotheker immer zu vernünftigen Lösungen bereit sind, dass sie stets ein offenes Ohr haben werden, dass sie, wenn es sein muss und zumutbar ist, auch über den eigenen Schatten springen", signalisierte Reichert auch für die Zukunft Kompromissbereitschaft. Allerdings schränkte er ein, dass diese Bereitschaft nur so lange gelte, als sie nicht dazu genutzt werde, die Apotheker zur Melkkuh der Nation zu machen.

Was das Bayerische Staatsministerium und die Bayerische Staatsregierung betrifft, sei er hier jedoch guter Hoffnung, meinte der Verbandsvorsitzende. Reichert dankte in diesem Zusammenhang Dr. Werner Schnappauf für die Unterstützung, die die bayerischen Apotheker durch ihn und sein Ministerium fortwährend erfahren hätten. Die stets klare Linie der Bayerischen Staatsregierung zur Sicherung der Arzneimittelversorgung durch die öffentlich niedergelassene Apotheke wisse man sehr zu schätzen.

Schnappauf: Deutschland steckt in der Krise

Dr. Werner Schnappauf, Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, sprach zur politischen Lage Deutschlands, wobei er einerseits ein düsteres Bild des Ist-Zustands zeichnete und andererseits – mit Blick auf die anstehenden Wahlen – Hoffnung auf eine positive Weichenstellung machte. Die Bundesrepublik sehe sich heute mit der tiefgreifendsten Krise seit ihrer Gründung konfrontiert, leitete der Staatsminister ein. Über fünf Millionen Arbeitslose, ein galoppierender Verlust sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse, eine explodierende Staatsverschuldung und verkrustete, überbürokratisierte Strukturen seien das Fazit einer Bundesregierung, die auf der ganzen Linie versagt habe.

So sei es kein Wunder, dass immer mehr Menschen mit Bangen in die Zukunft blickten. Einer aktuellen Emnid-Umfrage zufolge sind 85 Prozent der Deutschen skeptisch, was ihre Zukunft anbelangt und 48 Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Mit diesen lähmenden Gedanken müsse nun endlich Schluss gemacht werden, forderte Schnappauf: "Die Devise heißt jetzt Aufbruch, die Zukunft aktiv in die Hand nehmen."

Für die Zukunft fit machen

Schnappauf ist zuversichtlich, dass dieser Aufbruch gelingen kann, allerdings erfordere er einen konsequenten Kurswechsel in der Politik. "Wenn wir Deutschland wieder zur Wachstumslokomotive in Europa machen wollen – und wir können das schaffen – müssen wir Staat, Wirtschaft und Gesellschaft konsequent fit machen für die Zukunft", meinte er.

Drei Punkte sind Schnappauf zufolge für dieses "fit machen" notwendig. Als ersten Punkt nannte er einen unverzüglichen Stopp der zunehmenden Staatsverschuldung. Die öffentlichen Finanzen müssten baldmöglichst in Ordnung gebracht werden. Bayern gehe hier mit gutem Beispiel voran, indem es sich einen ausgeglichenen Haushalt für 2006 als höchste Priorität auf die Agenda geschrieben habe. Dabei sei man sich bewusst, dass dies nicht ohne schmerzliche Einschnitte möglich sei und auch von den Bürgern spürbare Opfer verlange.

Vor allem fordere es den Abschied vom lieb gewonnenen, alles beschützenden und alles versorgenden Staat. "Wenn wir glauben, nur der Staat ist derjenige, der alles gut macht, dann wird dieser Staat bald am Ende sein", warnte der Staatsminister. Vielmehr müsse die Eigenverantwortung der Bürger wieder Platz greifen und an die Stelle der Versorgungsmentalität rücken – nicht zuletzt auch im Gesundheitswesen. Schnappauf ging in diesem Zusammenhang auf das Präventionsgesetz ein. Bayern hatte das Gesetz in der vorliegenden Form als zu regellastig abgelehnt. "Nichts desto trotz befürwortet Bayern das Prinzip Prävention. Sie ist für uns die Grundlage eines zukunftsfähigen Gesundheitswesens", betonte Schnappauf.

Weniger Bürokratie gefordert

Die zweite Voraussetzung, um Deutschland wieder fit zu machen, ist Schnappauf zufolge ein Abbau der Bürokratie. "Wir müssen das wuchernde Regelungsdickicht in Deutschland konsequent lichten. Die Bürokratie lähmt nicht nur Investition, Innovation und Wirtschaftsentwicklung, sie verursacht der Wirtschaft darüber hinaus Kosten von 46 Mrd. Euro im Jahr", kritisierte er. Wie beim Schuldenabbau gehe Bayern auch in Bezug auf den Bürokratieabbau vorbildhaft voran. Allein im Bereich Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz habe man über die Hälfte aller Verwaltungsanweisungen ersatzlos gestrichen. Insgesamt habe man die Landesgesetze um zehn Prozent gesenkt. Und mit der bayerischen Verwaltungsreform "Verwaltung 21" schaffe man schlanke und wirksame Strukturen, um den Standort Bayern noch weiter zu stärken.

Eigenverantwortung mobilisieren

Der dritte Punkt für ein zukunftsfähiges Deutschland ist nach Aussage des bayerischen Gesundheitsministers die aktive Mobilisierung der Eigenverantwortung. So müsse unter anderem die Gesundheitsvorsorge für die Menschen zur täglichen Maxime werden. Um dies zu erreichen, hat Bayern die Initiative "Gesund.Leben.Bayern" ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es nach Schnappaufs Worten, die Bürger für Eigenverantwortung zu sensibilisieren und zu motivieren: "Wir wollen die Nummer 1 bei der Vorsorge in Europa werden". Hauptzielgruppe der Initiative seien Kinder und Jugendliche – "denn sie sind unserer Zukunft", wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Rauchen liege.

Schnappauf nannte Zahlen, die zeigen, wie wichtig dieser Schwerpunkt ist: Derzeit sterben jedes Jahr 142.000 Menschen in Deutschland vorzeitig durch Rauchen, allein in Bayern sind es ca. 16.500. Die Ökonomischen Schäden belaufen sich auf rund 17 Mrd. Euro im Jahr. Besonders beunruhigend sei, dass sehr viele Jugendliche, insbesondere Mädchen, zur Zigarette greifen – und das in immer jüngeren Jahren.

Dies will Bayern ändern. Bis 2008 ist Schnappauf zufolge eine Trendwende angestrebt, bis 2015 will man erreichen, dass 25 Prozent weniger junge Raucher in Bayern leben. Ein Ansatz dafür ist das nun gestartete Projekt "Rauchfreie Schule Bayern". Es soll in weiteren Schritten auf Kliniken, Gaststätten, Betriebe und Behörden ausgeweitet werden und insgesamt darin münden, dass in öffentlichen Räumen künftig nicht mehr geraucht wird. "Wir wollen Nichtrauchen zur Normalität in Bayern machen", fasste Schnappauf die Fülle der geplanten Aktionen zusammen.

Dabei rechnet er fest mit der Unterstützung der Apotheker. Dass er auf sie zählen kann, habe bereits die Abnehmaktion "Bayern light" bewiesen, an der im vergangenen Jahr 46.000 Menschen in Bayern teilgenommen und dabei über 500.000 überflüssige Pfunde verloren haben. Für diesen beachtlichen Erfolg sprach Schnappauf dem Berufsstand seinen herzlichen Dank aus.

Uneingeschränktes Bekenntnis zu bayerischen Apotheken

Der Gesundheitsminister bestätigte das von Reichert bereits angesprochene Vertrauensverhältnis zwischen der bayerischen Regierung und den Apotheken. "Bayern steht uneingeschränkt zu seinen mittelständischen Apotheken und zum Grundprinzip des freien Berufes", sagte er. Dass dies so ist, habe man in jüngster Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt – im gemeinsamen Kampf gegen Versandhandel und anonyme Medikamenten-Großdiscounter ebenso wie bei der Apothekengesetzesnovelle, bei der sich Bayern für das Regionalprinzip ausgesprochen und gegen eine Gesetzesänderung gestimmt hat.

Und auch künftig wolle man alles tun, um die wohnortnahe mittelständische Apotheke zu erhalten und Kettenbildung sowie Fremdbesitz entgegenzuarbeiten. Nur so kann aus Sicht des bayerischen Staatsministers eine qualitativ hochwertige und sichere Patientenversorgung aufrechterhalten werden.

Aufrechterhaltung der Approbationsordnung

Aufrechterhalten will Bayern auch den einheitlichen Universitätsstudiengang Pharmazie mit dem anschließenden Staatsexamen sowie die Approbationsordnung. "Nur so können wir das ausgezeichnete Niveau der pharmazeutischen Ausbildung erhalten", so Schnappauf. "Das vordringliche Ziel der Bayerischen Staatsregierung ist es, dafür zu sorgen, dass das Gesundheitswesen in Bayern, in dem mittelständische Apotheken fester Bestandteil sind, auch in Zukunft seinen hohen Standard halten kann", sagte er abschließend und sprach sein Vertrauen auf die aktive Unterstützung der Apotheker bei dieser Aufgabe aus.

Metzger: Auf die bayerischen Apotheken ist Verlass

Dass sich die bayerische Regierung auf "ihre" Apotheken verlassen kann, bestätigte Johannes M. Metzger in seiner Grundsatzrede. So nannte er es "die einzig richtige Entscheidung", in Bayern für 2006 einen Haushalt ohne Neuverschuldung aufzustellen. Die Bayerische Landesapothekerkammer unterstütze die von Ministerpräsident Stoiber eingeleitete Verwaltungsreform und sei auch bereit, Aufgaben zu übernehmen, wenn diese Übernahme zur Verwaltungsvereinfachung führe und damit den Apothekern Kosten erspare und mögliche Eigenverantwortung stärke.

Wie Reichert kritisierte auch Metzger die Politik in Deutschland, die zum Verlust von Arbeitsplätzen und Kapital führe und die Deutschen weitgehend ins Mittelmaß verbanne. "Mit der Einführung der Mülltrennung von Müslibechern werden wir unsere Probleme nicht lösen, auch wenn die Grünen nicht müde werden, auf die neuen Arbeitsplätze z. B. bei der Windkraft hinzuweisen, ohne je von den volkswirtschaftlichen Kosten zu sprechen, die durch diesen weit überteuerten Strom entstehen und die im Saldo weit mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen haben", schimpfte er.

In Deutschland fehle Geld für Investitionen, die tatsächlich Arbeitsplätze schaffen würden, z. B. in der Alten- und der Kinderpflege. Beides sei bitter nötig, würde es doch zur Entstehung Zehntausender von Arbeitsplätzen führen – insbesondere für Frauen. "Wir freuen uns über die vielen gut ausgebildeten jungen Frauen, aber wir nehmen ihnen die Chance, Beruf und Kinderwunsch zu vereinbaren", erklärte Metzger und meinte weiter "Pharmazie wird heute überwiegend von Frauen studiert, aber in den ersten fünf Jahren nach dem Staatsexamen üben weniger als die Hälfte ihren Beruf aus, welche Vergeudung knapper Ressourcen."

Den Mittelstand fördern

Das Gesundheitswesen und die Branche der Dienstleistungen sind nach Metzgers Prognose zwei von insgesamt sieben Wirtschaftszweigen in Deutschland, die bis zum Jahr 2020 deutlich wachsen und somit neue Arbeitsplätze schaffen werden, "wenn eine kluge Politik endlich die Weichen dafür stellt". Bis zu 700.000 neue Stellen könnten bis dahin entstehen, allerdings nur, so Metzger, wenn endlich kalkulierbare Rahmenbedingungen geschaffen würden. "Eine Politik, die jedes Jahr mit einem neuen Flickwerk an gesetzlichen Regelungen jegliche Planungsmöglichkeit nimmt, verhindert eben jene Investitionen, die wir benötigen, um neue Arbeitsplätze im Gesundheitswesen zu schaffen."

An die Regierung richtete Metzger den dringenden Appell, endlich mit einer glaubhaften Mittelstandsförderung zu beginnen. Der Mittelstand biete die meisten Arbeitsplätze, zahle die meisten Steuern und biete gerade in der Gesundheitsbranche seine Leistungen bedürfnisgerecht und wohnortnah an. Allerdings würden diese Leistungen von der derzeitigen rot-grünen Regierung weder gesehen noch gewürdigt.

Durch die Einführung des Versandhandels und die Debatte um die Aufhebung von Fremd- und Mehrbesitzverbot lege sie es vielmehr darauf an, die mittelständische Versorgung durch den freien Heilberuf Apotheker zugunsten einer oligopolistischen Versorgung durch internationale Kapitalgesellschaften abzulösen. "Das zeigt, wie trotz aller Kapitalismusschelte gerade eine rot-grüne Politik dem Glanz globaler Kapitalgesellschaften erliegt", so das Resümee des Kammerpräsidenten.

Metzger forderte von Seiten der Bundesregierung ein Umdenken und ein klares Bekenntnis zur mittelständischen Arzneimittelversorgung durch Apotheken. Der bayerischen Landesregierung sprach er hingegen seinen Dank aus, da sie dieses Bekenntnis in der Vergangenheit immer wieder zum Ausdruck brachte – einmal mehr bei der jüngst verabschiedeten Apothekengesetzesnovelle. Der hierzu im Vermittlungsausschuss gefundene Kompromiss ist aus Metzgers Sicht zwar schmerzhaft, berücksichtige jedoch wenigstens in etwa die unverzichtbare zeitnahe Akutversorgung der Krankenhäuser und halte die Versorgung grundsätzlich in der Verantwortung einer Apotheke.

Keine "Uni Bolognese"

Ausführlich ging Metzger in seiner Rede auf das Thema "Bachelor-/Master-System" ein. Zweck des so genannten Bologna-Prozesses ist es, bis 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, indem die Ausbildungsschritte der verschiedenen Hochschulen europäischer Länder gegenseitig Anerkennung finden, sich also die Studierenden der 4000 europäischen Hochschulen frei bewegen können und ihnen überall vergleichbare Studien- und Berufschancen offen stehen. Zudem soll die durchschnittliche Studienzeit verkürzt und somit Kosten gespart werden.

Zwei Drittel aller Auszubildenden sollen nach den Plänen künftig in dreijähriger Ausbildung an Fachhochschulen mit einem Bachelor-Degree ins Berufsleben entlassen werden, nur noch ein Drittel soll an die Universitäten. Von diesem letzten Drittel sollen wiederum zwei Drittel mit dem Bachelor abschließen und nur das beste Drittel den Zugang zum Masterabschluss erhalten.

Dem Bestreben nach gegenseitiger Anerkennung der Abschlüsse könne man zunächst einmal nur zustimmen, so Metzger. Allerdings seien hierfür keinerlei Änderungen für das Fach Pharmazie notwendig, da die Abschlüsse in ihren Qualitätsanforderungen bereits seit Jahren europäisch geregelt sind und überall Anerkennung finden. "Was für die ungeregelten Fächer gefordert wird, würde gerade die Pharmazie zerstören, denn der regelhafte Bachelor-Abschluss findet keinerlei Anerkennung und mit dem Restdrittel an Vollapothekern könnte man in keiner Weise den Erfordernissen des Arbeitsmarktes gerecht werden", gab er zu bedenken.

Deutschland, so Metzger, nimmt für sich in Anspruch, eine Bildungs- und Kulturnation zu sein. Ein staatliches Konzept, das nur noch zu einem Drittel wissenschaftsorientiert ausbilde, könne nicht der richtige Ansatz sein, um diesem Anspruch weiterhin gerecht zu werden. "Die Bundesapothekerkammer steht zum von der Bayerischen Landesapothekerkammer eingebrachten und vom letzten Deutschen Apothekertag verabschiedeten Antrag, der die Wissenschaftsminister der Länder auffordert, in der Pharmazie auf die Einführung von Bachelor-/Master-Studiengängen zu verzichten und am einheitlichen Staatsexamen festzuhalten", fasste Metzger zusammen.

Die Zukunft liegt in der Kundenorientierung

Am Samstagnachmittag standen Vorträge zum Thema Apothekenmarketing sowie zur Bewertung von Phytopharmaka auf dem Programm des Bayerischen Apothekertags. Prof. Dr. Anton Meyer, Institut für Marketing der LMU München, machte den Auftakt, indem er die Bedeutung der individuellen Kundenbeziehung als Wertschöpfungspotenzial für die Apotheke verdeutlichte. Meyer betonte eingangs, dass die Apotheke auch in Zukunft eine marktwirtschaftliche Chance habe, da der Gesundheitsmarkt einer der wenigen Märkte sei, die auch künftig deutlich wachsen würden. Allerdings werde sich stärker als bisher die Spreu vom Weizen trennen.

"Für die guten Apotheken wird es in Zukunft deutlich besser werden, für die durchschnittlichen eher schlechter und die bereits heute schlecht aufgestellten Apotheken werden nicht überleben", prognostizierte der Betriebswissenschaftler. "Gut" werden seiner Ansicht nach künftig vor allem diejenigen Apotheken sein, die es verstehen, Kunden dauerhaft an sich zu binden, die also effektives Kundenmanagement betreiben. Gerade die kleine Größeneinheit einer Apotheke ist Meyer zufolge hierbei ein Vorteil. Große Konzerne seien in der Regel nicht in der Lage, jeden einzelnen ihrer Kunden im Blick zu behalten, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen und sich wirklich individuell um ihn zu kümmern.

Die Erwartungen des Kunden

Um kundenorientiert arbeiten zu können, muss man wissen, was der Kunde will. Wie Meyer ausführte, wünschen sich Kunden Zeitersparnis und eine Vorzugsbehandlung. "Du kennst mich." "Ich sage Dir, was ich will und Du kümmerst Dich darum." "Du vergisst das nicht und erinnerst Dich auch beim nächsten Mal wieder an mich." Mit diesen Sätzen umschrieb Meyer die wichtigsten Bedürfnisse der Kunden. Stichpunktartig zeigte er anschließend auf, welche Möglichkeiten der Apotheker hat, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Zum Stichpunkt "Zeitersparnis" empfahl Meyer eine gezielte Informationsselektion und -bündelung für die Kunden. "Machen Sie sich zu einer Art Google für Ihre Kunden", regte er an. Als konkrete Maßnahmen in dieser Richtung nannte Meyer z. B. die Aufarbeitung von Beipackzetteln in handliche und verständliche Häppchen, die man dem Kunden zusätzlich beim Kauf eines Arzneimittels an die Hand geben kann.

Im Hinblick auf die Sichtwahl empfahl der Marketingexperte das Prinzip "weniger ist mehr" – also eine Vorauswahl für den Kunden zu treffen und sich auf starke Marken und so genannte "Empfehlungsfavoriten" zu beschränken. Ein weiterer Tipp war die Zusammenstellung von Themenpaketen, bestehend aus sich ergänzenden Produkten und zusätzlichen Informationsmaterialien. Denkbar wäre z. B. ein Sonnenpaket oder ein Entgiftungspaket etc.

Insgesamt sollte sich die Apotheke aus Meyers Sicht stärker auf ihre Dienstleistungsbereitschaft konzentrieren und diese Bereitschaft offensiver vermitteln. "Mangelndes Fachwissen kann durch ein Mehr an Dienstleistungsbereitschaft kompensiert werden – umgekehrt funktioniert dies jedoch nicht", fasste er zusammen.

Phytos als Chance für die Apotheke

Wissenschaftlich wurde es dann am späten Samstagnachmittag mit dem Vortrag von Prof. Dr. Susanne Alban, Pharmazeutisches Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Phytopharmaka zählen Alban zufolge zu den von der Bevölkerung stark nachgefragten und gewünschten Präparaten. Allerdings ist ihr Umsatz durch die weitgehende Herausnahme aus der Erstattungsfähigkeit stark rückläufig. In dieser Herausnahme sah die Referentin einerseits die Gefahr einer zunehmenden inadäquaten Selbstmedikation, andererseits aber auch eine Chance für die Apotheke, sich zu profilieren und mit Beratungskompetenz zu punkten.

Dabei gilt es allerdings eine Reihe an Besonderheiten zu berücksichtigen. Anders als bei chemisch definierten Arzneimitteln ist bei Phytopharmaka der Gesamtextrakt der Wirkstoff. Für dessen Eigenschaften ist der Herstellungsprozess ausschlaggebend, so dass dieser auch in die Zulassung mit einbezogen wird. "Phytopharmaka sind somit per se nicht generikafähig", erklärte Alban.

Marktbereinigung durch Nachzulassung

Unterschieden werden drei Arten an Extrakten:

  • Standardisierte Extrakte: Bei ihnen sind die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe bekannt und sie sind auf einen bestimmten Gehalt eingestellt.
  • Quantifizierte Extrakte: Für die Wirksamkeit relevante Inhaltsstoffe sind bekannt. Eingestellt wird auf einen bestimmten Bereich durch Mischen von Extrakt-Chargen.
  • Andere Extrakte: Bei ihnen ist das Wirksamkeitsprinzip unbekannt. Sie sind durch den Herstellungsprozess definiert und jeweils spezifiziert.

Das Gros der auf dem Markt befindlichen Phytopharmaka zählt Alban zufolge leider zu den "anderen Extrakten". In der Vergangenheit wurden sie vielfach aufgrund der traditionellen Anwendung zugelassen, was eine qualitative Beurteilung sehr schwer machte. 1976 wurde dann – mit einer großzügigen Übergangsregelung – im Arzneimittelgesetz festgeschrieben, dass an Phytopharmaka dieselben Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu stellen sind wie an chemisch definierte Wirkstoffe. Ende dieses Jahres läuft die Übergangsfrist aus, so dass sich dann nur noch entsprechend den Vorgaben nachzugelassene Phytopharmaka auf dem Markt befinden werden.

Die Packung gibt Aufschluss

Um heute schon beurteilen zu können, ob es sich bei einem Präparat um ein seriöses und empfehlenswertes Phytopharmakon handelt oder nicht, empfahl Alban einen genauen Blick auf die Verpackung. Auf folgende Punkte sollte man ihrer Aussage nach achten:

  • Zulassungsstatus: Er sagt aus, ob es sich um ein Phytopharmakon nach § 21 AMG, also ein zugelassenes Präparat, um ein nachzugelassenes Phytopharmakon (nach § 105 AMG) oder ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel nach § 109a (nachzugelassen) handelt. Phytopharmaka, die sich noch im Nachzulassungsverfahren befinden, weisen keine Zulassungsnummer, sondern lediglich eine Registriernummer auf und den Hinweis, dass es sich um ein Arzneimittel nach der gesetzlichen Übergangsvorschrift handelt. Präparate, die weder eine Zulassungs- noch eine Registriernummer aufweisen, sind Alban zufolge abzulehnen.
  • Zusammensetzung: Die Angabe der Extraktart (s. oben) gibt Auskunft darüber, wie gut die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe bekannt sind. Angegeben sein sollten der Name und die Beschaffenheit des Extraktes bzw. die Menge des genuinen Extraktes als Bereich, das Dosis-Extrakt-Verhältnis (DEVgenuin) als Bereich sowie Art und Konzentration des Auszugsmittels und Hilfsstoffe.
  • Dosierung: Um die adäquate Dosierung zu bestimmen, sollte die empfohlene Tagesdosis (Einzeldosis Extraktmenge [mg] x Einnahmehäufigkeit) und das Tages-Drogenäquivalent (Tages-Extraktmenge [mg] x DEV) herangezogen werden und dieses mit Angaben in Monografien und in der Fachliteratur verglichen werden.

Darüber hinaus empfahl Alban in strittigen Fällen die Sekundärliteratur heranzuziehen, ESCOP-Monografien einzusehen und ggf. auch beim Hersteller nachzufragen. "Die Antwort, die Sie von einem Hersteller erhalten bzw. ob überhaupt eine Antwort erfolgt, ist ein guter Hinweis darauf, wie seriös ein Phytopharmakon ist", schloss die Referentin.

"Es sind unsere kleinen, überschaubaren Apothekenbetriebe, die endlich wieder verlässliche Rahmenbedingungen brauchen, um Arbeitsplätze und Möglichkeiten zur Ausbildung junger Menschen zu schaffen."
Gerhard Reichert, 1. Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands

 

"Wir haben wahrlich das Unsere getan und sehen nun schon mit gewissen Erwartungen einem Wohlwollen gegenüber der Apothekerschaft und der Pharmazie insgesamt entgegen." 
Gerhard Reichert, 1. Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands

"Bei allen Vorteilen der Globalisierung – Menschen brauchen überschaubare Lebensräume." Dr. Werner Schnappauf, Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

"Statt Staats- und Bürokratieversessenheit braucht Deutschland wieder Rahmenbedingungen, die Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Innovationsfreude fördern." 
Dr. Werner Schnappauf, Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

"Wenn Eigenverantwortung gestärkt werden soll, müssen gleichzeitig Angebote zur Beratung vorhanden sein. Hierfür brauchen wir die Apotheker." 
Dr. Werner Schnappauf, Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

"Höchste Gewähr für beste Qualität habe ich nur durch die Apotheke vor Ort." 
Dr. Werner Schnappauf, Bayerischer Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

"Es führt kein Weg daran vorbei, heute noch mit dem Herumwerfen des Ruders zu beginnen." Johannes M. Metzger, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer

"Es sind einfach nicht mehr genügend Taschen da, in die man greifen könnte." 
Johannes M. Metzger, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer zum Umverteilungsprinzip

"Wann emanzipiert sich Deutschland endlich und entscheidet selbst, was sachgerecht ist, anstatt übereifrig und unreflektiert europäische Absichtserklärungen umzusetzen?" 
Johannes M. Metzger, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer

 

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