Interpharm 2005

DAZ-RedaktionFortbilden, lernen, punkten - Bericht v

Als sich am Sonntagnachmittag die Türen der Vortragssäle im Congress Centrum Hamburg schlossen, stand bereits fest: die Interpharm 2005, bisher bereits der größte Fortbildungskongress Deutschlands für Apothekerinnen, Apotheker und PTA, hatte alle Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Über 4300 Teilnehmer hatten sich an den drei Tagen im Kongresszentrum der Hansestadt eingefunden, um sich fortzubilden, zu lernen Ų und zu punkten. Die Teilnehmer konnten wählen zwischen über 50 Vorträgen, Foren und Seminaren, die Themen hatten in erster Linie die tägliche Praxis im Fokus. Mit speziellen Foren und Seminaren bestand darüber hinaus die Gelegenheit, einen Blick über pharmazeutische Horizonte hinaus zu werfen.

Die Vorträge am ersten Kongresstag standen unter der Überschrift "Krebs: wie er zu bekämpfen, wann er zu besiegen ist". Die Molekularbiologie maligner Tumoren betrachteten Prof. Dr. Theodor Dingermann und Dr. Ilse Zündorf, Frankfurt/Main, in einem äußerst lebendigen Vortrag, der in der Art eines Dialogs gehalten wurde. Die Verbreitung, Früherkennung und Prognose verschiedener Krebsarten stellte Prof. Dr. Nikolaus Becker vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg vor. Die Frage, ob bei Krebs eine Prophylaxe durch Ernährung und durch Nahrungsergänzungsmittel möglich ist, untersuchte Prof. Dr. Clemens Unger vom Tumorzentrum in Freiburg.

Im Anschluss daran unterhielten sich Ulrike Gonder und Uwe Gröber in einem Streitgespräch über Sinn und Unsinn von Mikronährstoffen zur Vorbeugung und Therapiebegleitung. Aspekte der biologischen Krebstherapie stellte Prof. Dr. Volker Fintelmann, Hamburg, vor. Eine Übersicht über die Krebstherapie heute vermittelten zwei Vorträge am Schluss dieses Kongresstages: Professor Dingermann und Dr. Zündorf stellten die moderne Krebstherapie mit Biologicals vor, die klassische Zytostatikatherapie und moderne Komedikation erklärte Dr. Hans-Peter Lipp, Tübingen.

Den Blick über pharmazeutische Horizonte hinaus lenkte ein Interpharm-Forum in Zusammenarbeit mit der Apothekerkammer Hamburg, bei dem die Referenten die patientenorientierte Pharmazie in Europa vorstellten und fragten, was wir von diesen Ländern lernen können. Eine Patientenveranstaltung in Zusammenarbeit mit der DHU, bei der Dr. Markus Wiesenauer "Homöopathie für die Seele" vorstellte und bei der die Teilnehmer nach dem Vortrag mit Hamburger Apothekerinnen und Apothekern ins Gespräch kommen konnten, rundeten den ersten Vortragstag ab.

Auf überaus großes Interesse stießen auch die Vorträge am zweiten Kongresstag: "Fortschritte in der Schmerztherapie", ein Thema, über das jeder Pharmazeut Bescheid wissen sollte, gehört es doch zur täglichen Arbeit, Patientinnen und Patienten in Sachen Schmerztherapie kompetent zu beraten. Die Schmerztherapie bei Krebs (PD Dr. Michael Strumpf), Kopfschmerz und Migräne (Prof. Dr. H. C. Diener), Schmerzen im Bewegungsapparat: Rheuma, Arthrose, Osteoporose (Prof. Dr. Karen Nieber) und Hoffnung bei neuropathischen Schmerzen (Prof. Dr. Claudia Sommer) – das waren die Vortragsthemen, die neue Entwicklungen aufzeigten und die heutige Schmerztherapie transparent machten.

Auf großes Interesse stieß der Festvortrag zum Thema Umwelt und Genregulation. Prof. Dr. Joachim Bauer, Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik, Freiburg, untersuchte die Frage, wie Lebensstile und Stress unsere Gene steuern. Die Teilnehmer des Interpharm-Kongresses erfuhren erstaunliche Fakten.

Die Physiologie und Pathophysiologie des Schlafes und die Frage, welche Schlafmittel bei gestörtem Schlaf eingesetzt werden können, thematisierten zwei weitere Vorträge auf der Interpharm, die praxisnahes Wissen vermittelten.

Zwei Foren beleuchteten aktuelle berufspolitische Themen: Das eine Forum lotete Chancen und Gefahren der Integrierten Versorgung für die Apotheke aus und nahm kritisch auch das Hausapothekenmodell der Barmer Ersatzkasse unter die Lupe.

Welche Veränderungen im Berufsbild für den Apothekenbetrieb unter anderem durch Einflüsse aus Europa auf die deutschen Apotheker zukommen, diskutierten die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalene Linz, Dr. Gert Schorn aus dem Bundesgesundheitsministerium, der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Volker Ulrich, Bayreuth, und Rechtsanwalt Dr. Heinz-Uwe Dettling, Stuttgart.

Spannende Themen auch auf der Studenten-Interpharm. Etabliert sich die Klinische Pharmazie an der Uni oder wird sie ausgebremst, so lautete die spannende Frage, vor deren Hintergrund Professoren und Studenten die Situation in Deutschland und speziell an ihren Universitäten diskutierten. Ein Blick ins Ausland, ein Auslandssemester im Pharmaziestudium, damit befasste sich ein weiteres Thema auf der Studenten-Interpharm.

Seminare vertieften Wissen in speziellen Fortbildungsfragen. Auf der Interpharm hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Seminare zur Homöopathie in der Schwangerschaft, zu aktuellen pharmazeutischen Aspekten der Onkologieherstellung, zur Betreuung von Krebspatienten in der Apotheke, zur hormonellen Empfängnisverhütung und zur Rezeptur zu besuchen.

Mit einem Blick in die Zukunft der Arzneimittel begann der letzte Kongresstag der Interpharm: Brennpunkt Arzneimittelinnovationen. Was heute noch in der Pipeline ist und morgen vielleicht schon auf dem Markt, das stellten Prof. Dr. Dieter Steinhilber und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz in einem Doppelvortrag vor. Arzneimittelinnovationen unter dem Blickwinkel der Ökonomie und des Nutzens betrachtete Thomas Müller-Bohn. Er fragte, welchen Sinn Innovationen ökonomisch gesehen machen. Ein Streitgespräch vertiefte diese Frage, insbesondere vor dem Hintergrund des neuen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das mit dem GKV-Modernisierungsgesetz eingerichtet wurde und das die medikamentöse Therapie und den Nutzen neuer Arzneimittel hinterfragen soll.

Welchen Einfluss die Nahrung auf die Arzneiform hat, welche Interaktionen im Gastrointestinaltrakt ablaufen und was man darüber weiß und wissen sollte, das brachten Prof. Dr. Henning Blume, Oberursel, und Prof. Dr. Werner Weitschies, Greifswald, in einem Doppelvortrag näher. Es war Wissen, das in der täglichen Beratungsarbeit präsent sein sollte.

Mit lang anhaltendem Beifall wurde der Festvortrag "Cholesterin – ein Hauptrisikofaktor des Herzinfarktes oder doch nur ein Mythos?" von Prof. Dr. Dr. Walter Schunack, Berlin, quittiert.

Auch am dritten Kongresstag konnten die Teilnehmer unter verschiedenen Foren und Seminaren wählen. Die Apothekengewerkschaft ADEXA veranstaltete zusammen mit dem Forum Leipzig ein Informationsforum, das sich mit den Fragen befasste, die einen Filialleiter, eine Filialleiterin angehen.

Das Forum des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) stellte die Rolle des Apothekers bei der Qualitätssicherung von Arzneimitteln in der Praxis heraus und vermittelte nützliche Erkenntnisse aus dem Erfahrungsschatz des ZL.

Gibt es neue Spielregeln für den Apothekenerfolg? – dies fragte das Marketing- und Managementseminar. Welche Trends im Markt gibt es bei Umsätzen, Preisen und Erträgen, was sind die aktuellen betrieblichen Kennzahlen, rechnet sich Versandhandel und Mehrbesitz?

Weitere Seminare befassten sich mit neuen Chancen für die Beratungsapotheke durch Mikronährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und bilanzierten Diäten und erklärten die rechtlichen Fallstricke bei der Nische Nahrungsergänzungsmittel. Interessant und wichtig für den Apothekenalltag: die neue Gefahrstoffordnung und was wichtig ist für die Apotheke, ein Spezialseminar, das auf gute Resonanz stieß.

Die Homöopathen unter den Pharmazeuten fanden sich im Interpharm-Forum wieder, das gemeinsam mit der Karl und Veronica Carstens-Stiftung zum 250. Geburtstag von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, veranstaltet wurde. Drei Vorträge zeigten, was die Homöopathie heute vermag und warum die Homöopathie erfolgreich ist (Dr. Henning Albrecht, Essen), praktische Tipps erfuhren die Teilnehmer zum Thema homöopathische Behandlung von Schlafstörungen (Dr. Mirko Berger, Hamburg) und zur Homöopathie in der Schmerztherapie (Dr. Markus Wiesenauer, Weinstadt).

Für die pharmazeutisch-technische Assistentin bot die Interpharm 2005 in Hamburg zwei Highlights: einen PTA-Kosmetik-Tag mit dem Schwerpunkt auf Anti-Aging-Pflege und einen Fortbildungstag über Verstopfung, Durchfall, Ernährung und Anti-Aging.

Zahlreiche Firmenveranstaltungen boten Gelegenheit, interessante Aspekte zu bestimmten Produkten zu erfahren.

In dieser DAZ finden Sie unseren Vorbericht zur Interpharm, der vor allem die aktuellen gesundheits- und berufspolitischen Themen der Interpharm wiedergibt, außerdem die beiden Festvorträge referiert. In der nächsten DAZ werden wir dann über die wissenschaftlichen Vorträge der Interpharm berichten, in der kommenden AZ finden Sie den Bericht vom Marketing- und Managementseminar.

Fortbilden, lernen – und punkten: Zu vielen Vorträgen und Seminaren hatten die Interpharm-Teilnehmer Gelegenheit, an der zertifizierten Fortbildung teilzunehmen. Im Kongressheft waren Fragebögen abgedruckt, die das gehörte Wissen der Vorträge und Seminare abfragen. So können die Teilnehmer der Interpharm nicht nur für die Teilnahme selbst Punkte erhalten (pro Fortbildungstag 8 Punkte, insgesamt also 24 Fortbildungspunkte), sondern auch Zusatzpunkte erwerben, wenn die Fragebögen richtig ausgefüllt (6 von 10 Fragen richtig beantwortet) eingesandt werden. diz

Den vollständigen Bericht von der Interpharm 2005 finden Sie in der Rubrik "Kongressberichte"

Die Interpharm 2005, der größte Fortbildungskongress Deutschlands für Apothekerinnen, Apotheker und PTA, hat alle Erwartungen weit übertroffen. Über 4300 Teilnehmer hatten sich vom 8. bis 10. April im Kongresszentrum der Hansestadt eingefunden, um sich fortzubilden, zu lernen – und zu punkten. Die Teilnehmer konnten zwischen über 50 Vorträgen, Foren und Seminaren wählen, die Themen hatten in erster Linie die tägliche Praxis im Fokus. Mit speziellen Foren und Seminaren bestand darüber hinaus die Gelegenheit, einen Blick auf pharmazeutische Horizonte zu werfen. In dieser DAZ finden Sie unseren Vorbericht zur Interpharm, der vor allem die aktuellen gesundheits- und berufspolitischen Themen der Interpharm wiedergibt, außerdem die beiden Festvorträge referiert.

Zertifizierte Fortbildung Für alle, die dabei waren: Bitte reichen Sie Ihre Fortbildungsbögen "online" ein. Beantragen Sie Ihre Punkte für die Teilnahme an der Interpharm im Internet unter www.interpharm-hh.de. Diese Seite ist ab sofort eingerichtet. Wer die Fragebögen online ausfüllt, hat den Vorteil, dass er seine Bestätigung für die Teilnahme und die entsprechende Punktzahl, außerdem die Zertifikate für die ausgefüllten und richtig beantworteten Fragebögen in kürzester Zeit per E-Mail zugestellt bekommt.

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.