Berufspolitische Diskussion: Paradigmenwechsel: "Der Apotheker ist Kümmerer"

DAVOS (diz). Spätestens mit Abschluss des Integrationsvertrages hat die Pharmazie Einzug in die Kassenverträge gehalten. Davon zeigte sich Heinz-Günter Wolf, neu gewählter ABDA-Präsident, in der berufspolitischen Diskussion beim Davoser Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer am 20. Januar überzeugt. Der Apotheker muss sich um die Patienten und deren Arzneimittelversorgung kümmern. Neben dem mit der Barmer Krankenkasse geschlossenen Integrationsvertrag standen viele weitere Themen auf der Agenda der Fragestunde in Davos, die neben Wolf auch die neue Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK), Linz, und der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Keller, beantworteten.

Sebastian Schmitz und Christiane Eckert Lill, beide ABDA-Geschäftsführer, stellten den mit der Barmer Krankenkasse geschlossenen Integrationsvertrag vor. Abgesehen davon, dass der Vertrag Ähnlichkeiten mit dem Hausapothekenvertrag besitzt, beinhaltet er als neue Komponente Regelungen zur Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker, zum Beispiel über eine Medikationsdatei, die der Apotheker gegebenenfalls auch an den Arzt übermitteln muss.

Barmer-Vertrag: Unmut über Erstattungshöhe

Der Vertrag erfülle die Erwartungen der Politik, von Patienten und Krankenkassen, wie Wolf betonte. Für den Apotheker ergeben sich Vorteile in der Kundenbindung, in der Vertrauensbeziehung zum Patienten. Dennoch scheint der Vertrag und seine Bedeutung nicht allen Apothekerinnen und Apothekern klar zu sein, wie zahlreiche Fragen zeigten. Auf Missfallen stieß der Betrag von acht Euro, die der Apotheker für jeden zehnten Patient, der sich für den Barmer-Vertrag bei ihm eingeschrieben hat, erhält, während der Arzt 20 Euro und mehr pro Patient abrechnen darf. Begründet wurde dies mit einem höheren Aufwand des Arztes. Aber: "Wir haben verabredet, uns zu vertragen", so beschwichtigte Wolf aufkeimende Querelen zwischen Arzt und Apotheker zu diesem Vertrag. Weitere Kassen werden wohl folgen, die ähnliche Verträge abschließen wollen. Einen Einstieg in dirigistische Kassenverträge sieht Wolf nicht, denn der Patient entscheidet sich freiwillig.

Linz für Testkäufe durch Kammern

Zum Thema Testkäufe merkte die neue BAK-Präsidentin Linz an, dass derzeit massiv daran gearbeitet werde, die Ergebnisse zur Beratung in Apotheken zu verbessern. Sie nannte hier z. B. das Pseudo-Customer-Konzept und Testkäufe durch Kammern, mit denen der Apotheker seine Beratungsleistung objektiv überprüfen lassen kann.

ABDA will Versand- Urteil "nachgehen"

Das in der letzten DAZ veröffentlichte Urteil (DAZ Nr. 3, S. 92) zur Illegalität des Arzneiversandhandels aus den Niederlanden begrüßte Wolf. Die ABDA werde möglichen Konsequenzen aus dem Urteil nachgehen und Gespräche mit dem Bundesgesundheitsministerium führen. Auf Unverständnis im Auditorium stieß, warum dieses wichtige Urteil der ABDA erst jetzt aufgefallen ist.

Auch "Zur Rose" soll auf den Prüfstand

Für Diskussionsstoff bei den Fortbildungsteilnehmern in Davos sorgte auch die Zulassung der Versandapotheke "Zur Rose" in Halle und deren Werbepraktiken (Fünf-Euro-Gutschein für den Bezug von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in der Versandapotheke). Die ABDA kündigte an, dass sie ausloten werde, ob die Genehmigung dieser Versandapotheke, bei der Fremdbesitz vermutet wird, zu Recht erteilt wurde, und gegen einen eventuellen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorgehen will.

Vergütungsausgleich wird verhandelt

Gefragt wurde in Davos auch nach dem Vergütungsausgleich, der den Apotheken aufgrund der gesunkenen Zahl abgegebener Packungen im Vergleich 2002 zu 2004 von Seiten der Kassen zusteht. Die Apotheker haben, so der DAV-Vorsitzende Keller, Anspruch auf einen Ausgleich. Man werde in Verhandlungen mit den Kassen eintreten, wie Rabattkürzungen angepasst werden können. Möglicherweise könne man in diesem Zusammenhang unbefriedigende Vorgaben bei der Aut-idem-Regelung mitverhandeln. Und den Medien müsse klar gemacht werden, dass sich die Apotheker mit dem Vergütungsausgleich nicht die Taschen füllen.

Linz: Kontakt zu den Medien pflegen

Nach wie vor ein Thema: die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA. Möglichkeiten, sie zu verbessern, räumte die ABDA-Spitze ein. Die beste Öffentlichkeitsarbeit sei aber nach wie vor die tägliche Arbeit des Apothekers vor Ort. Linz regte an, Journalisten in die Apotheken, auch Krankenhausapotheken, einzuladen und ihnen die vielfältige Arbeit der Apotheke zu zeigen. Zahlreiche Einzelfragen wurden während des Diskussionsnachmittags angesprochen, so etwa die Frage, ob das Apothekenmonopol wankt. Hier habe der Apotheker vieles selbst in der Hand, so die Antwort. Ein Beitrag dazu sei, dass er sich bei der Gestaltung der freigegebenen OTC-Preise preisbewusst verhalte.

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