Dreier-Gespräch zu Pfizers Distributionsmodell: Noch ohne konkretes Ergebnis, a

BERLIN (diz). Das vom Arzneimittelhersteller Pfizer geplante neue Distributionsmodell, das einschneidende Veränderungen der Vertriebswege mit sich brächte, war am vergangenen Mittwoch Thema eines Dreier-Gesprächs zwischen Vertretern von Pfizer, des Deutschen Apothekerverbands (DAV) und des Großhandelsverbands Phagro. Verschiedene Lösungsmöglichkeiten wurden diskutiert, ein gemeinsames Ergebnis gab es noch nicht. Im Oktober soll das Gespräch fortgesetzt werden.

Hauptgrund für den Vorstoß Pfizers, einen neuen Vertriebsweg einzuführen, indem man sich des Groß–handels lediglich als reinen Logistikpartners bedient, aber selbst im Besitz der Ware bis in die Apotheke hinein bleiben und Absatzströme über Daten–ieferungen kontrollieren will, sind die in deutschen Apotheken auftretende Versorgungsengpässe mit Pfizer-Produkten. "Trotz einer mehr als ausreichenden Belieferung des Großhandels", wie es in einer Pfizer-Pressemitteilung heißt, komme es in Deutschland immer wieder zu Versorgungsengpässen bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Pfizer geht davon aus, dass seine Ware über Apotheken und andere Vertriebskanäle in ausländische Märkte verkauft wird, in denen diese Produkte zu höheren Verkaufspreisen gehandelt werden als in Deutschland. Eine künstliche Verknappung in Deutschland ist die Folge. Dagegen sind Insider des Pharmagroßhandels der Ansicht, dass Pfizer den Großhandel nicht ausreichend bedient.

Eine Annäherung brachte das Gespräch insofern, als Pfizer Verständnis zeigte für die Bedenken der Apotheker zum zusätzlichen Verwaltungsaufwand, der entstünde durch die getrennte Fakturierung der Pfizer-Produkte, die eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten unter Großhändlern und die geringere Lieferfrequenz, wenn sein Modell verwirklicht würde. Pfizer sei grundsätzlich bereit, so erfuhr die DAZ in einem Gespräch mit Michael Klein, Geschäftsführer Recht und Corporate Affairs der Pfizer Deutschland GmbH, ein Konzept mit allen im Phagro zusammengeschlossenen Großhändlern umzusetzen. Man habe außerdem eine Lösung gefunden, dass auch weiterhin nur eine Großhandelsrechnung an die Apotheke gehe und dadurch doppelter Aufwand vermieden werde.

Klein betonte, dass der Sinn des Pfizer-Vorschlags darin liegt, die Lieferfähigkeit der Pfizer-Produkte für die Apotheke zu verbessern. Der unkontrollierte Abfluss der Ware in andere Länder sei ein Problem. In diesem Punkt sei man in dem Gespräch noch nicht weiter gekommen. Aber genau hier könne das Pfizer-Papier eine kurzfristige Lösung bringen, wobei die unmittelbar für die Apotheke nachteiligen Punkte ausgeschaltet werden könnten. Die Alternative wäre eine politische, aber mittelfristige Lösung, d. h., man müsste die in Europa geltenden Voraussetzungen ändern, damit Ware nicht ohne weiteres über Grenzen hinweg verschoben werden kann. Pfizer will allerdings nicht solange warten, bis eine solche Lösung zustande kommt.

Den Vorwurf, Pfizer wolle über sein Distributionsmodell vor allem auch mehr Daten über den Abverkauf seiner Produkte gewinnen und letztendlich dadurch seinen Außendienst ausdünnen, ließ Klein nicht gelten. Man gewinne bereits heute Daten zur Steuerung der Verkaufsaktivitäten, die völlig ausreichend seien. Aufrechterhalten werden soll, dass Pfizer Eigentümer der Ware bis zur Abgabe an die Apotheke bleibt, aus rechtlichen Gründen. Damit will Pfizer verhindern, dass die Ware bereits auf Großhandelsebene in andere Kanäle fließt. Nur so könne Pfizer vorgeben, wohin die Ware gehen soll, nämlich in die deutsche Apotheke.

Das Gerücht, Pfizer plane Apothekenketten und die angestrebte Distributionsänderung sei der erste Schritt dazu, wies Klein vehement zurück. Pfizer wolle nicht in den Einzelhandel einsteigen, in ganz Europa habe man nicht mit diesem Gedanken gespielt.

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