Kommentar

Aut idem ist tot, es lebe aut idem?

Es hätte eine wirklich gute Sache werden können, die Aut-idem-Regelung, wie sie einst angedacht war: Der Apotheker setzt die Wirkstoffverordnung des Arztes mit Sachverstand um und wählt ein unter pharmazeutischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten geeignetes Präparat aus. Zu schön, um wahr zu sein. Die Ärzte setzten von Anfang an massive Störfeuer und von der Industrie zuhauf verteilte Stempel "Keine Substitution" ein. Allein die vereinbarte Regelung, ein angekreuztes Aut-idem-Kästchen auf dem Rezept bedeutet "durchgestrichen" und damit keine Freigabe zur Auswahl, war von Anfang an absurd und der Regelung nicht förderlich. Hinzu kamen schwer nachvollziehbare Regelungen im Gesetz zu den Auswahlkriterien für preisgünstige Arzneimittel, die der Apotheker nur mit Hilfe der EDV bewerkstelligen konnte. Pharmazeutische Kriterien spielten bei diesen gesetzlichen Vorgaben so gut wie keine Rolle.

Den Todesstoß für das bisherige aut idem könnte die Diskussion um die Naturalrabatte bringen. Nach Ansicht der Kassen hat aut idem die Bewährungsprobe aufgrund der "ausufernden Rabattschlacht" nicht bestanden.

Ein aut idem mit anderen Vorzeichen könnten nun die Rabattverträge zwischen Herstellern und Krankenkassen bringen, mit denen Rabatte von den Herstellern direkt an die Krankenkassen fließen. Apotheker - und Ärzte! - werden an den Rabatten beteiligt, wenn sie die betroffenen Präparate abgeben bzw. verordnen.

Neueste Variante: Nicht nur Generikahersteller haben solche Vereinbarungen getroffen, jetzt hat auch Merck Pharma mit seinen Schilddrüsen- und Corticoid-Präparaten einen Rabattvertrag mit der Barmer Ersatzkasse geschlossen. Im Klartext bedeutet dies nun, dass Barmer Hausapotheken bei Vorlage eines Rezeptes über einen solchen Wirkstoff für Barmer-Versicherte auch aus den Merck-Präparaten auswählen können, da sie als preisgünstig gelten. Aut idem wird somit schleichend umdefiniert, es wird mehr und mehr bei diesen Arzneimitteln angewandt werden, die von den Rabattvereinbarungen der Kassen mit Herstellern betroffen sind.

Wird aut idem damit neu zum Leben erweckt? Was ist, wenn weitere Kassen Verträge mit anderen Herstellern machen? Da bleibt nur die Hoffnung auf eine gute EDV. Einfacher wird's nicht.

Peter Ditzel

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