ABDA: Schätzungen zu Arzneimittelnebenwirkungen oft zu hoch

HAMBURG (abda/ks). Die Schätzungen, wie viele Todesfälle durch Arzneimittelnebenwirkungen verursacht werden, sind nach Auffassung der ABDA oft übertrieben hoch. "Am realistischsten erscheint uns die Hochrechnung von 16.000 Toten pro Jahr in Deutschland" sagte Prof. Volker Dinnendahl, Leiter der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker, bei einem ABDA-Presseseminar am 23. Juni in Hamburg.

Die Schätzung Dinnendahls basiert auf einer Untersuchung aus den Jahren 1986 bis 1998. Bei dieser wurden in vier Krankenhäusern in Bremen diejenigen Krankenhauseinweisungen erfasst, die durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht wurden. Magdalene Linz, Präsidentin der Bundesapothekerkammer, wies darauf hin, dass die teilweise genannten sehr viel höheren Zahlen in der Regel aus ausländischen Studien stammen, die für Deutschland umgerechnet wurden.

"Ein solches Verfahren ist aus meiner Sicht äußerst fragwürdig", so Linz. So hätten verschiedene Länder und Gesellschaften unterschiedliche Traditionen im Umgang mit Arzneimitteln. Beispielsweise werden in Deutschland zur Vorbeugung von Herzinfarkten 100 Milligramm Acetylsalicylsäure gegeben werden – in den USA nimmt man hingegen in der Regel 350 Milligramm. Damit steige die Gefahr von Magenblutungen und -geschwüren deutlich. Deutschland sei zudem eine Hochburg der "sanften Medizin": Phytopharmaka und Homöopathika sind oft besser verträglich als synthetische Wirkstoffe.

Doch Nebenwirkungen können bekanntlich auch durch den Menschen selbst verursacht werden, etwa durch falsche Dosierungen und die Nichtbeachtung von Kontraindikationen oder Wechselwirkungen. "Die ABDA will erfassen, wie häufig arzneimittelbezogene Probleme vorkommen. Dazu haben wir Apotheken aufgerufen, eine Woche lang alle Zwischenfälle zu dokumentieren" sagte Linz. Die Auswertung ist in Arbeit. Die ABDA will sie der Öffentlichkeit so bald wie möglich präsentieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Zwei Themen dominieren Kammerversammlung in Hamburg

Kritik an der ABDA und Neues zu SecurPharm

Cannabis zur medizinischen Verwendung

ABDA positioniert sich zu Cannabis

Vorläufige Übersicht über die Anträge zum Deutschen Apothekertag

Viel zu tun in München und danach

Symposium der Gesellschaft für Dermopharmazie

Noch viel zu tun beim Lichtschutz

Was kostet die Barrierefreiheit? Die Politik fragt die ABDA – doch die weiß es nicht

ABDA ohne Zahlen zu Umbaukosten

Securpharm e. V. und ABDA informieren zur Anlaufphase des neuen Fälschungsschutzsystems

Handlungsoptionen zu Securpharm

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.