Neue Kammerpräsidentin in Hessen: Das Ziel: Beratung auf hohem Niveau

(diz). Erika Fink wurde am 12. Januar zur neuen Kammerpräsidentin gewählt. Wir fragten Frau Fink nach Ihren Plänen und Zielen in der Kammer- und Berufspolitik. Ein wichtiges Anliegen ist ihr eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und ein breites Fortbildungsangebot mit dem Ziel, die Beratung in den Apotheken zu verbessern.

DAZ:

Frau Fink, die hessischen Apothekerinnen und Apotheker haben Sie am 12. Januar zur neuen Kammerpräsidentin gewählt. Herzlichen Glückwunsch. Sie haben sich nicht nur in Hessen bisher einen Namen in Sachen pharmazeutischer Fortbildung, insbesondere auf dem Gebiet der Ernährungsberatung gemacht. Jetzt erfolgt für viele sicher überraschend ein Schwenk in die Berufspolitik. Was war Ihre Motivation dafür? Wo haben Sie Ihre politische Erfahrung gesammelt?

Fink:

In der Berufspolitik bin ich Anfängerin. Ich war die letzten vier Jahre Kammerdelegierte und habe dadurch einen kleinen Einblick in die Kammerpolitik gewonnen. Dabei habe ich gemerkt, dass ich einfach auf eine bessere Position kommen muss, wenn ich etwas bewirken will. Das mit der Position ist mir jetzt gelungen, ob ich etwas bewirken kann, wird sich zeigen.

DAZ:

Welche Ziele haben Sie sich als Kammerpräsidentin gesteckt? Wo liegen Ihre Schwerpunkte in der Kammerarbeit, die Sie angehen wollen?

Fink:

Lachen Sie jetzt nicht, das Leben hat mir einen gewissen Idealismus immer noch nicht abgewöhnt. Ich möchte erreichen, dass die Apotheker von den Medien und einem Teil der Bevölkerung nicht so negativ wahrgenommen werden, wie das jetzt zum Teil der Fall ist. Dazu genügen aber einige leuchtende Beispiele nicht. Allen Apothekern muss klar sein, dass wir nur durch ständige Fortbildung, und zwar fachlich und vor allem kommunikativ, den Ansprüchen gerecht werden können, die an uns gestellt werden. Dazu muss die Öffentlichkeitsarbeit verbessert werden, das Fortbildungsangebot angemessen und breit gefächert sein, und wir müssen damit viele Kollegen erreichen. Ich hoffe, dass ich da einiges auf den Weg bringen kann.

DAZ:

Wie sehen Sie die Kammer – eher als einen verlängerten Arm des Staates oder eher als ein Serviceunternehmen für die Mitglieder?

Fink:

Sowohl als auch. Bei Verstößen gegen die Berufsordnung oder Schlimmerem muss die Kammer natürlich tätig werden. Aber für unbescholtene Mitglieder sehe ich die Kammer durchaus als eine Institution, die Hilfestellung geben kann, wenn es erforderlich ist und auch ein ganzes Angebot an Dienstleistungen bereithält, siehe Fortbildung.

DAZ:

Was haben Sie sich in der "großen" berufspolitischen Arbeit vorgenommen? Stichworte sind hier die Beziehung der Landesapothekerkammer zum Dachverband ABDA, der Ausbau des Hausapothekenmodells und des Integrationsvertrags und die Verstärkung der pharmazeutischen Beratung in den Apotheken.

Fink:

Zum Thema ABDA sollten Sie mich später noch einmal befragen, dazu brauche ich noch jede Menge Informationen, die ich nicht in 48 Stunden verarbeiten kann. Hausapothekenmodell und Integrationsvertrag sehe ich kritisch, aber nicht unbedingt ablehnend. Die Bedingungen für die Apotheken sollten aber verbessert werden. Und dass die pharmazeutische Beratung in der Apotheke auf ein hohes Niveau — das manche durchaus schon haben — gebracht werden soll, ist mein berufliches Lebensziel!

DAZ:

Spielen Sie bitte Prophetin: Wohin wird sich der Versandhandel und die Filialisierung bei Apotheken entwickeln?

Fink:

Ich sehe in meiner Kristallkugel, dass der Versandhandel der wohnortnahen Apotheke nicht allzu sehr schaden wird, jedenfalls nicht schnell. Und ich sehe, dass es für junge Kollegen einen guten Anfang bedeuten kann, Leiter einer Filialapotheke zu sein, aber dass nicht jede Apotheke eine Filialapotheke haben wird. Einstieg in die Kette über die Filialapotheke? Wer weiß?

DAZ:

Vielen Dank und viel Erfolg.

Kurzvita

Erika Fink hat sich bereits seit Jahren in der pharmazeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung der LAK Hessen engagiert. Seit 2001 gehört sie der Delegiertenversammlung an. Die gebürtige Steinfurterin studierte in Tübingen. Nach ihrer Approbation arbeitete sie viele Jahre in der Rathaus-Apotheke in Frankfurt am Main, ehe sie im Jahr 1986 die Grüneburg-Apotheke im Frankfurter Westend übernahm. Es liegt ihr viel daran, ihr Wissen auch weit über die hessischen Grenzen hinaus mit viel Engagement und persönlicher Note weiterzugeben. Als Referentin der LAK Hessen sowie auf pharmazeutischen Fachkongressen und Publikumsveranstaltungen überzeugt sie seit Jahren mit fundierten, praxisorientierten und lebhaften Vorträgen. Die Themen sind dabei äußerst breit gefächert: von Allergien über Dermopharmazie, Ernährungslehre, Homöopathie bis hin zur Complianceförderung. Erika Fink wirkte maßgeblich bei der Entwicklung und Durchführung des Weiterbildungsgebiets der Offizinpharmazie mit und etablierte 1997 den Bereich der Ernährungsberatung.

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