Hochschulnachrichten

Universität Frankfurt: Akademische Feier der Absolventen

Es ist mittlerweile gute Tradition, dass an der Frankfurter Pharmazieschule die Urkunden zum bestandenen zweiten Staatsexamen in einer festlichen akademischen Feier überreicht werden. Am Freitag, dem 13.2. konnte zu diesem Anlass der Studiendekan des Fachbereichs Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften, Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, 57 Absolventinnen und Absolventen des Examenssemesters Sommer 2003 sowie deren Angehörige und Freunde im großen Hörsaal des Frankfurter Biozentrums begrüßen.

Exklusive Verwalter des Arzneimittels

Der Promotor der diesjährigen Feierstunde, DPhG-Altpräsident Prof. Theo Dingermann, zeigte sich in seiner kurzen Ansprache tief beeindruckt von der Leistung der Studierenden, die sich in einem schwierigen, teils stark reglementierten Studium erfolgreich ein theoretisches Rüstzeug erarbeiteten, um in ihrem letzten Teil der Ausbildung als Arzneimittelfachleute – als Verwalter der Arzneimittel in unserer Gesellschaft – heranreifen zu können.

Allerdings, so Dingermann, sei die Entlassung aus der akademischen Ausbildung nur eine – wenn auch eine prinzipiell und formal sehr wichtige – Etappe in einem Prozess, den man heute als "life long learning" bezeichnet. Prinzipiell sei diese Etappe so wichtig, da das, was bisher gelernt wurde, in die Lage versetzen sollte, neues Wissen aufzunehmen, einzuordnen und kompetent im Beruf umzusetzen. Formal sei die Etappe so wichtig, weil sie die Basis der exklusiven Legitimation bildet, für die gesamte Bevölkerung nahezu alle Arzneimittel zu verwalten und zu verteilen.

Weiter fragte Dingermann, was man denn wohl antworten müsste, wenn man gefragt würde, was eigentlich die Apothekerschaft so exklusiv legitimiert, die Arzneimittelverteilung in unserer Bevölkerung zu übernehmen. Worauf gründet sich dieses Privileg, das nicht nur Bewunderung, sondern auch Neid und Missgunst provoziert? "Es ist ausschließlich dieses Studium, das die Absolventinnen und Absolventen nun erfolgreich beendet haben, auf dem dieses Privileg basiert", lautete seine Antwort.

Das mögen vor allem all diejenigen zur Kenntnis nehmen, die das Hochschulstudium gern einmal kritisieren. Sie bewegen sich damit ganz stark am Rande einer intellektuellen Enteignung, auch wenn sie das gar nicht beabsichtigen. Wie unglaublich aktuell dies werden könnte, erlebe man in diesen Tagen, wo die Politik einzelnen Berufsgruppen mit einem Federstrich das Meisterprivileg entzogen hat.

Der Apothekerberuf als Anlernberuf, das Dispensierrecht für den Arzt, für die erfahrene PTA oder gar den cleveren Grossisten – das sei in der heutigen Zeit sehr wohl ein denkbares Ergebnis eines nächtlichen Koalitionsmarathons, mahnte Dingermann.

Frankfurter Pharmazie ist Spitze

In einem kurzen Überblick stellte Dingermann den Gästen die Frankfurter Pharmazieschule vor, die zu den besten Pharmazieschulen Deutschlands zählt, wie dies kürzlich in einem bedeutenden, vom "Centrum für Hochschulentwicklung – CHE" durchgeführten Universitätsranking bescheinigt wurde (www.dashochschulranking.de).

Bemerkenswert sei auch, so Dingermann, die Auszeichnung des Pharmazie-Professors Manfred Schubert-Zsilavecz als bester Hochschullehrer an der Goethe-Universität und die vielen Preise, darunter der renommierte Karl-Heinz-Beckurts-Preis, mit dem Prof. Michael Karas in Annerkennung der Entwicklung der MALDI-TOF-Technologie, eines der wichtigsten Tools in der modernen Proteomforschung, im letzten Jahr überhäuft wurde.

All dies und mehr möge die Absolventinnen und Absolventen motivieren, ihrer Alma Mater und den Pharmazeutischen Instituten verbunden zu bleiben und Teil einer aktiven Alumni-Community zu werden, die man aus gutem Grund in den kommenden Jahren verstärkt aufbauen wolle.

Aus der Gesundheitsreform das Beste machen

Nach der Überreichung der Zeugnisse konnte Dingermann als einen besonderen Höhepunkt der akademischen Feier als Festredner den Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbandes, Apotheker Hermann Stefan Keller, vorstellen. In seinem Referat "Die Stellung der Apotheke im Licht der aktuellen Gesundheitsreform" schilderte Keller die vielen Veränderung, mit denen seit Beginn des Jahres die deutsche Apothekerschaft konfrontiert ist. Er mahnte die angehenden Kolleginnen und Kollegen, das Beste aus dieser neuen Situation zu machen, die bei allen Problemen auch Chancen bietet.

Nach diesem Festvortrag, dessen Thema so ideal mit der aktuellen politischen Diskussion korrelierte, erinnerte sich cand. pharm. Anette Hufen stellvertretend für alle ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen an ein Studium mit Höhen und Tiefen.

Unter anderem zitierte sie Prof. Müller, der einmal treffend gesagt hatte, dass für Pharmaziestudenten das Risiko, drogensüchtig zu werden, gering sei, weil sie eine hohe Frustrationsschwelle besitzen. Dieser Aussage könne sie mit ihren Kommilitonen nur zustimmen, wenn man Kaffee und Tabak von der Definition einer Droge – im nicht-botanischen Sinne – einmal ausnehme.

Mit einem berühmten Satz der Frankfurter Pharmazieschule schloss Anette Hufen einen letztlich positiven Rückblick: "Auf geht's Freunde", und sie fügte hinzu: "Jetzt müssen wir alle unser eigenes Boot steuern". Wie immer schloss die Feierstunde in guter akademischer Tradition mit "Gaudeamus igitur".