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Großbritannien: Die mobile Apotheke

LONDON (jr). Konkurrenz macht erfinderisch, und da es im Königreich Großbritannien an Wettbewerb nicht mangelt, eröffnete ein findiger Geschäftsmann seine fahrende Apotheke. Vor allem Besucher großer Festivals und Sportveranstaltungen wissen den Service zu schätzen.

Als Michael Schumacher am 11. Juli diesen Jahres um 12.30 Uhr seinen Helm zum Start des F1-Grand Prix in Silverstone aufsetzte, hatten die Beschäftigten der mobilen Apotheke "Medicine Man" bereits mehr als sieben Stunden Arbeit hinter sich. Immerhin kamen 300.000 Zuschauer zum British Grand Prix, von denen viele auf die Hilfe der fünf Apotheker angewiesen waren. Neben Schmerzgeplagten hatte das Team auch jene zu betreuen, denen der tiefe Blick ins Glas nicht bekommen war.

Um Abhilfe musste sich niemand sorgen, schließlich hatte das Event-erfahrene Team bereits mehrere Regalablagen mit Nurofen bestückt. Selbst Rezepte, zwanzig an der Zahl, wurden bearbeitet, Warzen und Schwierigkeiten mit Ohrwachs behandelt und zehn Notfälle aufgefangen. Neben Schmerzmitteln waren vor allem Ohrstöpsel gefragt, von denen die Apotheker im Vorfeld 2000 Packungen geordert hatten.

Das Unternehmen ist die erste Event-Apotheke der Welt, die zwischen Chichester im Süden und Glasgow im Norden temporär ihre Dienste anbietet. Auf Motorsportveranstaltungen ist die mobile Apotheke ebenso zu finden wie auf Flugshows, Reitturnieren, Popkonzerten oder Heißluftballonfestivals. Ausschlaggebend für die Idee war die jährliche Radtour zu wohltätigen Zwecken zwischen London und Brighton im Jahr 1998.

Das Ehepaar Powel beschloss, ihre an der Route gelegene Apotheke an jenem Sonntag zu öffnen und verzeichnete innerhalb von drei Stunden einen Umsatz, der dem durchschnittlichen einer ganzen Woche entsprach. Die Vorräte an Schmerzmitteln waren zum Teil vollkommen verkauft worden, ebenso stand es um Sonnencremes, Pflaster und Verbandsmaterial sowie Wundsalben. Im ersten Jahr ihres Bestehens machte die mobile Apotheke "Medicine Man" dennoch Verluste.

Zur Mildenhall Flugshow im Jahr 2000 goss es für drei Tage, so dass der Service der mobilen Apotheke kaum gefragt war. Dennoch hatte das Unternehmen die Standkosten von 1500 Pfund zu tragen, 500 Pfund für Übernachtungen, je 1000 Pfund für Löhne und Transportkosten, die Registrierungsgebühr von 120 Pfund und die Versicherungskosten in Höhe von 100 Pfund. Ein weiteres Problem: Im Winter gibt es kaum Veranstaltungen unter freiem Himmel und damit kaum Arbeit. Dennoch möchte Apotheker Powel seinen mobilen Laden nicht missen. Erfahrungen seien nach Auskunft des Apothekers das A und O, eben wie in jedem Business.

Auf dem ersten von "Medicine Man" betreuten Festival verkauften die Apotheker zu Beginn Unmengen an Medikamenten zur Behandlung von Durchfall. Erst später erfuhren sie von der so genannten Festivalkultur, die das Verschlingen von Durchfallpräparaten beinhaltete, um am zweiten Tag den Gang auf die weniger einladenden Toiletten zu vermeiden. Inzwischen ist jeder Apotheker des Teams über die speziellen Marotten der Kunden aufgeklärt und die Abgabe bestimmter Medikamente nur noch nach ausführlicher Befragung erlaubt. Die Umsätze hätten sich daraufhin zwar hier und da verringert, so Powel, doch an erster Stelle stehe schließlich die Gesundheit.

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