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Internationaler Aspirin Preis 2004: Neue Chancen für die Acetylsalicylsäure

DRESDEN (bay/diz). Selbst über 100 Jahre nach ihrer Entdeckung ist die Acetylsalicylsäure noch immer für neue Anwendungsgebiete gut. Mit dem seit neun Jahren vergebenen "Internationalen Aspirin Preis" zeichnete Bayer HealthCare auch in diesem Jahr zwei herausragende Forschungsarbeiten zur Acetylsalicylsäure aus. Die Preisverleihung fand am 9. Oktober 2004 im Rahmen eines Symposiums in Dresden statt.

Die Auszeichnung ging an die Apothekerin Dr. Nina Großer (31) von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und den 40-jährigen Kardiologen Dr. Leon Iri Kupferwasser (40) vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, USA.

ASS gegen Bakterieninfektionen

In einer Untersuchung kam Kupferwasser zu dem Ergebnis, dass die Substanz eine Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus (S. aureus) abschwächen kann. Das Bakterium S. aureus ist der am häufigsten verbreitete Krankenhauskeim und seit längerem als multiresistent gegenüber Antibiotika bekannt. Es häufen sich bereits die Fälle, in denen es auch gegen das Reserve-Antibiotikum Vancomycin, das nur im Notfall eingesetzt wird, unempfindlich reagiert. Seine allgemeine Widerstandsfähigkeit macht S. aureus zu einem gefährlichen Erreger.

Vor allem Neugeborene, ältere Menschen und Patienten nach Operationen sind aufgrund ihrer geschwächten Immunabwehr anfällig. Bei ihnen können sich die Keime im Körper ausbreiten und schwere lebensbedrohliche Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Herzinnenhaut-, Lungen- und Knochenmarkentzündungen sowie Abszesse verursachen. Tierexperimente, die der diesjährige Preisträger Dr. Leon Iri Kupferwasser mit Kaninchen durchführte, zeigten, dass durch die Vorbehandlung der Bakterien mit Salicylsäure das Wachstum zum Beispiel von Abszessen an den Herzklappen deutlich vermindert werden kann.

Die Verwendung von ASS und Salicylsäure führen offensichtlich keine bakterizide Wirkung herbei, so folgert er aus seinen Untersuchungen, sondern vielmehr scheinen sie die Virulenz von Staphylokokken zu verringern. Wenn sich in Therapiestudien bei systemischen S. aureus-Infektionen ein günstiges Sicherheitsprofil ergibt, könnte ASS das Potenzial zu einem effektiven Ergänzungspräparat bei der Therapie schwerer im Krankenhaus oder ambulant erworbener S. aureus-Infektionen haben.

Apothekerin entdeckt unbekannten Mechanismus

Die Apothekerin Dr. Nina Großer, die im Arbeitskreis von Prof. Dr. Henning Schröder vom pharmkologischen Institut der Universität Halle arbeitet, wurde für die Entschlüsselung eines bisher unbekannten Wirkmechanismus der Acetylsalicylsäure ausgezeichnet. Demnach kann ASS einer Schädigung von Blutgefäßen vorbeugen, indem der Wirkstoff Gene und Enzyme mit antioxidativen Eigenschaften aktiviert. Mit ihrer Studie konnte sie erstmals belegen, dass Acetylsalicylsäure in Endothelzellen den NO-cGMP-Signalübertragungsweg zu aktivieren vermag.

Anstiege von NO und cGMP hängen kausal mit der Schutzfunktion von Antioxidanzien und einer verbesserten Integrität des Endothels zusammen. Dieser neuartige Stoffwechselweg scheint somit funktionelle Bedeutung zu besitzen und trägt möglicherweise signifikant zu der durch Acetylsalicylsäure induzierten Prävention von Endothelschäden bei kardiovaskulären Erkrankungen bei, z. B. während der Atherogenese und anderer entzündlicher Prozesse. Angesichts dieser Untersuchungen könnte die Aktivierung der endothelialen NO- und cGMP-Bildung einen wichtigen Mechanismus darstellen, durch den Acetylsalicylsäure zusätzlich zu ihrer Thrombozyten hemmenden Wirkung Schutz vor Myokardinfarkt, Schlaganfall und Tod bietet.

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