DAZ aktuell

Man höre und staune! (Gastkommentar)

Manch Apotheker älterer Generation hätte bei der Verleihung des "Apotheken Marketing Preises 2004" wohl gezuckt und seinen Ohren nicht getraut: Kann es denn sein, dass ein junger Kollege für die Idee "Radiowerbung für den Versandhandel seiner Apotheke" einen Marketingpreis gewinnt und diese Auszeichnung auch noch von der standeseigenen Pharmazeutischen Zeitung und einem apothekereigenen Rechenzentrum gesponsert wird?

Dass sogar überregionale Partnerkonzepte der Flughafen-Apotheken von München und Frankfurt (MedPharmacy) ausgezeichnet wurden, zeigt auch, dass die Jury mit ihrer Urteilsfindung nicht Trends setzen möchte, sondern Entwicklungen – vorausgesetzt, dass diese von Apothekern selbst stammen – wahrnimmt und berücksichtigt. Als Botschaft soll wohl verstanden werden: Nein zum Fremdbesitz aber ja zur innovativen und effektiver Zusammenarbeit zwischen Kollegen.

Aber auch das war neu: Ganz selten sah man bei einer Apothekerveranstaltung etablierte Berufspolitiker und marketingaktive Kollegen, welche vor nicht allzu langer Zeit von jenen wohl für derartige Werbeaktionen noch als zu "marktschreierisch" verurteilt worden wären, einträchtig und harmonisch zusammen feiern. Es zeigt, dass man sich wohl getrost von der Meinung verabschieden kann, die gesamte Führung des Berufsstandes wäre verstaubt und Verbandspolitiker würden Zeichen der Zeit nicht erkennen bzw. ignorieren. Allerdings darf man gespannt sein, ob im Apothekerhaus in Berlin jetzt nicht Irritationen ausgelöst worden sind. Kann bzw. darf der Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung als Mitglied einer Jury Marketingkonzepte protegieren, welche sich teilweise frontal gegen die (bis letztes Jahr geltenden) Grundüberzeugungen der ABDA-Mitglieder richten?

Die Preisträger und alle Bewerber des Apotheken Marketing Preises verdienen Lob und Hochachtung. Respekt und Anerkennung muss man den Initiatoren und Förderern für ihr gewagtes Engagement entgegenbringen. Dass die Jury, die seit 2004 neu geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen in ihre Entscheidung einfließen hat lassen, ist mutig und dürfte noch für rege Diskussionen sorgen. Für das erfolgreiche Zusammenführen von jungen marketingaktiven Kollegen und "junggebliebenen" Repräsentanten und Funktionären der Apothekerschaft müssen alle Apotheker den Initiatoren und Sponsoren aber besonders dankbar sein.

Das macht Mut und Lust auf weitere gemeinsame Aktionen. "Jetzt erst recht" rief der ABDA-Präsident den Delegierten auf dem Apothekertag zu. Marketing aus der Apotheke für die Apotheke ist auch eine Form des berufspolitischen Engagements und die VSA hat mit ihrer Veranstaltung (als einzige) das Versprechen von Präsident Hans-Günther Friese eingelöst, junge Kollegen zu integrieren. Das gibt der Veranstaltung auch eine ganz besondere Note.

Fazit: Während man sich 1989 beim Deutschen Apothekertag in München beim Galadinner noch selbst feierte, versucht man heute, 15 Jahre später – auch zur feierlichen Stunde – Antworten auf die Zukunft unseres Berufsstandes zu finden. Die deutsche Apotheke ist bestimmt kein Auslaufmodell, sondern die deutschen Apothekerinnen und Apotheker sind lebendiger denn je, bereit für all die anstehenden Aufgaben. Innovative Ideen von Kollegen – manchmal außergewöhnlich und auch provokant – finden scheinbar jetzt doch Gehör und Akzeptanz – wenn auch sicher nicht bei allen Kollegen.

Übrigens, würde bei der nächsten Apotheken Marketing Preisverleihung eine siebte Auszeichnung für "die beste apothekerinterne Kommunikations-Initiative" vergeben werden, so dürfte der diesjährige Veranstalter wohl mit Abstand die besten Chancen haben, hier ausgezeichnet zu werden.

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