Arzneimittel und Therapie

Zulassungserweiterung: Oxaliplatin zur adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms

Für die adjuvante Therapie des Kolonkarzinoms im Stadium III nach vollständiger Resektion des Primärtumors hat Oxaliplatin (Eloxatin®) im Rahmen eines gegenseitigen Anerkennungsverfahrens in Europa die Zulassungserweiterung erhalten, wie Sanofi-Aventis bekannt gab.

Bisher war Oxaliplatin zur Behandlung des metastasierenden kolorektalen Karzinoms in Kombination mit 5-Fluorouracil und Folinsäure zugelassen. Die europäische Zulassungsentscheidung basierte auf den Ergebnissen einer klinischen Studie zur adjuvanten Therapie. Die MOSAIC-Studie ist eine internationale, randomisierte Phase-III-Studie, an der 2246 Patienten in 148 Zentren und 20 Ländern teilnahmen.

Primäres Studienziel war die Beurteilung des krankheitsfreien Überlebens (Zeit bis zu einem Rezidiv oder bis zum Tod) bei diesen Patienten, die alle ein vollständig reseziertes Kolonkarzinom im Stadium II/III hatten und die derzeitige adjuvante Standard-Chemotherapie des Kolonkarzinoms (5-Fluorouracil/Leucovorin, 5-FU/LV) mit oder ohne zusätzliche Anwendung von Oxaliplatin erhielten.

Oxaliplatin-Kombination der Standardtherapie überlegen

Die Ergebnisse MOSAIC-Studie zeigten, dass die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin zu 5-FU/LV die krankheitsfreie 3-Jahres-Überlebensrate auf 78% erhöhte, im Vergleich zu 73% unter 5-Fluorouracil/Leucovorin allein. Bei Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III betrug die krankheitsfreie 3-Jahres-Überlebensrate 72% bei zusätzlicher Gabe von Oxaliplatin und 65% bei alleiniger Anwendung von 5-FU/LV.

Diese Ergebnisse belegten den signifikanten Nutzen gegenüber der alleinigen Therapie mit 5-Fluorouracil/Leucovorin in dieser speziellen Therapiesituation und bieten Patienten mit Kolonkarzinom im Frühstadium neue Aussichten auf eine mögliche Heilung ihrer Erkrankung. Die operative Entfernung des Primärtumors zusammen mit einer Chemotherapie auf Oxaliplatin-Basis kann die Heilungschancen für Patienten mit einem Kolonkarzinom im Frühstadium verbessern.

Häufige Nebenwirkung: Neuropathie

Die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin zu 5-FU/LV wird gut vertragen. Die am häufigsten gemeldete Nebenwirkung war ein Abfall der Anzahl weißer Blutkörperchen (Neutropenie). Oxaliplatin hat eine dosislimitierende Neurotoxizität. Dabei handelt es sich um eine periphere sensorische Neuropathie, welche durch Dysästhesien oder Parästhesien der Extremitäten (Kribbeln in den Fingern) charakterisiert ist und oft durch Kälteeinwirkung ausgelöst wird. Diese Symptome traten bei bis zu 95% aller behandelten Patienten auf. Bei den Patienten, bei denen eine periphere sensorische Neuropathie auftrat, war in nahezu allen Fällen innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach der Behandlung eine teilweise oder vollständige Erholung feststellbar. ck

Platinanalogon der dritten Generation Oxaliplatin gehört zu einer neuen Klasse von Platinderivaten, bei denen das Platinatom mit 1,2-Diaminocyclohexan (,,DACH’’) und einer Oxalatgruppe komplexiert ist. Oxaliplatin ist ein reines Enantiomer, das Cis-[oxalato(trans-l-1,2-DACH)platin]. Aus Studien zum Wirkungsmechanismus geht hervor, dass Aquo-Derivate, die im Rahmen der Biotransformation von Oxaliplatin entstehen, mit der DNA interagieren und Intra- und Interstrang-Quervernetzungen bilden. Diese bewirken einen Abbruch der DNA-Synthese, wodurch sich die Zytotoxizität und antitumorale Wirkung erklären lässt.

MMP Medizinische Monatsschrift für Pharmazeuten Zum Weiterlesen: Therapieindividualisierung bei Platin-Therapie. Im Mittelpunkt steht der Krebspatient. Med Monatsschr Pharm 2002:25(10):334-6 www.medmopharm.de

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