Arzneimittel und Therapie

Muscarinrezeptor-Antagonist: Solifenacin zur Behandlung der Reizblase

Solifenacin (Vesikur®) ist ein oral wirksamer Muscarinrezeptor-(M3-)Antagonist, der zur Behandlung der so genannten Reizblase eingesetzt wird. Der Wirkstoff kann Patienten mit Blasenschwäche helfen, die sich als Dranginkontinenz und/oder Pollakisurie äußert.

Erneuter Harndrang, kurz nachdem die Blase entleert worden ist; das plötzlich auftretende, zwingende Bedürfnis, Wasser zu lassen und das unwillkürliche Abgehen von Harn nach einem plötzlichen, zwingenden Drang zu urinieren – unter diesen Beschwerden leiden 16 bis 22 Prozent der erwachsenen, vor allem älteren Europäer. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Viele Betroffene müssen sich in ihrem Alltag stark einschränken, wenn häufiger Harndrang dazu führt, dass sie innerhalb von 24 Stunden mehr als achtmal die Toilette aufsuchen müssen. Im Extremfall kann eine überaktive Blase ein normales Leben unmöglich machen. Auch die Nykturie, das zwei- oder mehrmalige Aufwachen während der Nacht, um zur Toilette zu gehen, verschlechtert die Lebensqualität stark.

Ursache: überaktiver Blasenmuskel

Die Ursache einer überaktiven Blase mit Dranginkontinenz ist häufig eine instabiler Detrusor. Dieser glatte Muskel in der Blasenwand ist für die Blasenentleerung zuständig. Neben der Detrusor-Instabilität kann auch eine Detrusor-Hyperreflexie zur Inkontinenz führen; man spricht dann von Reflexinkontinenz. Diese Inkontinenzform tritt beispielsweise bei Personen mit Multipler Sklerose oder Paraplegie auf.

Die Harnblase wird von parasympathischen, cholinergen Nerven innerviert. Medikamentös kann die Aktivität der glatten Muskulatur in der Blasenwand mit Anticholinergika gehemmt werden. Dabei werden Anticholinergika wie Trospiumchlorid, Oxybutynin, Propiverin und Tolterodin und jetzt auch das neue Solifenacin (Vesikur®) eingesetzt.

Neu: Solifenacin

Der neue oral wirksame Muscarinrezeptor-(M3-)Antagonist Solifenacin (Vesikur®) kann Patienten mit Blasenschwäche helfen, die sich als Dranginkontinenz und/oder Pollakisurie äußert. Vor der Behandlung mit dem Arzneimittel müssen sonstige Ursachen der erhöhten Miktionsfrequenz, zum Beispiel Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen, sowie andere Ursachen der Reizblase, wie eine Harnwegsinfektion oder eine Prostataerkrankung, ausgeschlossen werden.

Gute Resorption

Die empfohlene Dosierung für Erwachsene beträgt 5 mg Solifenacinsuccinat einmal täglich, bei Bedarf kann sie auf 10 mg einmal täglich erhöht werden. Solifenacin wird nach oraler Einnahme gut resorbiert, die absolute Bioverfügbarkeit liegt bei ungefähr 90%, Spitzenplasmakonzentrationen werden 3 bis 8 Stunden nach der Einnahme erreicht. Solifenacin wird hauptsächlich über die Leber verstoffwechselt, in erster Linie von Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) und zu etwa 70% im Urin und 23% mit dem Stuhl ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit beträgt 45 bis 68 Stunden.

Weniger Miktionen, Inkontinenz verbessert

Solifenacin wurde in vier randomisierten und plazebokontrollierten Studien mit mehr als 3700 Patienten mit Reizblasensydrom eingesetzt. Die Wirksamkeit war innerhalb von einer Woche nach Therapiebeginn spürbar und stabilisierte sich über einen Zeitraum von 12 Wochen. Nach einer Therapiedauer von 12 Wochen waren Inkontinenzepisoden um 66% (5 mg/täglich) und 70% (10 mg/täglich) vermindert. Etwa die Hälfte der Patienten mit Harninkontinenz vor Therapiebeginn waren frei von Inkontinenzepisoden. Auch die Häufigkeit der Miktionen verringerte sich um 19 bzw. 23%, nächtlicher Harndrang trat um 36% seltener auf. 35% der Patienten erreichten eine Miktionshäufigkeit von weniger als acht Miktionen täglich. Auch in der Langzeittherapie über 40 Wochen erwies sich Solifenacin als wirksam und gut verträglich.

Leichte anticholinerge Nebenwirkungen

Aufgrund der pharmakologischen Wirkung von Solifenacin können anticholinerge Nebenwirkungen von in der Regel leichtem bis mittlerem Schweregrad auftreten. Diese anticholinergen Nebenwirkungen sind dosisabhängig. Dazu gehören Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen und Verstopfung. Mundtrockenheit trat bei 11% der Patienten, die mit 5 mg einmal täglich behandelt wurden, bei 22% der Patienten, die mit 10 mg einmal täglich behandelt wurden und bei 4% der mit Plazebo behandelten Patienten auf.

Die gleichzeitige Gabe anderer Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften kann sowohl die therapeutische Wirkung als auch die Nebenwirkungen verstärken. Da Solifenacin über CYP3A4 metabolisiert wird, sind pharmakokinetische Wechselwirkungen mit anderen Substraten von CYP3A4 mit einer höheren Affinität (z. B. Verapamil, Diltiazem) und mit CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin) möglich. Die gleichzeitige Behandlung mit Solifenacin und einem starken CYP3A4-Inhibitor, z. B. Ketoconazol, ist bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion oder mit mäßig eingeschränkter Leberfunktion kontraindiziert, ansonsten ist Vorsicht geboten.

Solifenacin ist bei Patienten mit Harnverhaltung, einer schweren gastrointestinalen Erkrankung (einschließlich eines toxischen Megakolons), einer Myasthenia gravis oder einem Engwinkelglaukom sowie bei Patienten, die ein Risiko für diese Erkrankungen aufweisen, kontraindiziert.

Darifenacin: zur Zulassung empfohlen

Ein weiterer Muscarinrezeptor-(M3-)Antagonist, der zur Behandlung der Dranginkontinenz entwickelt wird, ist Darifenacin (vorgesehener Handelsname in Europa Emselex®). Darifenacin ist in der EU bereits zur Zulassung empfohlen, die Firma Novartis strebt die Markteinführung noch in diesem Jahr an. hel

Mit Solifenacin (Vesikur) steht ein oral wirksamer Muscarinrezeptor-(M3-)Antagonist zur Verfügung, der zur Behandlung der so genannten Reizblase eingesetzt wird. Der Wirkstoff stabilisiert die glatte Muskulatur in der Blasenwand, die für die Blasenentleerung zuständig ist. So kann Patienten mit Blasenschwäche geholfen werden, die bereits einen erneuten Harndrang verspüren, kurz nachdem die Blase entleert worden ist.

Steckbrief: Solifenacin

Handelsname/Hersteller: Vesikur (Yamanouchi, Heidelberg) Einführungsdatum: 15. August 2004 Zusammensetzung: Eine Filmtablette enthält 5 bzw. 10 mg Solifenacinsuccinat, entsprechend 3,8 bzw, 7,5 mg Solifenacin. Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Maisstärke, Lactose-Monohydrat, Hypromellose, Magnesiumstearat (Ph. Eur.). Filmüberzug: Macrogol 8000, Talkum, Hypromellose, Titandioxid (E 171). Vesikur 5 mg Filmtabletten: Eisen(III)-hydroxid-oxid g H2O (E 172). Vesikur 10 mg Filmtabletten: Eisen(III)-oxid (E 172) Packungsgrößen, Preise und PZN: Vesicur 5 mg: 30 Stück, Euro 60,30, PZN 2781898; 50 Stück, Euro 93,50, PZN 3682520; 90 Stück, 151,88, PZN 2782030. Vesicur 10 mg: 30 Stück, Euro 70,20, PZN 2782053; 50 Stück, Euro 107,50, PZN 3682589; 90 Stück, Euro 174,67, PZN 2782082. Stoffklasse: Urologika; Anticholinergikum, Muscarin-Rezeptorantagonist Indikation: Symptomatische Therapie der Dranginkontinenz und/oder der Pollakisurie und des imperativen Harndrangs, wie sie bei Patienten mit dem Syndrom der überaktiven Blase auftreten können. Dosierung: 5 mg Solifenacinsuccinat peroral einmal täglich, bei Bedarf auf 10 mg einmal täglich erhöhen Gegenanzeigen: Harnverhaltung, schwere gastrointestinale Erkrankung (einschließlich eines toxischen Megakolons), Myasthenia gravis, Engwinkelglaukom, Hämodialyse, stark eingeschränkte Leberfunktion; Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion, die gleichzeitig mit einem CYP3A4- Inhibitor (z. B. Ketoconazol) behandelt werden. Solifenacin darf nicht bei Kindern angewendet werden. Nebenwirkungen: Obstipation, Übelkeit, Dyspepsie, Bauchschmerzen; verschwommenes Sehen Wechselwirkungen: Die gleichzeitige Gabe anderer Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften kann sowohl die therapeutische Wirkung als auch die Nebenwirkungen verstärken. Solifenacin kann die Wirkung von Arzneimitteln, die stimulierend auf die Motilität des Gastrointestinaltrakts wirken, wie Metoclopramid und Cisaprid, vermindern. Die gleichzeitige Behandlung mit Solifenacin und einem starken CYP3A4-Inhibitor, z. B. Ketoconazol, ist bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion oder mit mäßig eingeschränkter Leberfunktion kontraindiziert, ansonsten ist Vorsicht geboten. Da Solifenacin von CYP3A4 metabolisiert wird, sind pharmakokinetische Wechselwirkungen mit anderen Substraten von CYP3A4 mit einer höheren Affinität (z. B. Verapamil, Diltiazem) und mit CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin) möglich. Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen: Vor der Behandlung mit Solifenacin sind sonstige Ursachen der erhöhten Miktionsfrequenz (Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung) auszuschließen. Bei einer Harnwegsinfektion ist eine geeignete antibakterielle Therapie einzuleiten. Solifenacin ist mit Vorsicht anzuwenden bei Patienten mit klinisch signifikanter, obstruktiver Blasenentleerungsstörung, bei denen das Risiko der Harnverhaltung besteht; einer obstruktiven gastrointestinalen Erkrankung; dem Risiko einer verminderten gastrointestinalen Motilität; einer stark eingeschränkten Nierenfunktion; einer mäßig eingeschränkten Leberfunktion; einer Hiatushernie/gastroösophagealem Reflux und/oder bei Patienten, die gleichzeitig Arzneimittel anwenden, die eine Ösophagitis hervorrufen oder zu einer Exazerbation der Ösophagitis führen können (wie z. B. Bisphosphonate); einer autonomen Neuropathie. Da Solifenacin, wie andere Anticholinergika, zu verschwommenem Sehen und gelegentlich zu Somnolenz und Müdigkeit führen kann, können die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, eingeschränkt sein.

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.