Arzneimittel und Therapie

COX-2-Inhibitor: Weniger Ulcuskomplikationen mit Lumiracoxib

Die TARGET-Studire (Therapeutic Arthritis Research and Gastrointestinal Event Trial) untersuchte die gastrointestinale und kardiovaskuläre Sicherheit des COX-2-Inhibitors Lumiracoxib (Prexige®) im Vergleich mit den nicht-steroidalen Antirheumatika Naproxen und Ibuprofen. Lumiracoxib scheint gastrointestinale Sicherheitsvorteile zu bieten: es zeigte sich eine Reduktion der Ulcuskomplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt, ohne dass die kardiovaskuläre Sicherheit verschlechtert wurde.

Aufbauend auf den Erkenntnissen früherer Studien zur gastrointestinalen Sicherheit mit Celecoxib (CLASS-Studie) und Rofecoxib (VIGOR-Studie) sollte die TARGET-Studie Fragen zur allgemeinen Sicherheit von Lumiracoxib beantworten. 18 325 Osteoarthritis-Patienten (50 Jahre oder älter) wurden in über 800 Studienzentren randomisiert und erhielten für ein Jahr entweder Lumiracoxib (9156 Patienten), Naproxen (4754 Patienten), oder Ibuprofen (4415 Patienten).

Weniger Magengeschwüre

Die Studie war dafür ausgelegt, die gastrointestinale Sicherheit als primären Endpunkt und die kardiovaskuläre Sicherheit als sekundären Endpunkt unter Lumiracoxib mit einer Dosierung von 400 mg einmal täglich während 12 Monaten im Vergleich zu den Standarddosierungen von Ibuprofen (800 mg dreimal täglich) und Naproxen (500 mg zweimal täglich) zu analysieren.

Im Rahmen der TARGET-Studie wurde auch zum ersten Mal der Einfluss von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (75 bis 100 mg täglich) in Kombination mit Lumiracoxib auf die gastrointestinale und die kardiovaskuläre Sicherheit gezielt geprüft. Wie Osteoarthritis-Patienten im Alltag, so nahmen 24% der randomisierten Patienten in der Studie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure zur primären und sekundären Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen zusammen mit ihrer Studienmedikation ein.

Die Ergebnisse der TARGET-Studie zeigen, dass Lumiracoxib die Häufigkeit von eindeutigen oder vermuteten Ulcuskomplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt bei Patienten ohne niedrig dosierte Acetylsalicylsäure gegenüber den nicht-steroidalen Antirheumatika Naproxen und Ibuprofen reduzierte. Lumiracoxib senkte in dieser Patientengruppe die Häufigkeit von Ulcuskomplikationen des oberen Gastrointestinaltrakts im Vergleich zu Ibuprofen um 83%, im Vergleich zu Naproxen um 76%. Dieser Vorteil traf jedoch nicht auf Patienten zu, die gleichzeitig Acetylsalicylsäure einnahmen.

Kardiovaskuläre Komplikationen nicht erhöht

Zusätzlich zur gastrointestinalen Verträglichkeit untersuchte die TARGET-Studie die kardiovaskuläre Sicherheit. Im Vergleich zu den nicht-steroidalen Antirheumatika Naproxen und Ibuprofen führte Lumiracoxib zu keiner Erhöhung des kardiovaskulären Risikos, das definiert war als kombinierter Endpunkt der Anti-Platelet Trialists Collaboration [APTC]). Der APTC-Endpunkt umfasste bestätigten oder wahrscheinlichen nicht-tödlichen Myokardinfarkt, einschließlich stummen Myokardinfarkt (entdeckt im EKG), nicht-tödlichen Schlaganfall (ischämisch oder hämorrhagisch) und kardiovaskulären Tod.

In der Gesamtpopulation und den separat untersuchten Subpopulationen mit oder ohne niedrig dosierter Acetylsalicylsäure bestanden bezüglich des APTC-Endpunkts keine Unterschiede zwischen Lumiracoxib und den verglichenen NSAR. Überdies gab es zwischen Lumiracoxib und Naproxen oder Ibuprofen in der Gesamtpopulation keinen signifikanten Unterschied, was die Häufigkeit von Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz oder anderen thrombotischen Ereignissen betrifft.

Hochselektiver COX-2-Hemmer

Lumiracoxib wurde für die Behandlung der Symptome von Arthritis und von Schmerzen entwickelt. Es ist ein hochselektiver Cyclooxygenase-2-Hemmer (COX-2-Hemmer) mit sauren Eigenschaften, der sich durch das Fehlen des Schwefelatoms von den bekannten selektiven COX-2-Hemmern unterscheidet. Die Wirksamkeit wurde in einem Studienprogramm der Phase III belegt. Als Kurzzeitbehandlung zeigt Lumiracoxib mit 400 mg einmal täglich einen raschen Wirkeintritt bei akuten Schmerzen und ist wirksam bei Osteoarthritis mit 100 mg oder 200 mg einmal täglich und bei rheumatoider Arthritis mit 200 mg einmal täglich.

Novartis hat weltweit Gesuche für die behördliche Zulassung eingereicht, basierend auf Daten von mehr als 40 präklinischen und klinischen Studien bei Osteoarthritis, rheumatoider Arthritis, akuten Schmerzen und primärer Dysmenorrhö mit über 13 000 erwachsenen Patientinnen und Patienten. Lumiracoxib ist bisher in 17 Ländern zugelassen. Dazu gehören Großbritannien, Australien und verschiedene Länder Lateinamerikas wie Argentinien, Brasilien und Mexiko, für Deutschland läuft ein Verfahren zur gegenseitigen Anerkennung mit Großbritannien als Referenzstaat.

In den USA hatte sich die Zulassung von Lumiracoxib verzögert, da die amerikanische Zulassungsbehörde FDA von Novartis weitere Informationen – insbesondere die Ergebnisse der vorliegenden TARGET-Studie – forderte.

Quelle

Farkouh M. E.; et al.: Comparison of lumiracoxib with naproxen and ibuprofen in the Therapeutic Arthritis Research and Gastrointestinal Event Trial (TARGET), cardiovascular outcomes: randomised controlled trial. Lancet 364, 675 – 84 (2004). Schnitzer T. J.; et al.: Comparison of lumiracoxib with naproxen and ibuprofen in the Therapeutic Arthritis Research and Gastrointestinal Event Trial (TARGET), reduction in ulcer complications: randomised controlled trial. Lancet 364, 665 – 74 (2004). ck

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