Arzneimittel und Therapie

Benigne Prostatahyperplasie: Doxazosin oder Finasterid oder beide?

Eine Kombination aus Doxazosin und Finasterid hat auf lange Frist einen günstigeren Einfluss auf die Progression einer gutartigen Prostatahyperplasie als eine Monotherapie mit diesen Wirkstoffen. Zu diesem Schluss kommt eine multizentrische Langzeitstudie mit mehr als 3000 Patienten.

Zur medikamentösen Therapie einer Prostatahyperplasie werden 5-alpha-Reduktasehemmer wie zum Beispiel Finasterid (Proscar®) oder alpha-Adrenozeptor-Antagonisten wie Doxazosin (Alfamedin®, Cardular® Uro, Diblocin® Uro) eingesetzt. Für beide Wirkstoffe liegen Kurzzeitstudien vor, für Finasterid auch mehrjährige Studien. Da die beiden Wirkstoffe einen unterschiedlichen Wirkmechanismus aufweisen, ist ein synergistischer Effekt denkbar. Ob sich dieser Effekt auch in der Praxis zeigt, wurde in der MTOPS-Studie (Medical Therapy of Prostatic Symptoms Study) untersucht, in der die Langzeitwirkung des 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid, des alpha-Adrenozeptor-Antagonisten Doxazosin und ihrer Kombination über einen Zeitraum von 4,5 Jahren geprüft wurde.

Doppelblinde, plazebokontrollierte Studie

Für die Studie wurden 3047 Männer ab 50 Jahren ausgesucht, die bereits leichte bis mäßig-schwere Prostata-Beschwerden aufwiesen. Sie wurden verschiedenen Gruppen zugeteilt: Patienten der Gruppe A erhielten 4 bis 8 mg Doxazosin am Tag, Probanden der Gruppe B täglich 5 mg Finasterid, Teilnehmer der Gruppe C sowohl Doxazosin als auch Finasterid und Probanden der Gruppe D ein Plazebo. In regelmäßigen Abständen wurden zur Quantifizierung der subjektiven Symptome ein Prostata-Symptomen-Score ermittelt, die maximale Urinfluss-Rate gemessen sowie Nebenwirkungen und Compliance festgehalten. Jährlich erfolgte eine digitorektale Untersuchung, Messung des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) und eine Urinanalyse. Das Prostatavolumen wurde zu Beginn der Studie und nach fünf Jahren transrektal über eine Ultrasonographie ermittelt. Das primäre Studienziel war definiert als ein klinisches Fortschreiten der Erkrankung, die unter Berücksichtigung folgender Parameter beurteilt wurde anhand eines speziellen Prostata-Symptomen-Score:

  • Auftreten eines akuten Harnverhalts
  • Harninkontinenz
  • Niereninsuffizienz
  • rezidivierende Harnwegsinfekte.

Deutlicher Therapieerfolg

Das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung wurde statistisch signifikant durch Doxazosin um 39%, durch Finasterid um 34% gesenkt (jeweils im Vergleich zur Plazebogruppe). Durch eine gleichzeitige Einnahme beider Wirkstoffe konnte das Risiko um 66% gesenkt werden. Das Risiko eines akuten Harnverhalts wurde durch die Kombinationstherapie und durch Finasterid, aber nicht durch Doxazosin gesenkt. Das gleiche galt für die Notwendigkeit operativer Interventionen. Die Beschwerdesymptomatik wurde sowohl durch die Monotherapie mit Finasterid bzw. Doxazosin als auch durch die Kombinationstherapie signifikant gebessert.

Wechsel zur Kombinationstherapie?

Zur Therapie einer benignen Prostatahyperplasie wird standardmäßig zuerst ein Alpha-Blocker gegeben, dessen Wirkung rasch einsetzt und der wenig unerwünschte Wirkungen aufweist. Eine Kombinationstherapie – das heißt eine zusätzliche Gabe von Finasterid – würde zum einen die Therapie erheblich verteuern und ist zum andern im Hinblick auf ihre Langzeitfolgen nicht genau einschätzbar. Die Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Studie zur Chemoprävention eines Prostatakarzinoms zeigten zwar, dass unter Finasterid insgesamt weniger Tumore auftraten, diese waren jedoch deutlich aggressiver als diejenigen, die sich in der Vergleichsgruppe entwickelt hatten. Aufgrund dieser Beobachtung erscheint es ratsam, weitere Studienergebnisse abzuwarten, bis Finasterid in der langfristigen Mono- und Kombitherapie bedenkenlos eingesetzt werden kann.

Eine Kombination aus Doxazosin und Finasterid hat auf lange Frist einen günstigeren Einfluss auf die Progression einer gutartigen Prostatahyperplasie als eine Monotherapie mit diesen Wirkstoffen. Zu diesem Schluss kommt eine multizentrische Langzeitstudie mit mehr als 3000 Patienten.

Pharmakotherapie der Prostatahyperplasie

  • Die Blockade von alpha-1-Rezeptoren bewirkt eine Erschlaffung der glatten Muskulatur des Blasenhalses, der Harnröhre und der Prostata, was zu einem erleichterten Harnabfluss führt. Die Wirkung von Alpha-Blockern setzt rasch ein, hält auch bei einer Langzeitgabe an und hat wenig unerwünschte Wirkungen. Eine vergrößerte Prostata wird nicht verkleinert. Zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie werden vorwiegend Doxazosin, Tamsulosin oder Alfuzosin eingesetzt.
  • 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren wie Finasterid blockieren die Umwandlung von Testosteron in 5-alpha-Dihydrotestosteron, wobei der Serumtestosteronspiegel in etwa gleich bleibt und die Dihydrotestosteronkonzentration in der Prostata abnimmt. Die Wirkung setzt langsam, unter Umständen erst nach Monaten ein, und zeigt sich in einer Verringerung des Prostatavolumens und einer Verlangsamung bzw. Verhinderung eines weiteren Wachstums.

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