Fortbildung

Pulverinhalatoren richtig anwenden

Pulverinhalatoren sind erklärungsbedürftige Applikationssysteme. Bei richtiger Anwendung ist es wichtig, ein lungengängiges Partikelspektrum zu erzeugen. Kennt man die physikalischen Grundprinzipien der Pulverinhalatoren, kann man daraus die wichtigsten Anwendungstipps herleiten.

Bronchialasthma wird schon ab niedrigen Schweregraden inhalativ behandelt. Aerosole zur Inhalation können mit drei verschiedenen Systemen erzeugt werden:

  • Druckaerosole: Ein druckverflüssigtes Gas wird verdampft.
  • Vernebler: Wässrige Lösungen oder Suspensionen werden vernebelt.
  • Pulverinhalatoren: Pulver werden zerstäubt (dispergiert).

Luft lange anhalten

Die Ablagerung von Arzneistoff-Partikeln in der Lunge hängt nicht nur vom Durchmesser und der Geschwindigkeit der Partikel ab, sondern auch von ihrer Verweildauer in der Lunge und von der Inhalationstechnik. Über 10 Ķm große Partikel verbleiben durch Prallabscheidung (Impaktion) im Mund-Rachen-Raum. Partikel unter 1 Ķm werden zunehmend durch Diffusion abgeschieden. Interessant ist der Bereich dazwischen: Partikel bis hinab zu einem Durchmesser von 1 Ķm lagern sich durch Sedimentation in der Lungenperipherie – dem eigentlichen Wirkort – ab. Der Sedimentationsprozess benötigt jedoch Zeit.

Man darf von Pulverinhalatoren nicht zu viel erwarten: Auch bei guter Atemtechnik gelangen nur etwa 20 bis 30% des inhalierten Wirkstoffs in die Lunge. Der Rest scheidet sich im Mund-Rachen-Raum ab oder gelangt über die Speiseröhre in den Magen. Dies kann bei ≠-Sympathomimetika zu systemischen Nebenwirkungen führen. Moderne Glucocorticoide, wie Budesonid und Fluticason, sind systemisch unproblematisch, können aber Heiserkeit und Mundsoor auslösen.

Mit galenischen Tricks Haftkräfte überwinden

Insbesondere Partikel von 2 bis 5 Ķm Größe sind lungengängig. So feines Pulver klumpt allerdings leicht zusammen. Die dabei entstehenden Agglomerate können nicht frei fließen, sind schlecht dosierbar und nicht lungengängig. Auf zwei Wegen versucht man dieses Problem zu lösen:

  • Bei der "interaktiven Mischung" nutzt man die Haftkräfte zwischen mikronisierten Wirkstoffpartikeln und einem grobkörnigen Träger (z. B. Lactose).
  • Bei der "kontrollierten Agglomeration" sind mikronisierte Wirkstoffpartikel, eventuell zusammen mit mikronisierten Hilfsstoffpartikeln, zu großen Agglomeraten aufgebaut.

In beiden Fällen müssen größere Agglomerate bei der Anwendung zunächst im Pulverinhalator zerkleinert ("zerstäubt") werden, damit die eingeatmeten Partikel lungengängig sind. Dies geschieht z. B. durch Siebe und Löcher des Pulverinhalators, die turbulente Strömungen erzeugen. Durch den Einatemfluss des Patienten wird das Pulver in den Luftstrom eingebracht (fluidisiert).

Die richtige Atemtechnik

Die beste Atemtechnik ist bei allen Pulverinhalatoren mit Ausnahme des MAGhalers die schnellstmögliche maximale Inhalation. Das heißt: Man muss rasch und kräftig Luft holen. Wenn das Pulver den Inhalator verlässt, bevor die maximale Atemstromstärke erreicht wurde, gelangt verschwindend wenig davon in die Lunge.

Vor Feuchtigkeit schützen

Pulverinhalatoren mit hygroskopischen Arzneistoffen sind feuchtigkeitsempfindlich. Deshalb sollte man den Pulverinhalator geschlossen lagern und nicht in den Pulverinhalator ausatmen. Wird das Pulver feucht, haftet es viel stärker zusammen (Kapillarkräfte). Es klumpt und wird im Pulverinhalator nicht in lungengängige Partikel zerstäubt.

Vor- und Nachteile gegenüber Dosieraerosolen

Gegenüber Dosieraerosolen zeichnet sich ein Pulverinhalator meist durch eine leichtere Handhabung und den Wegfall der Synchronisation von Einatmen und Auslösen aus. Nachteilig kann die Abhängigkeit des Inhalationsergebnisses von der Atemstromstärke sein (eventuell problematisch bei Kleinkindern und Schwerkranken). Der Patient spürt außerdem bei Pulverinhalatoren oft nicht, ob die Inhalation erfolgt ist, sodass Kontrollmechanismen wie ein Zählwerk oder ein akustisches Signal notwendig sind.

Einteilung der Pulverinhalatoren

Es gibt Pulverinhalatoren mit nur einer Dosis, mit wenigen Dosen oder sogar 200 Dosen. Sie unterscheiden sich darin, ob und wie in ihnen das Pulver verpackt ist und ob sie wieder befüllbar sind; die meisten Produkte mit einem großen Pulvervorrat sind nicht wieder befüllbar (Tab. 1). Die ältesten Pulverinhalatoren (z. B. Spinhaler, Rotahaler) werden mit einer oder wenigen Dosen befüllt. Sie verwenden interaktive Mischungen. Der Patient spürt häufig die Ablagerung der Trägersubstanz im Rachenraum und reagiert zum Teil mit Hustenreiz darauf.

Aktivinhalator: Blasebalg hilft mit

Mit dem Turbohaler wurde ein Vieldosen-Pulverinhalator nach dem Prinzip der kontrollierten Agglomeration verwirklicht. Er enthält einen Pulvervorrat für bis zu 200 Anwendungen. Ein anderer nicht wiederbefüllbarer Vieldosen-Pulverinhalator ist der Aktivinhalator. Dieses neue Gerät hat einen Blasebalg, der durch Umlegen einer Klappe zusammengedrückt wird. Beim Einatmen unterstützt die Luft, die aus dem Blasebalg entweicht, die Dispergierung.

MAGhaler: Ringtablette mit Raspel

Neu sind auch die wiederbefüllbaren Vieldosen-Geräte Novolizer und MAGhaler oder Jethaler (mechanischer Aerosol-Generator). Beide bestehen aus dem eigentlichen Inhalator und einem auswechselbaren Vorratsbehälter.

Beim MAGhaler ist der "Vorratsbehälter" eine Ringtablette mit 200 Arzneistoffdosen. Hier ist ein ganz anderes Prinzip verwirklicht als bei interaktiver Mischung und kontrollierter Agglomeration: Die Ringtablette wird durch Bedienen eines Auslöseknopfes mechanisch abgeraspelt, was als schnarrendes Geräusch wahrzunehmen ist. Das Gerät benötigt den Einatemfluss des Patienten nicht, um die Partikel zu desaggregieren: Der Patient kann deshalb – anders als bei allen anderen Pulverinhalatoren – langsam tief einatmen. Er muss allerdings Auslösen und Einatmen koordinieren wie bei Dosieraerosolen. Der MAGhaler ist weitgehend atemflussunabhängig und soll auch lageunabhängig anwendbar sein.

Fazit

Insgesamt haben sich Pulverinhalatoren als Alternative zu Dosieraerosolen bewährt. Im Großen und Ganzen gleicht sich die Wirkstoffdeposition der verschiedenen Pulverinhalator-Typen bei korrekter Anwendung. Entscheidend ist, dass der Patient seine Pulverinhalatoren kennt und ihre Anwendung beherrscht.

Tipp

Essen und Trinken nach der Glucocorticoid-Inhalation schützt besser vor lokalen Nebenwirkungen als bloßes Mundausspülen.

Merke

Je länger der Patient nach dem Inhalieren die Luft anhält, desto ausgeprägter scheidet sich der Wirkstoff am Wirkort ab.

Merke

Beim MAGhaler kann man langsam tief einatmen.

Richtige Atemtechnik bei Pulverinhalatoren

  • Nach der Vorbereitung des Inhalators ausatmen (aber nicht in den Inhalator!)
  • Mundstück mit den Lippen umschließen
  • Rasch tief einatmen
  • Atem 5 bis 10 Sekunden lang anhalten
  • Langsam ausatmen

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