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Großbritannien: Apothekenketten auf dem Vormarsch

(jr). Die Ankündigung der britischen Regierung, den Apothekenmarkt weiter zu liberalisieren, zeigt erste Folgen. Die Kette Boots gab bekannt, 250 Millionen Pfund für die Eröffnung von Apotheken bereitzustellen. Die Sorge unter den Einzelunternehmen wächst, denn neben namhaften Branchenriesen wollen selbst Supermärkte dem Beispiel folgen.

Für britische Apotheker gehören Unternehmensketten seit Jahrzehnten zum hart umkämpften Markt. Dennoch konnten sich Einzelunternehmer auf den Schutz durch Marktregulierungsregeln verlassen, die nach Vorstellung der Regierung noch in diesem Jahr zur Geschichte zählen sollen. Apotheken würde dadurch der freie Markteintritt in große Geschäftskomplexe mit mehr als 15 000 qm zu vermietender Grundfläche gestattet, unabhängig von der Notwendigkeit für die medizinische Grundersorgung der Bevölkerung. Selbiges soll für Apotheken gelten, die ihre Dienstleistungen mehr als 100 Stunden pro Woche anbieten.

60 neue Boots-Läden

Der internationale Branchenriese Boots gab nun ein Investitionsprogramm über insgesamt 390 Millionen Pfund bekannt, wovon allein 250 Millionen Pfund für die Eröffnung von 60 Geschäften verplant sind. Das Unternehmen, das bereits in 130 Ländern der Erde präsent ist, zählt allein in Großbritannien 3000 Apotheker in etwa 1400 Filialen. Ziel des in Städten stark vertretenen Unternehmens ist vor allem die Ausweitung der Geschäftsaktivitäten auf dem Lande, wo 40 der neuen Boots-Filialen eröffnen werden.

Um die ohnehin gefürchtete Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, sollen die übrigen Gelder des Investitionsprogramms in die Neuausstattung alter Filialen und das Aufstocken des Personalbestandes fließen. Letzteres soll nach Vorstellung des Unternehmens der Verlängerung der Geschäftszeiten dienen, die vielfach bereits bei zwölf Stunden pro Tag liegen. Auch der Service soll durch das Einstellen weiteren Personals erhöht werden. So bietet Boots seinen Patienten verstärkt einen Heimservice an, der den vielfach unliebsamen Gang in die Apotheke entbehrlich macht.

Apothekenketten mit Radiosender

Einzelunternehmer verfolgen die Entwicklung mit Sorge, denn ihre Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus, die Serviceangebote der Branchenriesen zu übernehmen. Zudem kennt der Ideenreichtum der Apothekenketten kaum Grenzen. So wartet das 1336 Filialen zählende Apothekenunternehmen Lloyds Pharmacy mit einem eigenen Radiosender auf, der neben Nachrichten und Musik täglich von Montag bis Sonnabend mehr als neun Stunden Gesundheitsratschläge und Informationen zu Medikamenten gibt.

Die Entstehungsgeschichte der Lloyds Pharmacy wiederum ist beredtes Beispiel für die Entwicklung des Apothekenmarktes in Großbritannien. Der Branchenriese ist ein Zusammenschluss der Ketten Lloyds Chemist und Hills Pharmacy, die wiederum aus so namhaften Unternehmen wie Savory & Moore, Allens Chemist, Cross & Herbert, R Gordon Drummond oder Kingswood GK hervorgingen.

Ketten als Gewinner

Auf weiteres Wachstum setzt auch die Moss Pharmacy als drittgrößte Apothekenkette des Landes. Neben den 800 Filialen sollen weitere Niederlassungen ihren Service anbieten, wobei das Unternehmen vor allem auf Einkaufs- und Gesundheitszentren setzt. Auch Supermärkten will Moss Pharmacy die Einrichtung von Filialen anbieten, sofern diese nicht die Eröffnung eigener Apotheken anstreben. So gab die Supermarktkette Asda bereits bekannt, unter erleichterten Bedingungen das Netz aus derzeit 81 Apotheken weiter ausbauen zu wollen.

Nach der Empfehlung der britischen Wettbewerbsbehörde (Office of Fair Traiding, OFT) an die britische Regierung, eine totale Öffnung des Apothekenmarktes durchzusetzen, ist die weitere Liberalisierung nach Meinung britischer Apotheker nur noch eine Frage der Zeit. Die Gewinner der Marktöffnung, so Beobachter, stehen hingegen bereits fest – die Apothekenketten.

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