Dermatologie

T. Müller-BohnNeue Chancen in der Dermatologie

Die Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) bot wieder einmal ein umfangreiches Programm zu den verschiedensten Aspekten der dermatologischen Therapie. Bei der diesjährigen Tagung im Auditorium maximum der Universität in Halle/Saale am 30. und 31. März wurden neue therapeutische Möglichkeiten und analytische Methoden für die Grundlagenforschung ebenso angesprochen wie zulassungsrechtliche Probleme. Relativ breiten Raum nahm die Dermokosmetik ein, die die dermatologische Therapie mit Kosmetika und Körperpflegemitteln unterstützen soll.

Bei der Eröffnung des wissenschaftlichen Hauptprogramms betonte der GD-Vorsitzende Dr. Joachim Kresken, Viersen, den interdisziplinären Charakter der Gesellschaft, die die Interessen von Medizinern und Pharmazeuten verbindet.

Der pharmazeutische Technologe Prof. Dr. Reinhard Neubert, Prorektor der Universität Halle-Wittenberg für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und internationale Beziehungen, hob die traditionell guten Beziehungen zwischen Medizin und Naturwissenschaften an dieser Universität hervor, die über drei Sonderforschungsbereiche mit biowissenschaftlichem Schwerpunkt verfügt.

Der wissenschaftliche Tagungsleiter der Veranstaltung, Priv.-Doz. Dr. Johannes Wohlrab, Halle, wies auf neue Trends in der Dermatologie hin. Vor diesem Hintergrund sollten die Veränderungen durch das GMG auch als Chance gesehen werden.

Hürden der Zulassung in Europa und weltweit

Bevor Innovationen zu Chancen für die Praxis werden, müssen neue Arzneimittel die Hürde der Zulassung überwinden. Daher stellte Dr. Jürgen Regenold, Badenweiler, die Anforderungen an die Zulassung topischer Dermatika bei verschiedenen Behörden vor.

Im Vergleich zu anderen Arzneiformen betrachtet er topische Dermatika als regulatorisch besonders anspruchsvoll. Denn hier ist ein klassischer Vergleich gegenüber Plazebo unmöglich. Das Vehikel allein kann ebenfalls wirksam sein und sogar unerwünschte Effekte des Wirkstoffes kompensieren.

Damit kann jede Änderung des Vehikels die Wirksamkeit, die Verträglichkeit und die Penetrationseigenschaften der Gesamtzubereitung beeinflussen. Jede noch so geringe Rezepturänderung, die möglicherweise im Interesse einer besseren Maschinenlauffähigkeit vorgenommen wird, kann zu einem regulatorischen Problem werden.

Angesichts der europäischen Integration empfiehlt Regenold keine rein nationale Zulassungs- und Vermarktungsstrategie. Es sollte ein harmonisiertes Anforderungsprofil gewählt werden, das die EU-Bedingungen insgesamt erfüllt. Die Zulassung sollte in einem Land beantragt werden, in dem ein besonders großes Interesse an dem Produkt herrscht.

Dieses Land dient später als Reference Member State für die gegenseitige Anerkennung in der EU. Der Zulassungsablauf sollte frühzeitig geplant und der Kontakt zu den Behörden sollte früh aufgebaut werden, um die Anforderungen abzuklären und zur richtigen Zeit die richtigen Daten einreichen zu können.

Wegen der enormen Marktbedeutung der USA können sogar mittelständische Unternehmen diesen Markt nicht ignorieren, auch wenn sie nur über Lizenznehmer daran partizipieren. Doch sind die Anforderungen der FDA für die Zulassung in den USA zumeist noch strenger als in der EU, insbesondere in der Präklinik und Toxikologie.

Bei einem Wirkstoff, der erstmals topisch angewendet wird, reichen dort alte Daten aus der Literatur praktisch nie aus, zumal sie meist mit anderen Zubereitungen erhoben wurden. Daher sind umfangreiche sicherheitspharmakologische Untersuchungen noch vor der Phase I der klinischen Prüfung erforderlich.

Neben diversen verpflichtenden Regelungen sind auch die Guidelines der FDA zu beachten, die den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis dokumentieren. Abweichungen hiervon sind möglich, müssen aber im Einzelfall begründet werden. Einen Vorteil bieten hier die Guidelines der International Conference on Harmonization (ICH), an der die USA, die EU und Japan beteiligt sind. Sie werden oft direkt als Guidelines für die USA und die EU übernommen.

Ungeteilte Qualität für alle Arzneimittel

Mit Zulassungsfragen beschäftigte sich auch Dr. Usfeya Muazzam, Bonn, der die Perspektive des BfArM vorstellte. Demnach fordert auch das BfArM vollständige toxikologische Daten für neue topisch eingesetzte Wirk- und Hilfsstoffe, die nicht in Arzneibüchern monographiert sind. Dies gilt auch, wenn die Substanz in Kosmetika bereits bewährt ist.

Es dürfe keine unterschiedlichen Qualitätsanforderungen zwischen alten und neuen oder zwischen Human- und Tierarzneimitteln geben. Es gebe nur eine Qualität, die vom ersten Konzeptionsschritt an erzeugt werden müsse.

Dendritische Zellen für die Krebstherapie?

Andere Vorträge thematisierten neue Trends in speziellen Einsatzgebieten der Dermatologie. So stellte Dr. Thomas Berger, Erlangen, die Generierung von dendritischen Zellen für die Immuntherapie des malignen Melanoms vor. Trotz negativer Schlagzeilen zum Einsatz dendritischer Zellen sollte diese Forschungsoption nicht vorschnell verworfen werden.

Bisher konnte keine Studie die klinische Wirksamkeit belegen, aber nach nur sieben Jahren Forschung sei dies nicht verwunderlich. Die bisherigen Versuche scheinen mehr Fragen nach den genauen Durchführungsbedingungen aufzuwerfen als Antworten über den möglichen Erfolg der Therapie zu geben.

Unreife Vorläuferzellen der dendritischen Zellen werden dem Patienten aus der Peripherie entnommen (Leukapherese), ex vivo mit Antigen beladen, gereift und dann wieder dem Patienten verabreicht. Doch bleibt zu klären, welche Vorläuferzellen geeignet sind, mit welchem Antigen sie beladen werden sollen, wie und wie lange sie reifen müssen und auf welchem Weg sie letztlich die Lymphknoten erreichen sollen.

Außerdem sind verschiedene technische Umsetzungen für die Verarbeitung der Zellen zu unterscheiden. Die Zellen sollen einem Patienten jeweils nur einmal entnommen werden und ihm dann über Monate wieder verabreicht werden.

Detektion von DNA-Schäden

Prof. Dr. Michael W. Linscheid, Berlin, ging der Frage nach, ob und wie DNA-Schäden in der menschlichen Haut massenspektroskopisch nachgewiesen werden können. Angesichts der großen Empfindlichkeit und Zuverlässigkeit, die mit massenspektroskopischen Verfahren erreicht werden kann, erscheint eine solche Detektion vielversprechend.

Doch müssen zunächst Modellsysteme für die verschiedenen Schädigungsmöglichkeiten der Haut geschaffen werden, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Für die Veränderung der Haut unter Lichteinfluss hat Linscheid solche Verfahren entwickelt und damit gezeigt, dass die Massenspektroskopie für derartige Fragestellungen grundsätzlich eingesetzt werden kann.

Während die unter UV-Licht entstehenden freien Radikale mittels Elektronenspin-Resonanz(ESR)-Spektroskopie nachzuweisen sind, kann die DNA-Schädigung durch massenspektroskopische Messung von 8-Oxo-Guanosin als Indikatormolekül quantifiziert werden. Auch für andere Fragestellungen, beispielsweise zur Wirkung von Arzneimitteln, könne die Methode genutzt werden, um chemische Prozesse in der Haut nachzuweisen und Wirkungen oder Schädigungen stofflich darzustellen.

Trends in der Analytik

Weitere Trends in der analytischen Bestimmung von Wirkstoffen in der menschlichen Haut beschrieb Prof. Dr. Reinhard Neubert, Halle. Einer der möglichen Wege besteht in der Kopplung moderner Trennverfahren und der leistungsfähigen Detektion mithilfe der Massenspektroskopie.

Als Trennverfahren kommen dabei Gas- oder Flüssigchromatographie oder die Kapillarelektrophorese in Betracht. Die Vorteile dieser Kopplung lassen sich weiter steigern, wenn mehrere massenspektroskopische Detektionsschritte aufeinander folgen. In der Dermatopharmazie können solche Analysen sowohl zur Strukturaufklärung als auch für quantitative Bestimmungen eingesetzt werden.

Einen weiteren Trend bilden nicht invasive spektroskopische Verfahren auf der Grundlage der abgeschwächten Totalreflexion (attenuated total reflection, ATR) oder der photoakustischen Spektroskopie (PAS) nach Infrarot-Anregung. So kann beispielsweise die Penetration von Arzneistoffen durch die Haut verfolgt werden. Dabei erlauben die photoakustischen Verfahren eine Detektion in größeren Hauttiefen, während die abgeschwächte Totalreflexion die exakteren Ergebnisse liefert.

Tests für empfindliche Haut

Testverfahren zur Überprüfung der sensorischen Irritation durch Hautpflege- und Hautreinigungsmittel stellte Dr. Walter Wigger-Alberti, Schenefeld, vor. Solche Tests gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil etwa die Hälfte der Bevölkerung die eigene Haut als empfindlich klassifiziert. Obwohl damit meist das Gesicht gemeint ist, werden die meisten maßgeblichen Tests an anderen Hautpartien vorgenommen.

Eine Ausnahme bildet der Stinging-Test. Er beruht auf einer besonderen Empfindlichkeit von etwa 20% der Bevölkerung, die als Stinger bezeichnet werden. Diese Personen verspüren eine subjektive Irritation in Form von Stechen, Brennen oder Juckreiz, wenn eine Zubereitung mit 5% Milchsäure auf die Nasen-Wangen-Region aufgetragen wird.

Das Ansprechen auf diesen Test bei geeigneten Probanden ist ein gutes Maß für die Reizwirkung einer Zubereitung auf empfindliche Haut. Für die Aussagekraft des Tests sind die Versuchsbedingungen und das Screening der Probanden wesentlich. Einen weiteren aussagefähigen Test stellt die Verträglichkeitsprüfung an der Augenschleimhaut dar, die sowohl subjektiv durch die Probanden als auch objektiv durch Augenärzte beurteilt wird.

Ceramide bei Atopie

Dr. Joachim Fluhr, Jena, beschrieb die Wirkung von Barrierelipiden unter Einschluss von Ceramiden auf das atopische Ekzem bei Kindern. Da die Lipidbarriere der Haut bei dieser Erkrankung lokal teilweise stark geschädigt ist, liegt es nahe, die Behandlung durch Pflegeprodukte mit Barrierelipiden zu unterstützen.

Bei den Patienten ist die Barrierefunktion der Haut sogar an nicht befallenen Stellen messbar geschädigt und normalisiert sich teilweise erst Jahre nach dem Abklingen des Ekzems. Zur Hautpflege bei Atopikern haben sich bisher W/O-Zubereitungen mit hohem Wassergehalt und hohem Anteil an Moisturizern bewährt. In einer offenen unkontrollierten Studie wurden gute Ergebnisse mit Zubereitungen erzielt, in denen Ceramide in der Lipidfraktion dominieren.

Entzündungshemmung mit PEA

Prof. Dr. Lajos Kemeny, Szeged, Ungarn, stellte Untersuchungen über die möglichen UV-protektiven und therapeutischen Effekte eines topisch angewendeten Endocannabinoidrezeptor-Liganden vor. Cannabinoidrezeptoren sind in fast allen Zellen zu finden und werden mit einer Vielzahl physiologischer Funktionen in Verbindung gebracht. Einer der bekanntesten Liganden ist N-Palmitoylethanolamin (PEA), das auch in einer topischen Zubereitung verarbeitet wird.

In einem Versuch mit fünf Probanden wurde die mögliche Schutzwirkung von PEA gegenüber UV-B-Strahlung untersucht. Bei einer UV-B-Bestrahlung 20 Minuten nach der Applikation ergab sich kein Unterschied zu unbehandelter Haut, aber bei einer Bestrahlung nach einer Anwendungsdauer von zwei Wochen war die behandelte Haut besser geschützt.

In einem weiteren Versuch mit 15 Patienten mit leichter bis mittelgradiger Atopie war die Zubereitung mit N-Palmitoylethanolamin in den meisten Kategorien gegenüber einer 1%igen Hydrocortison-Creme gleichwertig. Gegen das Erythem wirkte das Corticoid stärker, gegen die Hauttrockenheit wirkte anfangs PEA besser.

Abgrenzung: Arzneimittel oder Kosmetikum?

Angesichts der vielen dermokosmetischen Zubereitungen, die die Behandlung von Hautkrankheiten unterstützen, stellte Rudolf H. Völler, Darmstadt, die rechtlichen Kriterien für die Abgrenzung zwischen Dermokosmetika, Medizinprodukten und Dermatika dar. Für die Einstufung muss sowohl die objektive als auch die subjektive Zweckbestimmung beachtet werden.

Daher müssen die Eigenschaften des Produktes, die Deklaration des Herstellers, der tatsächliche Umgang der Verbraucher mit dem Produkt und ihre Erwartungen, die durch die Werbung geprägt sein können, berücksichtigt werden. Wenn sich bei den Verbrauchern eine Auffassung etabliert hat, die der Intension des Herstellers entgegensteht, sollten die Marktaktivitäten für ein halbes oder ganzes Jahr ruhen.

Nach einer solchen Frist sollte üblicherweise zu erwarten sein, dass das Produkt mit einer neuen Werbung anders dargestellt werden kann, um in der gewünschten Weise eingestuft zu werden. In Apotheken ist zu beachten, dass auch die Werbung für ein Produkt bereits als Feilbieten und damit als Inverkehrbringen gilt.

Demnach ist auch die Werbung für ein nicht zugelassenes Produkt, das sich aufgrund seiner Zweckbestimmung als Arzneimittel herausstellt, strafbar. Nach dem bisher geltenden deutschen Arzneimittelrecht kann ein Produkt nur dann Arzneimittel sein, wenn es kein Kosmetikum und kein Medizinprodukt im Sinne der einschlägigen Gesetze ist. Dies ist daher vorrangig zu prüfen.

Aufgrund der Europäischen Richtlinie 2001/83/EG soll jedoch ein anderer Ansatz eingeführt werden: Nach dem neuen Arzneimittelbegriff der EU wird vorrangig zu klären sein, ob ein Produkt ein Arzneimittel ist. Fällt diese Prüfung positiv aus, erübrigen sich die Alternativen. Derzeit bleibt abzuwarten, wie der deutsche Gesetzgeber diese Regelung umsetzen wird.

Wie prüft Öko-Test?

Anlass für eine kontroverse Diskussion bot der Vortrag von Kerstin Scheidecker, Frankfurt, Redakteurin der Zeitschrift Öko-Test. Sie beschrieb die gesundheitsbezogenen Anforderungen, die die Zeitschrift Öko-Test bei ihren Tests an Kosmetika und Körperpflegeprodukte stellt. Da die Verbraucher keine einheitliche Gruppe darstellen, verstehe sich die Zeitschrift als Vertreter jenes Teils der Verbraucherschaft, die ihre Zielgruppe ist.

Sie nehme sich die Freiheit, Anforderungen zu stellen, die über die gesetzlichen Verpflichtungen hinausgehen. Solche höheren Anforderungen hätten in der Vergangenheit bereits spätere Verbote vorweggenommen. Für Öko-Test reiche bereits ein begründeter Verdacht einer Schädigung aus, um einen Stoff aus Kosmetika auszuschließen.

Kritisierte Inhaltsstoffe seien beispielsweise aromatische Amine, allergieauslösende Duftstoffe, Formaldehyd abspaltende Substanzen, Paraffine und grundsätzlich alle Stoffe, die sich im menschlichen Körper anreichern können. PEG-Emulgatoren werden abgelehnt, weil einige von ihnen Stoffe in den Körper einschleusen können. Im Gegensatz zur Situation bei Arzneimitteln dürfe es bei Kosmetika keine Nutzen-Risiko-Abwägung geben, sie müssten unter allen Umständen sicher sein.

Scheidecker räumte ein, dass Verdachtsmomente juristisch haltbar sein müssen. Daher kritisiere Öko-Test weiterhin keine Parabene. Dass diese in Brusttumoren nachgewiesen wurden, bedeute keine Kausalität für die Entstehung der Tumoren. Außerdem kritisiere Öko-Test nur 14 der 26 Duftstoffe, die demnächst kennzeichnungspflichtig werden.

Demnach übertreibe die Zeitschrift mit ihren Kriterien keineswegs. Sie gestand zudem ein, dass der Verbraucherschutz künftig durchaus selbst zu Problemen führen kann, weil das Ausweichen auf Ersatzsubstanzen neue schädigende Reaktionen hervorrufen kann.

In der Diskussion erläuterte Prof. Dr. Reinhard Neubert, weshalb die Kritik an bestimmten Substanzen nicht aufrechtzuerhalten sei. So würde der Austausch von Paraffinen durch (teilweise ungesättigte) Pflanzenöle biologische Reaktionen provozieren und damit dem gewünschten Ziel entgegenwirken.

Mit den in der Pharmazie altbewährten PEG-Emulgatoren gebe es viele Erfahrungen, sie sollten daher nicht pauschal verurteilt werden. Für Prof. Dr. Hans Christian Korting, München, sollte auch bei Kosmetika der Nutzen gegen die Risiken abgewogen werden, denn ein Null-Risiko gebe es nicht.

Scheidecker forderte dazu auf, wissenschaftliche Belege für die angeblichen Vorteile der kritisierten Substanzen vorzulegen. Die Redaktion von Öko-Test könne dies nicht selbst leisten, sei aber zu Kompromissen bereit und werde sich mit vorgelegten Studien auseinander setzen.

Wie gut sind Studien zur Psoriasis?

Die Vortragsreihe zur Dermatopharmakologie und Dermatotherapie leitete Prof. Dr. Thomas L. Diepgen, Heidelberg, ein, der Trends bei der Gestaltung klinischer Prüfungen vorstellte. Er beschrieb eine Untersuchung, bei der 422 Publikationen zu 515 Studien aus der Zeit von 1977 bis 2000 ausgewertet wurden. Darunter waren 249 randomisierte Studien, doch nur 85 Studien schlossen jeweils mehr als 50 Patienten ein.

Es wurden 55 verschiedene Behandlungsarten getestet. Der Median der Studiendauer betrug nur sieben Wochen, was angesichts der üblichen Krankheitsdauer bei Psoriasis kurz erscheint. Die Therapieergebnisse wurden 171-mal mit insgesamt 44 verschiedenen Scoresystemen gemessen. Die Lebensqualität wurde aber ausdrücklich nur in einer Arbeit abgefragt, ökonomische Parameter überhaupt nicht.

Neben der geringen Größe und kurzen Dauer der Studien bemängelte Diepgen die oft ungenügende Darstellung des Studiendesigns und der Rekrutierung, die heterogene Wahl der Outcomes und die häufige Wahl von Plazebo als einzigen Vergleichsmaßstab.

Demnach sei es dringend erforderlich, Qualitätskriterien für die Durchführung randomisierter Studien zur Psoriasis zu formulieren. Ob die Studien zu anderen dermatologischen Erkrankungen qualitativ besser sind, wurde in diesem Zusammenhang nicht untersucht.

Interleukin-10 gegen Psoriasis

Eine mögliche inhaltliche Perspektive für die Therapie der Psoriasis beschrieb Dr. Wolf-Dietrich Döcke, Berlin. Bei Patienten mit Psoriasis wurden verminderte Konzentrationen von Interleukin-10 in der Haut gefunden. Angesichts der herausragenden Rolle dieses Zytokins für verschiedene immunologische Funktionen liegt der Versuch nahe, IL-10 therapeutisch gegen Psoriasis einzusetzen.

In einer Pilotstudie und einer Phase-II-Studie über bis zu sieben Wochen wurde IL-10 bei subkutaner Anwendung gut vertragen. In einer plazebokontrollierten doppelblinden Phase-II-Studie über bis zu vier Monate verlängerte IL-10 die krankheitsfreien Intervalle.

Bei den Patienten wurden zahlreiche Veränderungen in der Konzentration anderer Zytokine gemessen, die mit der klinisch beobachteten Wirkung in Verbindung stehen dürften. Die Besserung der Symptome ist aber nicht als Heilung zu verstehen.

Vitamin-D-Agonisten gegen Psoriasis

Prof. Dr. Dieter Steinhilber, Frankfurt, beschrieb den Einsatz von Vitamin-D-Rezeptor-Agonisten zur Therapie hyperproliferativer und entzündlicher Hauterkrankungen, wie beispielsweise Psoriasis. Die Wirkungen des Vitamin D können in genomische und nicht genomische Effekte unterschieden werden. Während die genomischen Effekte langsam über die Proteinbiosynthese vermittelt werden, laufen die Eingriffe in die Signaltransduktionskaskade innerhalb von Sekunden ab.

Physiologisch sind die Wirkungen auf den Calciumstoffwechsel von den Effekten auf die Zelldifferenzierung zu unterscheiden. Hier wirkt Vitamin D als Proliferationshemmer und Differenzierungsinduktor. Die Wirkung auf den Calciumstoffwechsel begrenzt diesen Einsatz, weil der Körper nur eine geringe Erhöhung des Calciumspiegels im Blut toleriert.

Bei Psoriasis können daher Vitamin-D-Agonisten eingesetzt werden, die stark auf die Zelldifferenzierung, aber wenig auf den Calciumstoffwechsel wirken. Für die topische Anwendung bieten sich Calcipotriol und andere Vitamin-D-Analoga an, die nach ihrer Resorption schnell zu inaktiven Metaboliten verstoffwechselt werden.

Für den systemischen Einsatz wurden Vitamin-D-Rezeptor-Superagonisten entwickelt, die vorrangig die gewünschte Wirkung entfalten. Doch reicht deren Selektivität bisher noch nicht aus, um klinische Vorteile zu bieten.

Hyperforin gegen atopische Dermatitis

Prof. Dr. Jan Christoph Simon, Leipzig, berichtete über den Einsatz von Hyperforin beim atopischen Ekzem. Aufgrund neuer Untersuchungen liegt eine antiinflammatorische Wirkung des Johanniskrautinhaltsstoffes nahe. Daher wurde eine auf Hyperforin standardisierte Johanniskrautcreme in einer prospektiven doppelblinden Rechts-Links-Vergleichsstudie bei subakuter atopischer Dermatitis gegenüber Plazebo getestet. Bei einer Auswertung von 18 Patienten war das Verum zu allen Untersuchungszeitpunkten innerhalb von vier Wochen gegenüber Plazebo signifikant überlegen.

Objektivierung kosmetischer Effekte

Ergänzend zum wissenschaftlichen Hauptprogramm wurden im Rahmen der GD-Jahrestagung begleitende Symposien veranstaltet. So bot die GD-Fachgruppe Dermokosmetik eine Veranstaltung über Dermokosmetika zur Unterstützung der dermatologischen Therapie an. Sie wurde vom Leiter der Fachgruppe Prof. Dr. Rolf Daniels, Braunschweig, und von Dr. Joachim Fluhr, Jena, moderiert.

Zu den Funktionen von Kosmetika bei Hautkrankheiten gehört auch, das ästhetische Aussehen bei Hautveränderungen zu korrigieren. Prof. Dr. Jürgen Lademann, Berlin, stellte moderne Methoden vor, die das Ergebnis solcher kosmetischen Maßnahmen objektivieren. Dabei ist das Abdecken der Haut von der weitaus schwierigeren Beeinflussung der Hautparameter wie Feuchtigkeitsgehalt, Faltentiefe oder Schweißdrüsenaktivität zu unterscheiden.

Verschiedene Hautschichten können mit optischen oder spektroskopischen Verfahren dargestellt werden. Bis zu 0,2 Millimetern Tiefe bietet sich die Laser-Scanning-Mikroskopie an. Für tiefere Schichten sind die optische Tomographie und die Laser-Doppler-Spektroskopie als nicht invasive Verfahren geeignet.

Mit diesen Methoden kann auch die Penetration von Substanzen in die Haut verfolgt werden. Außerdem können Falten vermessen und die Funktion der Schweißdrüsen dargestellt werden. Diese Verfahren dienen vorrangig als Standardisierungsmethoden bei der Produktentwicklung. Für die praktische Patientenversorgung gilt der optische Gesamteindruck weiterhin als die einfachste und aussagekräftigste Methode.

Richtiger Einsatz von Hautschutzmitteln

Prof. Dr. Peter Elsner, Jena, beschrieb die Bedeutung von Hautschutzmitteln für die Prophylaxe berufsbedingter Handekzeme. Hautschutzmittel werden vor der Exposition gegenüber irritierenden Substanzen angewendet. Sie sollen verhindern, dass eine kurzfristige irritative Kontaktdermatitis zu einem klinisch relevanten kumulativen irritativen oder allergischen Kontaktekzem wird.

Doch sind Hautschutzmittel nicht zur Therapie oder Heilung bereits bestehender Krankheitszustände geeignet. Solche falschen Erwartungen bei den Anwendern sollten korrigiert werden, denn leider werden die Produkte oft erst dann sorgfältig eingesetzt, wenn bereits eine Schädigung vorliegt. Pauschale Empfehlungen, welche Hautschutzmittel gegen welche Substanzen schützen, seien nicht mehr zeitgemäß.

Die komplexe Interaktion zwischen Hautschutzmittel und Hornschicht lässt keine Voraussage aufgrund der Galenik zu, da sich die Struktur der Zubereitung auf der Haut verändert. Daher müsse jedes Hautschutzmittel in vitro oder möglichst sogar in vivo gegenüber typischen Irritanzien getestet und dementsprechend gekennzeichnet werden. Präparate, die gegen bestimmte Stoffe schützen, könnten bei Einwirkung anderer Stoffe sogar schaden.

Außer der Verhältnisprävention, d. h. der angemessenen Gestaltung der Arbeitsplätze, müsse auch die Verhaltensprävention konsequent betrieben werden, d. h. die Anwender müssen geschult werden. Die Hautschutzmittel sollen konsequent von allen Seiten auf die exponierte Haut einschließlich Fingerzwischenräumen und Nagelfalz aufgetragen werden.

Akne: entzündungshemmendes statt antibakterielles Konzept

Priv.-Doz. Dr. Johannes Wohlrab, Halle, beschrieb die therapiebegleitende Hautpflege bei Akne vulgaris. Als wesentliche Faktoren, die zur Entstehung und Unterhaltung der Akne beitragen, gelten die Hyperkeratose, der Talgfluss, der insbesondere durch Androgene gesteuert wird, und die Vermehrung von Bakterien, besonders Propionibacterium acnes und Staphylococcus epidermidis, in den Talgdrüsen.

Zur Erklärung der Komedogenese stellte Wohlrab zwei neuere Hypothesen vor. Einerseits wird eine zyklische Reifung der Talgdrüsen, vergleichbar dem Haarzyklus, diskutiert. Andererseits habe sich gezeigt, dass Entzündungen die Bildung von Komedonen triggern können. Sogar in der symptomfreien Haut von Aknepatienten konnten verschiedene Typen von Entzündungszellen nachgewiesen werden.

Diese Erkenntnis wirkt sich auch auf die Pflege aus, bei der entzündungshemmende Konzepte berücksichtigt werden sollten. Somit bieten sich entzündungshemmende Lipide an, wie beispielsweise der Endocannabinoidrezeptor-Ligand, den Prof. Dr. Lajos Kemeny im Rahmen des wissenschaftlichen Hauptprogramms vorstellte (siehe oben). Möglicherweise kommen auch Substanzen in Betracht, die die NO-Synthase blockieren.

Prof. Dr. Hans Christian Korting sieht sogar einen Paradigmenwechsel von der antibakteriellen zur entzündungshemmenden Therapie der Akne. Da viele potenziell interessante Wirkstoffe nicht schnell verfügbar sind, biete sich Nicotinamid an. Dies ist in Frankreich bereits als Dermokosmetikum etabliert und soll demnächst auch in Deutschland eingeführt werden.

Als Vehikelsysteme für Pflegepräparate empfahl Wohlrab Hydrogele oder nicht okkludierende O/W-Emulsionen. Zur Reinigung sollten Syndets mit leicht saurem pH-Wert und milden Tensideffekten dienen. Die manuelle Aknetherapie sollte professionell ausgeführt werden.

Pflege trockener Haut

In einem begleitenden Symposium mit Prof. Dr. Wolfgang Gehring, Karlsruhe, ging es um die Pflege trockener Haut. Trockene Haut entsteht durch Störungen in der Barrierefunktion der Haut, die genetisch bedingt oder durch übermäßiges Waschen "angewaschen" sein können. In trockener Haut werden Ceramide vermindert gebildet.

Zur Reinigung bieten sich auch hier leicht saure Syndets an. Rückfetter sind zumeist eher ungünstig zu beurteilen, zumal dann mehr Tenside für die gleiche Reinigungswirkung erforderlich sind, doch werden Produkte mit Rückfettern von den Verbrauchern oft als angenehmer empfunden.

Hydrophile Emulsionen erhöhen, insbesondere bei der Anwendung kurz nach dem Waschen, den transepidermalen Wasserverlust und können daher sogar schaden. Sie sind aber gut geeignet, um Wirkstoffe in die Haut zu schleusen. O/W-Emulsionen mit Harnstoff und lipophile Emulsionen bilden dagegen einen effektiven Schutz für die trockene Haut. Außerdem könne die Hydratation der Haut durch Vitamin E, Dexpanthenol, Ectoin oder Phytosterole verbessert werden.

Lokaltherapie der Onychomykose

Auch die Therapie von Nagelpilzerkrankungen war Gegenstand eines Symposiums. Dr. Joachim Kresken, Viersen, erläuterte, dass die hierzu verwendeten Nagellacke nicht verschreibungspflichtig sind. Daher sind nach Inkrafttreten des GMG Lokaltherapien gegen Onychomykose nicht mehr erstattungsfähig.

Doch bieten Nagellacke mit antimykotischen Wirkstoffen eine zuverlässige Therapie für leichte bis mittelschwere Fälle und sind auch zur Unterstützung der systemischen Therapie bei schweren Fällen hilfreich. Leitliniengemäß ist die alleinige Lokalbehandlung bei bis zu 70%igem Befall der Nagelplatte angezeigt.

Prof. Dr. Annemarie Polak-Wyss, Aesch, Schweiz, hob die beiden synergistischen Effekte des Antimykotikums Amorolfin hervor, das zwei Enzyme für die Biosynthese von Ergosterol hemmt und damit nur minimale Resistenzen aufweist. Erstaunlicherweise könne die Substanz über luftgefüllte Distanzen von etwa einem Zentimeter hinweg wirken, da sie offenbar sublimieren kann.

Für Dr. Dieter Reinel, Hamburg, ist gerade diese Eigenschaft besonders hilfreich zur Therapie der Onychomykose, da die Erreger im Nagelgewebe schwer erreichbar sind. Zur Abtötung von Sporen muss der Wirkstoff über längere Zeit in geeigneter Konzentration vorliegen. Prof. Dr. Reinhard Neubert stellte fest, dass die Amorolfin-Base sublimieren und damit Hohlräume überwinden kann.

Dies gilt offensichtlich auch für andere Antimykotika dieser Substanzklasse. Doch bei Amorolfin scheint ein besonders günstiger Zusammenhang zwischen Wirk- und Transportform zu bestehen. Bei der Therapie wird die Substanz als Hydrochlorid auf den eher hydrophilen Nagel aufgebracht, danach entsteht im Nagel die Base als Wirkform, die aufgrund ihrer Lipophilie in den Pilz eindringt.

Literaturtipp Fotoatlas der Hautkrankheiten

Roland Niedner und Yael Adler: Hautkrankheiten im Blick – ein Fotoatlas für die Kitteltasche. XIV, 367 Seiten, 324 farb. Abbildungen, Kunststoff-Einband. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2004. 24,– Euro. ISBN 3-8047-2045-5

  • Nach Körperteilen geordnet – von Kopf bis Fuß – stellen die Autoren 237 Krankheitsbilder der Haut vor.
  • Die farbigen Abbildungen geben die Symptomatik gut wieder und trainieren Ihren Blick für das Erkennen von Hautkrankheiten.
  • Die Auflistung ähnlicher Krankheitsbilder macht auf mögliche Verwechslungen aufmerksam.
  • Hinweise zur Therapie informieren insbesondere über die Anwendung von Arzneimitteln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Topisch applizierte Dermatika sind zulassungsrechtlich besonders problematisch, weil das Vehikel eine Eigenwirkung hat.
  • Die Kopplung moderner Trennmethoden mit der Massenspektroskopie als Detektionsverfahren eröffnet verschiedene Anwendungen für die Strukturaufklärung und zur quantitativen Analytik in der Dermopharmazie.
  • DNA-Schäden in der Haut lassen sich massenspektroskopisch nachweisen.
  • Endocannabinoidrezeptor-Liganden stellen ein aussichtsreiches Konzept zur Prävention von Entzündungen dar.
  • Nach dem neuen europäischen Arzneimittelrecht wird zunächst zu prüfen sein, ob eine Zubereitung ein Arzneimittel ist. Erst wenn dies verneint wird, soll künftig eine Einstufung als Kosmetikum oder Medizinprodukt erfolgen.
  • Subkutan angewendetes Interleukin-10 und topisch applizierte Vitamin-D-Analoga sind aussichtsreiche Therapiekonzepte gegen Psoriasis.
  • Hautschutzmittel sollen konsequent zur Prävention eingesetzt werden, von ihnen darf aber keine Heilung bereits bestehender Schädigungen erwartet werden.
  • Zur Pflege der Aknehaut bieten sich entzündungshemmende Konzepte an.
  • Trockene Haut kann "angewaschen" sein.
  • Antimykotika in Nagellacken ermöglichen eine wirksame Lokaltherapie der Onychomykose in leichten und mittelschweren Fällen.

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