Arzneimittel und Therapie

Multiple Sklerose: Cannabinoide zur Behandlung MS-bedingter Spastik

Eine großangelegte Studie, die den potenziellen Effekt von Cannabis bei der Behandlung von Multipler Sklerose untersuchte, zeigte keine Verbesserung der schweren spastischen Symptome bei Patienten unter Cannabis-Behandlung. Die Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass Cannabinoide bei der Verbesserung der Mobilität der Teilnehmer und in der Schmerztherapie ein klinisches Potenzial haben könnten.

Multiple Sklerose (MS) wird mit Steifigkeit der Muskeln, Schmerzen, Krämpfe und Tremor in Verbindung gebracht. Einzelberichte geben Hinweise darauf, dass Cannabinoide diese Symptome lindern könnten. Das Ziel der britischen Wissenschaftler war es, in einer umfassenden Studie die Auffassung zu überprüfen, dass Cannabinoide einen positiven Nutzen bezüglich Spastizität und anderer in Verbindung mit MS stehender Symptome haben. (CAMS-Studie; Cannabinoids for treatment of spasticity and other sympotms related to multiple sclerosis).

Die CAMS-Studie

In der multizentrischen, randomisierten, plazebokontrollierten Studie wurden Cannabis-Extrakt, 9-Tetrahydrocannabinol (9-THC) mit Plazebo bei 630 Patienten mit manifester Multipler Sklerose und spastischen Muskellähmungen über 15 Wochen in 33 Studienzentren in Großbritannien verglichen. 211 Teilnehmer wurden mit oral verabreichtem Cannabis-Extrakt, 206 mit synthetischem 9-Tetrahydrocannabinol und 213 Patienten mit Plazebo behandelt. Die Dosis wurde hinsichtlich Nebenwirkungen und Körpergewicht individuell angepasst, die Patienten nahmen zweimal täglich eine Kapsel ein.

Subjektive Verbesserungen der spastischen Symptome

Nach 15 Wochen fand eine Untersuchung statt. Der primäre Parameter für die Wirksamkeit war die Veränderung der spastischen Symptome (Muskelsteifheit und zuckende Bewegungen), die mit der Ashworth-Skala gemessen wurden. Die Ashworth-Skala erfasst die Zunahme des Muskeltonus auf einer Skala von 0 bis 4. Die Ergebnisse der Studie ergaben keine Anzeichen für die Unterschiede in der Stärke der spastischen Symptome zwischen Patienten, die mit Cannabis und solchen, die mit Plazebo behandelt wurden. In allen drei Gruppen verkürzte sich geringfügig die Zeit, die die Teilnehmer für das Zurücklegen einer kurzen Strecke benötigten – bei Patienten unter THC-Behandlung um 12 Prozent, bei Patienten mit Cannabis- oder Plazebo-Behandlung um 4 Prozent.

60 Prozent der mit Cannabis-Extrakt behandelten Patienten berichteten von subjektiv wahrgenommenen Verbesserungen der spastischen Symptome verglichen mit 46 Prozent der Plazebo-Gruppe. Allerdings sind die subjektiven Verbesserungen wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass die Patienten aufgrund von Nebenwirkungen erkannten, welche Behandlung sie bekamen.

Ergebnisse der CAMS-Studie

Die Schwierigkeit in der Auswertung dieser Studie liegt in der objektiven Beurteilung spastischer Symptome. Sie sind ein hochkomplexes Phänomen, zusammengesetzt aus objektiven Merkmalen, die von Gutachtern beobachtet werden können, und subjektiven Krankheitszeichen, über die Patienten selbst berichten. Die Behandlung mit Cannabis zeigte keine positive Wirkung auf die Spastizität, wenn sie mit der Ashworth-Skala verglichen wurden. Die Wirkung auf die spastischen Symptome und die Schmerzen, wie sie von Patienten beschrieben wurden, weist jedoch auf einen subjektiven klinischen Effekt hin. Ebenso war eine positive Auswirkung auf die Mobilität zu beobachten.

Die Ergebnisse zeigen, dass Cannabinoide bei der Behandlung von Krankheitszeichen, die im Zusammenhang mit Multipler Sklerose stehen, klinisch nützlich sein könnten. Allerdings sind noch weitere Studien nötig, die mit anderen Messparametern die Effekte auf die Symptome chronischer Krankheiten adäquater untersuchen.

Cannabinoid-Behandlung nur in besonderen Fällen

Die vorliegenden Ergebnisse liefern einen wichtigen Beitrag für die laufenden Diskussionen über den Wert von Marihuana-Abkömmlingen zur symptomatischen Behandlung der Multiplen Sklerose. Cannabinoide sollten nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn andere Therapieversuche gescheitert sind. Bisher fehlen noch immer die Daten, um Risiken und Vorteile von gerauchtem Cannabis abschätzen zu können.

Diese Studie sollte eine weitere Forschung nach sich ziehen, um sichere und effektive Cannabis-Derivate zu entwickeln. Außerdem sollte sie zur Debatte über die sozialen und legalen Grenzen, die die Verwendung einschränken, beitragen. In der Zwischenzeit könnten die oral verabreichten Cannabinoide in den Fällen in Betracht gezogen werden, bei denen andere Behandlungen die spastischen Symptome nur unzureichend kontrollieren.

Symptome einer Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose gehört zur Gruppe der demyelisierenden Erkrankungen (Entmarkungskrankheiten). In zahlreichen, über das Gehirn und das Rückenmark verstreuten perivenösen Herden kommt es zu einer manschettenförmigen Lymphozyteninfiltration, zum Markscheidenzerfall und nachfolgender Gliawucherung ("Sklerose"). Die Symptomatik ist – entsprechend der Art und Lokalisation der Herde – sehr vielgestaltig:

  • Hirnnervensymptome (Sehschwäche, Gesichtsfeldausfall, Doppeltsehen)
  • Pyramidenbahnsymptome (spastische Muskellähmung, pathologische Reflexe)
  • Hinterstrangsymptome (Sensibilitätsstörungen, Parästhesien)
  • Kleinhirnsymptome (zerebellare Ataxie, Störung der Koordination von Bewegungsabläufen, Tremor)
  • Vegetative Symptome (Blasenentleerungsstörungen, Obstipationen)
  • Psychische Störungen (Gedächtnisstörungen, Urteilsschwäche, subjektives Wohlbefinden trotz objektiv schlechten Zustandes)
  • Krämpfe verbunden mit starken Schmerzen

Typisch ist die Rückbildungsfähigkeit vieler Symptome und der Wechsel von Verschlechterung und Verbesserung.

Im Frühstadium erkannt, gilt ein auf die Prostata begrenztes Karzinom heute als heilbar. Der Patient hat die Wahl zwischen drei Therapieformen mit vergleichbaren Erfolgsaussichten, aber unterschiedlichen Neben- und Spätwirkungen: die radikale Prostatektomie, die Strahlentherapie von außen sowie die "innere" Bestrahlung mit kleinen radioaktiven Implantaten. Im Frühstadium erzielen sie Erfolgsraten von etwa 85%. Schwere Komplikationen der Totaloperation wie Harninkontinenz und Potenzverlust treten seltener auf. Die innere Bestrahlung mit radioaktiven "Seeds" hat zudem den Vorteil, dass sie in einmaliger ambulanter Sitzung und minimal-invasiv durchgeführt wird.

Vielfältige Angriffspunkte für Cannabinoide

Cannabis sativa (Cannabaceae) enthält mehr als 60 sauerstoffhaltige aromatische Kohlenwasserstoff-Komponenten, bekannt als Cannabinoide. Die Hauptkomponenten sind Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabidiol (CBD) und Cannabinol (CBN). Die Wirkung wird über die Cannabinoid-Rezeptoren vermittelt. Man kennt inzwischen zwei Typen von Cannabinoid-Rezeptoren: CB1 und CB2.

CB1-Rezeptoren sind überall im Nervensystem verbreitet und scheinen eine Schlüsselrolle in der Hemmung der Neurotransmitterfreisetzung zu spielen. CB2-Rezeptoren findet man dagegen in den Zellen des Immunsystems. Die Identifizierung einer Reihe endogener Cannabinoide hat großes Interesse geweckt: die wichtigsten endogenen Liganden der CB1- und CB2-Rezeptoren sind die Anandamide, dazu zählen 2-Arachidonoylglyerol und Arachidonoylethanolamid (Anandamid). Es gibt Hinweise, dass Cannabinoide auch neuroprotektive Mechanismen besitzen.

Wie wird eine Besserung der Spastik bewertet?

Unter einer Spastik versteht man einen krampfartig erhöhten Muskeltonus, der – im Gegensatz zum Rigor – proportional zur Geschwindigkeit einer passiven Dehnung des Muskels zunimmt oder bei fortgesetzter Dehnung plötzlich nachlassen kann. Das klinische Bild der spastischen Bewegungsstörung ist durch langsame und kleinräumige Willkürbewegungen gekennzeichnet. Zudem fallen ein verzögerter Bewegungsbeginn, eine schlechte räumliche und zeitliche Organisation des Bewegungsablaufes sowie eine vermehrte Kokontraktion antagonistischer Muskulatur während des Bewegungsablaufes auf. Mit der Ashworth-Skala können Einschränkungen in der Bewegung in speziellen Muskelgruppen gemessen werden. Sie dient zur Dokumentation der spastischen Muskeltonuserhöhung.

Stufe / Tonuserhöhung 0: kein Tonusanstieg 1: leichter Tonusanstieg 2: deutlicher Tonusanstieg, passive Bewegung gut möglich 3: ausgeprägter Tonusanstieg, passive Bewegung schwierig 4: extremer Tonusanstieg, keine passive Bewegung mehr möglich

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