Kommentar

Experimentierfelder

Versandapotheke - ein Wort, das für Medien, aber auch für den einen oder anderen Apotheker mit besonderen Assoziationen besetzt ist, je nach Einstellung und Lage negativ oder positiv. Fakt ist, dass sich auf diesem Gebiet seit Jahresanfang einiges getan hat und noch tut. Rund ein Dutzend "echte" Versandapotheken sind an den Start gegangen. Sie experimentieren mit besonderen Sortimenten, sie kooperieren mit Warenhäusern und schließen Verträge mit Krankenkassen.

Doch so richtig mag das Geschäft nirgendwo laufen. Der Bundesverband der Versandapotheker beklagt bereits die fehlende Möglichkeit, zu verbilligten Preisen liefern zu dürfen. "Der Versandhandel mit Arzneimitteln lahmt", hieß es unlängst in einer Tageszeitung. Damit dies nicht so bleibt, ersinnt man neue Strategien. Jüngste Idee vom Versandapothekerverband: Die Berg-Apotheke Tecklenburg präsentiert sich seit letzter Woche als "bundesweit erste MS-Service-Apotheke". Als besondere Leistung will sie MS-Patienten ein ganzheitliches Beratungs- und Betreuungskonzept anbieten mit speziell geschulten Apothekern. Sicher ein geschickter Ansatz. Er liegt im rechtlichen Rahmen, MS-Patienten benötigen eine umfassende Medikation. Ob die Rechnung aufgeht, werden Wettbewerb und Markt zeigen, denn die nächste Apotheke ist die Hausapotheke an der Ecke.

Vieles deutet darauf hin, dass der Versuch der Kooperation zwischen dem Drogeriemarkt dm und der niederländischen Europa-Apotheek Venlo dem Ende entgegen geht. Mittlerweile liegt auch eine Einschätzung aus dem Bundesgesundheitsministerium vor, wonach hier deutsches Recht anzuwenden ist: Rezepte sammeln in gewerblichen Betrieben ist nicht erlaubt, so die Parlamentarische Staatssekretärin Caspers-Merk. Geeignete Maßnahmen, dagegen vorzugehen, werden geprüft, die Kammer Nordrhein wurde bereits aktiv. Hoffentlich hat dieser Spuk bald ein Ende.

Noch nicht am Ende ist dagegen DocMorris, im Gegenteil. Dort feiert man sich gerade selbst. Laut Presseberichten hatte man im Juni bereits den Umsatz des Vorjahres übertroffen. Schwer einzuschätzen, was man davon halten soll. Wir alle wissen: Umsatz ist kein Gewinn und nachprüfbar sind die Jubelberichte nicht. Möglicherweise will man schon in einem Jahr börsenfähig sein. Das Experiment können wir gelassen abwarten.

Peter Ditzel

Das könnte Sie auch interessieren

Ocrelizumab bei Multipler Sklerose

Schweiz lässt MS-Antikörper Ocrevus zu

Neues Arzneimittel bei MS

Ocrelizumab in USA zugelassen

Versandapotheken liefern sich einen knallharten Kampf um Marktanteile und Umsatz

Die Päckchenpacker

Beschleunigte Zulassung für Ocrelizumab

Neues Arzneimittel bei Multipler Sklerose

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.