Kommentar

Kräfte bündeln

17 Apothekerkammern, 17 Apothekerverbände, dazu auf Bundesebene die Bundesapothekerkammer, der Deutsche Apothekerverband - und als Spitzenorganisation die Berufsvertretung Deutscher Apotheker (ABDA): Geht's nicht vielleicht ein wenig schlanker? Könnte schlanker nicht sogar mehr Effizienz bedeuten - trotz durchaus möglicher Einsparungen? Werden notwendige Entscheidungen nicht allzu oft durch die aufwändigen und Kräfte zehrenden Abstimmungsprozesse in und zwischen den Organisationen gebremst, bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffen oder sogar blockiert? Ich bin mir sehr sicher: auch viele "Standespolitiker" würden auf diese Fragen - offen oder hinter vorgehaltener Hand - mit einem klaren "Ja" antworten. Warum ist es bislang niemandem gelungen, daraus Konsequenzen zu ziehen? Mangelnder Mut? Führungsschwäche? Politischer Opportunismus?

Auch eine ganz andere Begründung ist denkbar: Das Elend der zersplitterten Struktur unserer Berufsvertretungen spiegelt doch nur wieder, was die föderale Struktur unserer Republik vorgibt. Auch dort gibt es Länder unterschiedlicher Größe und Stärke. Chancengleichheit in der Organisationsstärke, in der Möglichkeit, eigene Positionen zu entwickeln und zur Geltung zu bringen, ist trotz Länderfinanzausgleich pure Illusion - obwohl kleine Länder ganz zweifellos (gemessen an der Zahl ihrer Bewohner) deutlich größeren Einfluss haben. Es lässt sich trefflich streiten, ob das "gerecht" ist, ob es nicht dem Gleichheitsgrundsatz zuwider läuft. Trotz vieler Anläufe sind alle Versuche gescheitert, die Länder so neu zu ordnen, dass sie mit "gleich langen Spießen" miteinander in Wettbewerb treten könnten.

Könnte uns Apothekern gelingen, was in der "großen" Politik immer gescheitert ist? Warum eigentlich nicht. Was wäre, wenn wir die bisherigen Kammerbezirke zu vier oder fünf annähernd gleich großen Einheiten - jede professionell geführt - zusammenfassen? Der sinnvolle föderale Wettbewerb bliebe erhalten. Dass wir dabei einige Standesorganisationen erst zum Jagen tragen müssen, muss die anderen nicht hindern, aktiv zu werden. Zusätzlicher Druck der Basis wäre nicht nur hilfreich, sondern nötig. Ihr müsste klar sein, dass sie von effizienteren Strukturen in der Vertretung ihrer politischen Ziele und Interessen profitieren würde; dass für alle mehr erreichbar wäre, wenn wir die Kräfte bündeln würden - nicht nur für uns, aber auch für die Arzneimittelversorgung insgesamt, nicht zuletzt auch für unsere Patienten.

Klaus G. Brauer

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