Prisma

Schluckauf: Sind wir nicht alle ein bisschen Kaulquappe?

In der letzten Prisma-Ausgabe (DAZ Nr. 6/2003, S. 8) haben wir darüber berichtet, dass der Mensch wahrscheinlich vom Erdferkel abstammt. Damit sind unsere "tierischen" Verbindungen jedoch noch nicht abgeschlossen. Ein bisschen was von der Kaulquappe scheinen wir auch noch in uns zu haben Ų zumindest wird dies im Fachmagazin "New Scientist" behauptet.

Leiden Sie häufig unter einem Schluckauf? Dann haben Sie möglicherweise ein wenig mehr "Kaulquappe" in sich als andere Menschen. Wissenschaftler um Christian Straus von der Pitié-Salpetrière-Klinik in Paris haben nämlich herausgefunden, dass der Schluckauf ein Überrest eines Atemvorganges sein könnte, den Kaulquappen und andere Amphibien benutzen.

Schluckauf entsteht durch das plötzliche, krampfartige Zusammenziehen des Zwerchfells. Dabei verschließt sich die Luftröhre kurzzeitig, was zum typischen "Hicks"-Geräusch führt. Beim Mensch hat der Schluckauf eigentlich keine sinnvolle Funktion, sondern entsteht eher "aus Versehen".

Bei Kaulquappen und anderen einfachen Amphibien sieht dies ganz anders aus. Sie pressen Wasser durch ihre Kiemen in den Mund, wobei sie gleichzeitig den Weg zur Luftröhre verschließen, und verhindern dadurch, dass Wasser in ihre Lungen eindringt. "Vielleicht ist der Schluckauf beim Menschen ein Überbleibsel dieser primitiven Atmung", spekuliert Straus über das Phänomen dieses so ähnlichen und doch so unterschiedlichen Vorgangs. Das könnte stimmen – oder auch nicht.

Ultraschalluntersuchungen von Embryos sprechen dafür, dass der Schluckauf auch beim Menschen – zumindest bei den ganz kleinen – einen Sinn hat. Etwa im Alter von zwei Monaten fangen Embryos im Mutterleib an zu hicksen. Wahrscheinlich "üben" sie auf diese Weise für das spätere Saugen an der Brust. Belegt ist dies allerdings nicht, hierfür müsste man zunächst nachweisen, dass bei beiden Reflexen die gleichen Nervenzellen aktiviert werden. Bis dieser Nachweis vorliegt, kann sich also jeder die Theorie aussuchen, die ihm besser gefällt. ral

Quelle: New Scientist, Ausgabe vom 8. 2. 2003

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