Prisma

Potenzmittel: Die Männer schlucken, die Frauen sollen cremen

Auch wenn Wissenschaftler vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift "British Medical Journal" erklärt haben, dass es so etwas wie eine weibliche sexuelle Dysfunktion nicht gibt, verfolgen Pharmafirmen weiterhin hartnäckig das Ziel, einen weiblichen Counterpart zum Erfolgsprodukt Viagra auf den Markt zu bringen. Die amerikanische Firma NexMed hat nun ein Patent auf ein entsprechendes Produkt erhalten.

Das Marktpotenzial ist einfach zu verlockend. Mit sechs Milliarden Dollar jährlich wird der "Wert" eines Potenzmittels für Frauen laut einer Veröffentlichung in der New York Times beziffert. Dass man angesichts solcher Summen die tatsächliche Notwendigkeit eines derartigen Präparats ein wenig aus dem Blickwinkel verliert, ist verständlich. Und wer weiß, vielleicht "hilft es ja doch", wenn man nur fest genug daran glaubt.

Die Forscher von NexMed glauben jedenfalls daran und überprüfen derzeit verschiedene Wirkstoffe, hauptsächlich solche, die auch beim Mann die sexuelle Potenz wieder aufleben lassen. Besonders vielversprechend hat sich bislang eine Prostaglandin-haltige Creme erwiesen, die NexMed sich vorsorglich hat patentieren lassen. "Die Creme bewirkt genau das, was Frauen vermissen, wenn ihnen die Lust zur Lust fehlt. Sie fördert die Durchblutung der Schwellkörper", so James L. Yeager, Senior-CEO von NexMed.

Um alle Risiken auszuschalten, soll die Dosierung in der Creme zunächst sehr niedrig gehalten werden. Dennoch stellt Yeager sexuell unbefriedigten Frauen die Hoffnung in Aussicht, dass bereits fünf bis zehn Minuten nach dem Auftragen der Creme eine deutliche Wirkung eintritt.

Na denn - bleibt doch nur noch die Frage des richtigen Timings zu lösen. Vielleicht in der Art, dass "Mann" sein Viagra vor dem Candle-Light-Dinner schlucken und "Frau" nach dem Dessert noch schnell cremen sollte oder so. Vorläufig braucht man sich darüber allerdings noch keine Gedanken zu machen. Nach Angaben des Pharmaunternehmens wird das Produkt frühestens in drei Jahren marktfertig sein. ral

Quelle: www.nytimes.com, Meldung vom 27. 1. 2003

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