Arzneimittel und Therapie

Follikuläres Lymphom: Erhaltungstherapie mit Rituximab verbessert progressionsf

Der monoklonale Antikörper Rituximab (MabThera®) steht seit etwa zwei Jahren zur Therapie von Lymphomen zur Verfügung. In zahlreichen Studien wird seither sein Stellenwert geprüft. Neu sind Erkenntnisse zum Einsatz in der Erhaltungstherapie sowie zur Kombination mit anderen Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie bei follikulärem Lymphom und Mantelzelllymphom.

Hinter dem Begriff "Lymphom" verbirgt sich eine Vielzahl verschiedener Krebserkrankungen des lymphatischen Systems. Doch etwa 80% aller Lymphome lassen sich den sechs häufigsten Lymphomentitäten zuordnen:

  • Hodgkin-Lymphom
  • Non-Hodgkin-Lymphome:
  • follikuläres Lymphom
  • großzelliges B-Zell-Lymphom
  • chronisch-lymphatische Leukämie
  • Mantelzelllymphom
  • multiples Myelom.

Auch zur Häufigkeit gibt es Daten. In einer Untersuchung von 330 Lymphompatienten fand sich bei 22% ein Hodgkin-Lymphom, die Non-Hodgkin-Lymphome machten insgesamt etwa 75% aus (davon: großzelliges B-Zell-Lymphom: 34%, follikuläres Lymphom: 20 bis 30%, Mantelzelllymphom: 10%). Die Bezeichnung "Non-Hodgkin-Lymphom" gilt inzwischen allerdings als überholt, da sie zu ungenau ist, und sollte durch die differenziertere Einteilung ersetzt werden.

Effektiv: Erhaltungstherapie mit Rituximab bei follikulärem Lymphom

Bis zu 30% der Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom leidet unter einem follikulären Lymphom. Die SAKK(Swiss Group for Cliniacl Cancer Research)-Studie untersuchte nun, inwieweit diese Patienten von einer Erhaltungstherapie mit dem Anti-CD20-Antikörper Rituximab (MabThera®) profitieren und was eine First-line-Therapie mit Rituximab leisten kann. Sowohl chemonaive Patienten mit neu diagnostiziertem Lymphom (n = 58) als auch rezidivierte oder therapieresistente, bereits vorbehandelte Patienten (n = 128) erhielten als Induktionstherapie insgesamt vier Mal 375 mg/m² Rituximab im Abstand von jeweils einer Woche.

Das erste Ergebnis: Chemonaive Patienten profitierten mit einer Ansprechrate von 66% (9% komplette, 57% partielle Remissionen) in etwas höherem Maße als vorbehandelte Patienten mit einer Responderquote von 46% (8% komplette, 38% partielle Remissionen). 151 Patienten (Responder und stabile Patienten) wurden randomisiert und entweder nur beobachtet oder nach drei, fünf, sieben und neun Monaten mit Rituximab behandelt, und über durchschnittlich 25 Monate weiterverfolgt.

Das zweite Ergebnis: Die Erhaltungstherapie konnte das progressionsfreie Überleben deutlich verbessern (22,4 Monate versus 13,4 Monate), wobei chemonaive Patienten in besonders hohem Maße profitierten (progressionsfreies Überleben chemonaiv: 36 Monate versus 18,3 Monate; vorbehandelt: 14 Monate versus 11 Monate). Durch nur vier zusätzliche Infusionen konnte damit die progressionsfreie Überlebenszeit verdoppelt werden.

Rituximab als Kombinationspartner

Eine aktuelle prospektive randomisierte Studie mit 94 Patienten prüft derzeit auch die Rolle von Rituximab bei rezidivierten und refraktären follikulärem Lymphom und Mantelzelllymphom als Kombinationspartner einer Chemotherapie mit Fludarabin, Cyclophosphamid und Mitoxantron (FCM).

Das Ergebnis einer Zwischenauswertung liegt bereits vor: 69 Patienten erhielten nur FCM, 66 Patienten zusätzlich Rituximab. Insgesamt lag die Zahl der Remissionen (komplett und partiell) bei 83% gegenüber 58%, die Zahl der kompletten Remissionen bei 35% gegenüber 13%. Der Blick auf die Subentitäten zeigte, dass Patienten mit Mantelzelllymphom, einer extrem aggressiven Lymphomform, von der Immunochemotherapie besonders profitierten. Beim follikulären Lymphom lag die Remissionshäufigkeit bei 92% gegenüber 75%, beim Mantelzelllymphom bei 65% gegenüber 33%. Die additive Gabe von Rituximab verursachte keine zusätzliche hämatologische Toxizität.

Aufgrund dieser Ergebnisse wurden folgende Empfehlungen gegeben:

  • Beim follikulären Lymphom sollte initial nur chemotherapeutisch behandelt werden, da damit bei über 90% der Patienten eine Remission zu erreichen ist.
  • Beim rezidivierten follikulären Lymphom ist eine Immunochemotherapie mit Rituximab-FCM indiziert.
  • Beim Mantelzelllymphom ist initial sowie beim Rezidiv die Kombinationstherapie zu geben.

Ausführliche Informationen zum Einsatz von Rituximab bei aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen finden Sie in der DAZ 15/2002.

Rituximab

Rituximab ist ein gentechnisch hergestellter monoklonaler chimärer Antikörper, das heißt, er setzt sich aus humanen und Maus-Anteilen zusammen. Die konstanten Bereiche bestehen aus humanem Immunglobulin G, die variablen Bereiche aus murinen leichten und schweren Kettensequenzen. Rituximab bindet spezifisch an das CD20-Antigen von reifen und späten Vorstufen der B-Zellen und von B-Zell-Lymphomen.

Dieses CD20-Antigen wird auf 95% aller B-Zell-Lymphome vom niedrigmalignen Non-Hodgkin-Typ exprimiert. CD20 ist auf gesunden und malignen B-Zellen zu finden. Es befindet sich jedoch nicht auf hämatopoetischen Stammzellen, normalen Plasmazellen und anderen Gewebezellen. Diese werden deshalb durch die Therapie nicht angegriffen.

Morbus Hodgkin

  • malignes Lymphom mit unklarer Ursache
  • benannt nach dem englischen Pathologen Thomas Hodgkin (1798–1866)

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