Prisma

Ein Gedächtnis wie ein Sieb? Schieben Sie es auf Ihre Gene

Wenn Ihr Kurzzeitgedächtnis Sie regelmäßig im Stich lässt, können Sie künftig ihre Gene dafür verantwortlich machen. Zwar hilft das nicht, sich daran zu erinnern, wohin man den Autoschlüssel dieses Mal wieder verbummelt hat, aber es ist zumindest eine nette Argumentationshilfe gegenüber genervten Mitmenschen.

Möglich wird die Ausrede für Alltagsschussel dank einer an der Universität Zürich durchgeführten Studie, die nun in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" veröffentlicht wurde. Hintergrund für die Studie waren Hinweise darauf, dass Serotonin-Rezeptoren im Gehirn an der Gedächtnisleistung beteiligt sind.

Tatsächlich konnten Dominique de Quervain und Kollegen nachweisen, dass hier ein Zusammenhang besteht. Wie sie schreiben, weisen rund neun Prozent aller Menschen zumindest eine Kopie eines Gens des Serotonin-Rezeptors 5-HT2a auf. Dieses Gen verlangt an einem bestimmten Punkt des Rezeptorproteins die Aminosäure Tyramin.

Alle anderen erfordern Histamin. Menschen mit der Tyramin-Variante bilden Rezeptoren, die durch Serotonin weniger leicht stimuliert werden, was sich negativ auf das Kurzzeitgedächtnis auswirkt. In ihrem Versuch verglichen die Wissenschaftler das Kurzzeitgedächtnis von 70 Studienteilnehmern mit Tyramin-Variante mit dem von 279 Teilnehmern mit der Histamin-Variante.

Die Tyramin-Gruppe schnitt wie erwartet deutlich schlechter ab. Auf das Langzeitgedächtnis hat die Genvariante allerdings keinen Einfluss. Wer Gedächtnislücken bezüglich Geburtstag, Hochzeitstag oder ähnlich wichtigen Anlässen auf seine Gene schieben will, hat also schlechte Karten. ral

Quelle: www.nature.com/neurosci, DOI: 10.1038/nn1146

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