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Pharmazie-Wissenschaftspreis: Phoenix honoriert pharmazeutische Spitzenforschung

Frankfurt/Main (cae). Zum achten Mal verlieh der Pharmagroßhändler Phoenix den von ihm gestifteten Pharmazie-Wissenschaftspreis an je eine Arbeitsgruppe der Disziplinen Pharmazeutische Chemie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Technologie und Pharmakologie. Damit wurden hervorragende Forschungen, die im Jahr 2002 von Angehörigen deutscher pharmazeutischer Institute publiziert worden sind, gewürdigt. Die Preisverleihung fand am 24. Oktober im Biozentrum der Universität Frankfurt statt.

Apotheke ist kein Auslaufmodell

Udo Major, Phoenix-Vertriebsleiter Hanau, verwies auf die traditionell engen Beziehungen seiner Firma zur Universität Frankfurt. So hat sie im letzten Jahr ein Pharmainformationszentrum, einen Computerraum mit zwölf Arbeitsplätzen, gestiftet und dessen Wartung für fünf Jahre übernommen.

Henry Iberl, Mitglied des Vorstands von Phoenix, erinnerte daran, dass das Preisgeld im letzten Jahr von 5000 DM auf 5000 Euro fast verdoppelt worden war. Man habe damit ein Zeichen setzen wollen, denn pharmazeutische Spitzenforschung wirke sich letzten Endes auch auf die Ausbildung der Apotheker aus, und hoch qualifiziertes Personal stärke die Position der öffentlichen Apotheke innerhalb des Gesundheitssystems. Das Profil der Apotheke und das Berufsbild des Apothekers werde sich ändern, aber die öffentliche Apotheke sei "kein Auslaufmodell".

Universitäten brauchen mehr Sponsoring

Der Zellbiologe Prof. Dr. Jürgen Bereiter-Hahn machte in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Universität Frankfurt einige Ausführungen über die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Universität. Viele Unternehmen bieten den Studenten an, bei ihnen Praktika zu absolvieren oder sogar Forschungen im Rahmen einer Promotion durchzuführen, und geben ihnen mit dem Einblick in den Betrieb zugleich eine Vorstellung, wie das "Leben nach der Uni" aussehen könnte. Anderen Unternehmen sei jedoch zu wenig bewusst, woher ihre zukünftigen Mitarbeiter kommen. Bereiter-Hahn appellierte deshalb an die Wirtschaft, das Sponsoring von Universitätsinstituten durch direkte finanzielle Unterstützung, Auslobung von Forschungspreisen oder die Einrichtung von Stiftungsprofessuren – am Frankfurter Biozentrum gibt es immerhin zwei davon – zu verstärken. Moderne Spitzenforschung der Universitäten wird heutzutage insbesondere in Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs erbracht, die das Know-how verschiedener Spezialisten zusammenführen und bündeln. Dabei ist die Internationalisierung unumgänglich. Die Globalisierung, mit der sich die Wirtschaft erst seit wenigen Jahren konfrontiert sieht, ist in der Wissenschaft schon längst Realität, so Bereiter-Hahn.

Prof. Dr. Holger Stark, der in Vertretung des Dekans Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz sprach, nannte als Beispiel der Zusammenarbeit von Universität und Wirtschaft das Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie, das im nächsten Jahr eröffnet werden soll. Ansonsten bedauerte er die Sparmaßnahmen, von denen auch die Universitäten nicht verschont bleiben. Sie stehen vor der Herausforderung, "mit weniger Geld besser zu werden".

Prof. Dr. Jörg Kreuter, Pharmazeutischer Technologe an der Universität Frankfurt und Leiter der wissenschaftlichen Jury des Pharmazie-Wissenschaftspreises, betonte, dass das wissenschaftliche Niveau der eingereichten Arbeiten noch nie zuvor so hoch gewesen sei und dass die Auswahl der Preisträger deshalb besonders schwer gefallen sei. Anschließend stellten die Sprecher der Arbeitsgruppen ihre Forschungsergebnisse vor.

Hopfen als potenzielles Krebsmittel

Der Pharmazeutische Biologe Prof. Dr. Hans Becker, Saarbrücken, entdeckte in Zusammenarbeit mit Dr. Clarissa Gerhäuser, Heidelberg, fast zufällig, dass im Hopfen eine krebspräventive Substanz vorkommt: das Xanthohumol, ein prenyliertes Chalkon. Es zählt zu einer größeren Anzahl von Phenolen, die im frisch gebrauten Bier enthalten sind, diesem aber vor der Abfüllung entzogen werden, damit es haltbarer wird. Ausgangspunkt von Beckers Forschungen war die Frage, ob die abgeschiedenen Phenole, die in den Brauereien in großen Mengen anfallen, noch zu etwas nütze sind.

Bei der biologischen Testung des Substanzgemisches, einzelner Fraktionen und schließlich bestimmter Reinsubstanzen wurde Xanthohumol als außerordentlich aktive Substanz identifiziert. Zelltests zeigten, dass es die Kanzerogenese auf allen Stadien – also während der Initiation, der Promotion und der Progression – hemmt. Die Wirkung kommt durch die Interaktion mit Enzymen zustande: Xanthohumol hemmt z. B. die Aktivität des giftenden Enzyms CYP1A und stimuliert entgiftende Enzyme. Darüber hinaus behindert es das Wachstum von Tumoren, indem es die DNA-Polymerase-α, die die Krebszellen zur Proliferation benötigen, hemmt. Wie Becker anmerkte, wird die Erforschung der Substanz in Zusammenarbeit mit Pharmakologen und Klinikern fortgeführt.

Der Cholesterolesterase auf der Spur

Prof. Dr. Michael Gütschow, Bonn, erforschte Thienooxazinone als Alternativsubstrat-Inhibitoren der Cholesterolesterase. Die Cholesterolesterase spaltet das Fett in Cholesterol und Fettsäuren; es bildet daher einen Ansatzpunkt für die Therapie der Hypercholesterolämie, der bereits mit dem neuen Wirkstoff Ezetimib (Ezetrol) realisiert wird. Um das therapeutische Potenzial von Cholesterolesterase-Hemmern abzuschätzen, ist ein Modell über den Substratumsatz dieses Enzyms erforderlich. Gütschow hat ein solches enzymkinetisches Modell aufgestellt und in Versuchen verifiziert.

Partikelgröße und Bioverfügbarkeit

Die Pharmazeutische Technologin Prof. Dr. Jennifer Dressman, Frankfurt, untersuchte die Bioverfügbarkeit von Felodipin in Abhängigkeit von der Partikelgröße der Substanz und der gastrointestinalen Hydrodynamik. Als Versuchstiere dienten Labradorhunde, denen im mittleren Jejunum eine Fistel angelegt worden war.

Es zeigte sich zunächst, dass der Wirkstoff in mikronisierter Form (Partikelgröße 8 Ķm) bedeutend schneller resorbiert wurde als in grobkristalliner Form (Partikelgröße 125 Ķm). Anschließend wurden durch die Suspension des Wirkstoffs in 0,9%iger Kochsalzlösung bzw. in einer Glucoselösung nüchterne bzw. postprandiale Zustände simuliert. Hier fanden Dressman und ihre Mitarbeiter, dass die Flüssigkeit auf die Bioverfügbarkeit von mikronisiertem Felodipin keinen Einfluss hat, während grobkristallines Felodipin unter postprandialen Bedingungen noch schlechter resorbiert wird als im nüchternen Zustand.

Krebstherapie

Der Pharmakologe Prof. Dr. Gert Fricker, Heidelberg, befasste sich in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Armin Buschauer, Regensburg, mit der Resistenz von Glioblastomen (Hirntumoren) gegenüber Zytostatika. Systemisch verabreichte Krebsmittel wie z. B. Paclitaxel (Taxol) können die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, deshalb ist das Glioblastom derzeit nicht zu therapieren. Fricker und seinen Mitarbeitern gelang es, das intravenös applizierte Paclitaxel durch die Barriere zu befördern, indem sie es mit Valspodar (oral) kombinierten. Valspodar hemmt die p-Glykoproteine, die die Blut-Hirn-Schranke aufrecht erhalten, indem sie Moleküle, die aus den Blutkapillaren des Gehirns in die Gefäßwand eindringen und ins Hirngewebe vorzudringen drohen, sofort wieder zurückbefördern. Die Effektivität der Wirkstoffkombination wiesen Fricker und Mitarbeiter zunächst optisch mit Fluoreszenz-markiertem Paclitaxel in isolierten Gehirnkapillaren nach. Darauf folgten Tierversuche mit Nacktmäusen. Hier führte die Kombination eine 90%ige Reduktion des Hirntumors herbei, während sowohl Paclitaxel allein als auch die Kontrolle wirkungslos blieben. Diese durchschlagende Ergebnis berechtigt zu neuen Hoffnungen bei einer bislang unheilbaren Krankheit.