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Tafelrunde der LAK Hessen: "Pharmazie trifft Politik"

FRANKFURT/MAIN (lak/daz). Nach zahlreichen politischen Einzelgesprächen quer durch die Parteien über die Rolle des Apothekers in reformierten Strukturen lud die Präsidentin der Landesapothekerkammer (LAK) Hessen Dr. Gabriele Bojunga führende GesundheitspolitikerInnen und Pharmazeuten am 14. Oktober zum gemeinsamen Gedankenaustausch mit dem Vorstand der LAK Hessen nach Berlin ein.

Die Initiative zu einer parteiübergreifenden Tafelrunde stand unter dem Motto "Pharmazie trifft Politik – der Pharmazeut 2010". Ziel war es, "ungefiltert über die Chancen und Probleme der Gesundheitsreform und die Zukunft des Apothekers abseits des Konfrontationskurses zu reden und als Standesvertretung aktiv an der künftigen Ausgestaltung der Reformen mitzuwirken", so Dr. Bojunga.

Der Einladung von Präsidentin und Vorstand folgten Gudrun Schaich-Walch, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion für den Bereich "Gesundheit, Soziale Ordnung und Petitionen" zusammen mit dem Referenten der Arbeitsgruppe Gesundheit, Peter Schmidt, Andreas Storm, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit und Soziale Sicherung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Erika Ober (SPD), Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung sowie Professor Gerd Glaeske, Mitglied des Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen.

Aus den Reihen der Pharmazie und Forschung diskutierten Professor Henning Blume, Sprecher der Akademie für pharmazeutische Fortbildung der LAK Hessen, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, neuer Leiter des Zentrallabors Deutscher Apotheker sowie als Vertreter der Studenten Matthias Pfannkuche vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland.

Das Gespräch mit dem Patienten suchen

DPhG-Präsident Professor Theodor Dingermann hielt eine engagierte Gastrede, in der er die Bedeutung des Arzneimittels in der "Postgenom-Ära" und den Apotheker als Gesundheitsberater in den Mittelpunkt stellte. Das Genomprojekt werde in einem ungeahnten Schub die Entwicklung neuer, noch gezielter einsetzbarer Medikamente bewirken, die das heutige Arsenal an Therapien spektakulär erweitern und verändern werden.

"Während die Forschung ohne Atem zu holen dem Geheimnis des Lebens immer schneller und immer tiefer auf die Schliche kommt, werden Apothekerinnen und Apotheker", so die Prognose Dingermanns, "immer stärker das Gespräch mit den Patienten zu suchen haben, um die immer komplexer werdenden Therapiestrategien zu erklären und die überforderten Patienten bei der ,therapeutischen Stange' zu halten."

Auch, oder gerade in der Postgenom-Ära werden Arzneimittel die Erfolgsstory der Medizin schreiben. Dank der Genomforschung fänden Arzneimittel ihren Einsatz immer stärker in der Krankheitsvorbeugung, da wir in die Lage versetzt werden, Risiken viel konkreter zu definieren als es bisher möglich war. Man werde sich verabschieden von der "one size fits all"-Ära und sich hinwenden zum "right drug, right dose, right patient"-Konzept.

Apothekerinnen und Apotheker werden sich ganz entscheidend daran beteiligen müssen, den Kunden und Patienten zu erklären, welche Konsequenzen die neuen Entwicklungen für sie haben werden, vor denen sich viele auch sehr fürchten: "Der Apotheker als Gesundheitsberater, als Mittler zwischen Fortschritt und Angst, wird mehr gefragt sein, denn je", lautet das Fazit des Wissenschaftlers.

An Zukunftskonzepten arbeiten

Im Laufe des Abends wurden zahlreiche aktuelle und zukünftige Themen erörtert: Reform der Sozialversicherungssysteme, Ausbildung und Stellung des Pharmazeuten in der Gesellschaft, Bedeutung der Versorgungsforschung und Nutzenbewertung von Arzneimitteln in der Praxis, Pharma-Forschungsstandort Deutschland sowie das Thema "Krankenkassen".

Die Bewertung des Abends durch die Präsidentin, den Vorstand und die Gäste zeigte, dass niemand so viel weiß, dass er nicht von einem anderen lernen könnte. So manche Anregung der Pharmazie wurde von der Politik aufgenommen und umgekehrt. Die Pharmazeuten hatten die Chance, noch intensiver hinter die Kulissen von Entscheidungsfindungen im jeweiligen "politischen Lager" zu blicken.

Nicht zuletzt bot der Abend die Möglichkeit, auch einmal die menschliche Seite von Politikern und Apothekern, ihr Engagement und ihre persönlichen Stärken und Schwächen wahrzunehmen. Wenn auch in einzelnen Bereichen kontrovers diskutiert wurde, zeigte der Dialog den Weg in die richtige Richtung auf.

"Wir haben die Pharmazie und den Beruf des Apothekers in neuen politischen Strukturen aus allen Blickwinkeln – der Praxis, der Forschung und Lehre sowie der Ausbildung – diskutiert, weil wir zusammen mit der Politik an Zukunftskonzepten arbeiten möchten", erklärt Dr. Gabriele Bojunga und freut sich schon jetzt darauf, Gesprächsforen dieser Art im nächsten Jahr fortzusetzen: "Das muss eine Institution werden."

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