DAZ aktuell

"Kurz nachgefragt" ...bei Wolfgang Schmeinck

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Herr Schmeinck, wie steht der Bundesverband der Betriebskrankenkassen zum ab 2004 erlaubten Versandhandel mit Arzneimitteln?

Schmeinck:

Wir stehen positiv dazu, wenn die Qualität dabei gesichert ist. Diese Bedingung ist allerdings ein K.O.-Kriterium. Insofern unterscheidet sich unsere Haltung nicht von der anderer Kassenarten, soweit sie mir bekannt sind. Wichtig ist die Qualitätssicherung – nach deutschem Standard, wohlgemerkt.

Falls man an den Bezug aus dem Ausland denkt, gilt nicht das Herkunftlands- sondern das Hinkunftlands-Prinzip, also Qualitätsanforderungen, wie sie hier gültig sind, auch für ausländische Versandapotheken.

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Meinen Sie die Bestimmungen etwa des Arzneimittelrechts oder die Lieferverträge?

Schmeinck:

Ja, soweit sie Qualität und Qualitätssicherheit angehen. Alles andere würden wir Betriebskrankenkassen nicht empfehlen.

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Plant Ihr Verband, mit Versandapotheken Verträge abzuschließen?

Schmeinck:

Es gibt zurzeit keine konkreten Pläne, es laufen auch keine Verhandlungen. Diese gehören im Übrigen zu den Verträgen, die in Zukunft einzelne Kassen oder Kassengruppen mit Apothekervereinigungen abschließen können.

Denkbar ist, dass einige Betriebskrankenkassen auch mit Krankenkassen aus einer anderen Kassenart eine Kooperation mit Apotheken anstreben, um beispielsweise für die eigenen Versicherten günstiger einzukaufen, weil vielleicht die Nachfrage einer BKK nicht groß genug ist. Das gibt es ja zum Teil bereits, etwa um Verwaltungskosten zu sparen.

Wir als BKK-Bundesverband haben im Moment keinen Verhandlungsauftrag von Gruppen. Wenn Anfragen kämen, würden wir gegebenenfalls den Türöffner spielen, um zwischen den Beteiligten zu vermitteln. Ich persönlich glaube im Übrigen nicht, dass der Versandhandel das große Vertragsthema in den kommenden Monaten wird.

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Wenn Versandhandel käme, würden Sie ausländische Versandapotheken unterstützen?

Schmeinck:

Wer sich mit Versandhandel befasste, musste bisher ja knapp hinter die Grenzen gehen, in die Schweiz oder in die Niederlande. Ich lasse hier außen vor, ob das immer legal war. Bei diesem Thema habe ich keine nationalen Präferenzen.

Denkbar ist bei großen Bezugsvolumina, dass es dann zu europaweiten Ausschreibungen käme. Es würde mich wundern, wenn es zu Angeboten deutscher Apotheken käme, wenn nicht eins davon zum Zuge käme. Denken Sie allein an die Sprachbarrieren, die entfallen. Letztlich sind aber Qualität und Preise eines Angebots entscheidend.

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Die Apotheken, die in Deutschland womöglich Versandapotheken gründen, sind an das Apothekenrecht und die Arzneimittellieferverträge gebunden. Bei einer Versandapotheke aus dem Ausland ist die Frage, was zum Beispiel mit der Zuzahlung der Patienten geschieht. Theoretisch kann ein Patient das Arzneimittel dort beziehen und verlangt von seiner Kasse anschließend die Erstattung.

Oder seine Kasse schließt mit der ausländischen Apotheke einen Sachleistungsvertrag und rechnet direkt mit ihr ab. In beiden Fällen müssen die Zuzahlungen der Patienten einbehalten werden. Deutsche Pharmazeuten befürchten, dass das unterbleibt und sie ins Hintertreffen geraten. Teilen oder verstehen Sie die Befürchtung?

Schmeinck:

Nein. Wenn der Firmensitz ein Problem sein sollte, kann eine deutsche Apotheke einen Sitz 500 Meter hinter der Grenze eröffnen, vielleicht eine ihrer künftigen Töchter (erlaubt durch die neue Mehrbesitzregelung, die Red.) ins niederländische Enschede oder anderswohin verlagern. Das ließe sich machen.

Und dass die ausländischen Versandapotheken weiterhin soviel finanziellen Spielraum haben, um den Patienten die Zuzahlungen zu erlassen, denke ich nicht – dem fehlt die betriebswirtschaftliche Basis.

Wir bekommen doch eine höhere Zuzahlung der Kranken von mindestens fünf Euro und neue Strukturen bei den Preisen (mit der neuen Honorierung der Apotheken, die Red.), das Rosinenpicken ist weg. Wenn künftig die hohen Spannen bei den teuren Arzneimitteln entfallen - wovon soll ein Versandhändler den Umsatz nehmen, um die Zuzahlungen zu erlassen?

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Herr Schmeinck, vielen Dank für das Gespräch!

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