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Hoffnungsschimmer: Hausapotheken-Modell im Ausschreibungsverfahren chancenreich

OBERHAUSEN (ri). Wie von seinem Kollegen Mattenklotz angekündigt, konnte Heinz-Günter Wolf, Vizepräsident der ABDA, den Anwesenden bei der von Heitfeld und Hexal ausgerichteten Veranstaltung "Reform Positionierung Ų Apotheken-Strategie-Forum" eine hoffnungsfrohe Botschaft mitteilen. So ist es gelungen, die für die Apotheker gefährlichen Regelungen des Eckpunktepapiers zum Thema Integrierte Versorgung hinsichtlich der durch Ausschreibungen zu vergebenden Sonderverträge massiv zu entschärfen. War vormals noch zu befürchten, dass bei Ausschreibungen die regionalen Apotheken in den meisten Fällen von der überregionalen Konkurrenz ausgestochen werden, so scheint diese Gefahr nun weitgehend gebannt.

Erfreut berichtete Wolf, dass es ihm zusammen mit seinem Kollegen Mattenklotz in Teamarbeit bei Verhandlungen am Freitag, dem 5. September, gelungen war, dass im Zusammenhang mit der Integrierten Versorgung die folgende, Sprengsatz enthaltende, Formulierung gelöscht wurde: "... der für den Versicherten maßgebliche Arzneimittelabgabepreis abweichend von Preisvorschriften aufgrund des Arzneimittelgesetzes".

Statt dessen heißt es bei der entsprechenden Gesetzesvorlage im nun vorliegenden, so genannten Gesundheitskonsensgesetz: "In der Integrierten Versorgung kann in Verträgen nach Satz 1 das Nähere über Qualität und Struktur der Arzneimittelversorgung für die an der Integrierten Versorgung teilnehmenden Versicherten auch abweichend von Vorschriften dieses Buches vereinbart werden."

Und in den ausführlichen Erläuterungen finden sich nun folgende, wesentlich Apotheker-freundlichere Passagen wieder: "In der Integrierten Versorgung können auch abweichend von den Vorschriften für die Regelversorgung mit Apotheken besondere Regelungen zu Qualität und Struktur der Arzneimittelversorgung der an der Integrierten Versorgung teilnehmenden Versicherten vereinbart werden.

Zur Verbesserung der Qualität können beispielsweise Vereinbarungen zur Pharmazeutischen Betreuung durch Vertrags-, insbesondere Hausapotheken getroffen werden." Nach der Überzeugung von Wolf ist damit nach dem Kombi-Modell eine erneute Abwehrstrategie aufgegangen, denn "keine Versandapotheke kann der wohnortnahen Hausapotheke überlegen sein, die regionale, wohnortnahe Apotheke ist unschlagbar!"

Wäre es nicht gelungen, diese Änderungen durchzusetzen, so hätte es beispielsweise leicht passieren können, dass etwa in Oberhausen ein Sondervertrag zur Integrierten Versorgung ausgeschrieben wird und eine Versandapotheke in Deggendorf exklusiv das Rennen macht. Die regionale Apotheke hätte nicht einmal im Notdienst Medikamente liefern dürfen! Wolf forderte die Apotheker dazu auf, sich mit dem Hausapotheker-Modell bei der Integrierten Versorgung auch aktiv mit einzubringen.

Sich bewegen, nicht mauern!

Ähnlich wie Mattenklotz vor ihm, äußerte sich Wolf zur Gesamtsituation zwischen Apothekern und Politikern eher versöhnlich: "Wir bewegen uns im System und leben vom System. Wenn sich das System ändert, gilt es also, sich bedarfsgerecht anzupassen." Gleichzeitig appellierte Wolf an die Adresse der Regierung, endlich auch für eine entbürokratisierte Aut-idem-Regelung zu sorgen.

Nach der Auffassung von Wolf ist es für die Zukunft wichtig, das Verhalten der Großhändler genau zu beobachten und den Spruch vom Großhändler als natürlichem Partner der Apotheker zu hinterfragen. Der Standespolitiker wies darauf hin, dass es durchaus denkbar wäre, dass Großhändler als sekundäre Leistungserbringer in die Rolle des primären Leistungserbringers drängten, Stichwort "direct consumer".

Als Pluspunkte im Kampf um Ausschreibungen nannte Wolf die Qualität der Leistungen, die von den Apothekern vor Ort erbracht werden. So sei es im Hinblick auf die vielen Singles – alleine in Berlin leben 16 Prozent der Bevölkerung in Single-Haushalten – durchaus eine Überlegung wert, inwieweit Apotheker die bedarfsgerechte Versorgung der Patienten bis hin zum Krankenbett forcieren können. Apotheker sollten künftig QMS-Programme nicht nur als Quälerei interpretieren, außerdem sind nach Ansicht von Wolf Überlegungen hinsichtlich Pflichtfortbildungen sinnvoll.

Schließlich müsse man mit den Kassen in Klausur gehen und sie befragen, welche Vorstellungen sie verfolgen. Ähnlich wie Mattenklotz begreife auch er die Kassen nicht als Feind, sondern als Verhandlungspartner. Wolf zeigte sich überzeugt davon, dass Krankenkassen bei diesen Verhandlungen zwar unter dem primären Ziel wirtschaftlicher Einsparungen führen, diese aber zum Teil auch wieder weitergeben würden. Hier nannte Wolf insbesondere die finanziellen Einsparungen, die durch die Aut-idem-Regelung erreicht werden.

Für die Zukunft gelte es, "weg vom Schachtel-Verkauf, hin zur Pharmazie" zu kommen. Das in Niedersachsen erfolgreich umgesetzte Hausarzt-Modell biete im Sinne der Pharmazeutischen Betreuung immerhin eine 95-Prozent-Lösung. Indem sich Patienten beispielsweise für die Dauer eines Jahres an eine Hausapotheke binden, kann eine echte pharmazeutische Betreuung erfolgen und etwa bei Doppelverordnungen der behandelnde Arzt darüber informiert werden. Im Zuge der Betonung pharmazeutischer Kompetenzen sind auch andere Maßnahmen wie etwa von den Kassen bezahlte, unter optimalen Standards durchgeführte Blutzuckermessungen denkbar. Wolf zeigte sich insgesamt optimistisch und verwies auf das Leistungsspektrum der Apotheker. Er informierte das Publikum auch darüber, dass Professor Glaeske in diesen Tagen so genannte Qualitätsindikatoren für Apotheken erarbeitet.

Auf dem von Heitfeld und Hexal ausgerichteten Apotheken-Strategie-Forum am 6. und 7. September in Oberhausen konnte Heinz-Günter Wolf, Vizepräsident der ABDA, den Anwesenden eine hoffnungsfrohe Botschaft mitteilen: Es sei gelungen, die für die Apotheker gefährlichen Regelungen des Eckpunktepapiers zum Thema Integrierte Versorgung hinsichtlich der durch Ausschreibungen zu vergebenden Sonderverträge massiv zu entschärfen.

Vertreterin der Kassen gibt sich Apotheken-freundlich

Der Vortrag der Barmer-Vertreterin Dr. Monika Busse stand zwar ganz im Zeichen einer künftig guten Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Kassen, gleichzeitig musste sie sich jedoch kritischen Fragen aus dem Publikum stellen. Insbesondere die Rolle des von der Barmer beauftragten Call-Centers GesundheitsScout24 war vielen Apothekern ein Dorn im Auge. So befürchteten diese Apotheker, dass das Call-Center sich langfristig mit Logistikern verbinden würde und somit den Medikamenten-Versand mit vorbereite. Laut Auskunft von Busse soll das Call-Center jedoch keineswegs die Rolle der Ärzte und Apotheker ersetzen – es gehe vielmehr darum, den Patienten ein optimales Beratungsangebot zu machen, das in dieser Intensität von den Apothekern nicht geleistet werden könnte. Es sei auch zu bedenken, dass dem Call-Center keinerlei Diagnose-Daten zur Verfügung stünden. Die Rolle von GesundheitsScout24 sei als subsidiär zu verstehen, zumal die Art der Informationen, die dort abgefragt werden können, eher allgemeiner Natur seien. So könnten hier beispielsweise Informationen über das Sozialrecht erteilt werden. Grundsätzlich sei der Versandhandel kein Instrument, um das System zu ändern, "und das ist letztlich auch nicht im Sinne der Kassen", beteuerte Busse.

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