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Kommentar: Arbeitslosigkeit drastisch gestiegen?

Am 8. August titelte die ABDA in ihrer Pressemitteilung "Arbeitslosigkeit dramatisch gestiegen" und verwies dann auf Zahlen der "BfA" (gemeint ist hier wohl die BA, nämlich die Bundesanstalt für Arbeit und nicht die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte). Diese Zahlen liegen dem BVA ebenfalls vor, und er kann die Interpretation der ABDA nicht unwidersprochen lassen. In der ersten Jahreshälfte wurden nicht rund 10 000 Stellen in Apotheken abgebaut, sondern aus der Statistik lassen sich nur etwa 2500 herauslesen.

Im Übrigen ist es unsauber, Arbeitslose und die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen in einen Topf zu werfen. Ein so detailliertes Zahlenwerk, aus dem die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen (und welche Stundenzahl bei den Teilzeitstellen) herauszulesen wäre, existiert im Apothekenwesen nicht. Derartige Zahlenspielerein können allenfalls aus Hochrechnungen stammen und sollten auch als solche gekennzeichnet werden. Aus der Umfrage des BVA hat sich z.B. ergeben, dass sich Kündigungen und Stundenkürzungen die Waage halten: In etwa jeder 8. Apotheke wurden Kündigungen und Stundenreduktionen durchgeführt.

Wer wie der BVA seit Jahren die Arbeitslosenzahlen verfolgt und nicht nur stichprobenartig mal draufschaut, wenn es der politischen Linie gefällt, erkennt, dass es seit Jahren eine gewisse Sockelarbeitslosigkeit gibt, die zwar von politischen Gegebenheiten abhängt, aber nichts desto trotz um die 6000 liegt (1997 lag der bisherige Höchststand übrigens bei 7300). Dazu sind seit Dezember letzten Jahres etwa 2500 neu arbeitslos gemeldete Angestellte gekommen. Der BVA vermutet zwar aus Gesprächen in der Rechtsberatung, dass viele den Apothekenbereich komplett verlassen und sich deswegen auch nicht arbeitslos melden, diese Vermutung lässt sich aber nicht mit Zahlen belegen.

Fazit: Wer nicht mal den Unterschied zwischen BA und BfA kennt und auch sonst im Bereich der Arbeitslosenzahlen keine Erfahrung hat, sollte die Interpretation derartiger Zahlen lieber denen überlassen, die sich dort besser auskennen, etwa den Angestelltenvertretern vom BVA. Und wer sich mit ungenauen Zahlen und wilden Spekulationen unglaubwürdig macht, dem wird auch in anderen Bereichen von Politikern nicht geglaubt, getreu dem Motto: Wer einmal lügt, dem glaubt nie wieder!

Insa Heyde, Bundesverband der Angestellten in Apotheken

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