Arzneimittel und Therapie

Eklampsiebehandlung: Nimodipin in der Krampfprophylaxe unterlegen

Seit vielen Jahrzehnten gilt Magnesiumsulfat als Mittel der Wahl zur Vorbeugung einer Eklampsie, eine gefürchtete Komplikation in der Schwangerschaft. Die Ursache dieser Erkrankung könnte eine krankhafte Verengung der Blutgefäße sein. In einer Studie wurde untersucht, ob Nimodipin Ų ein lipophiler Calciumantagonist, der vor allem im Zentralnervensystem vasodilatierend wirkt Ų die Eklampsie noch effektiver als Magnesiumsulfat bekämpfen kann. Doch das Resultat ist ernüchternd: das bekannte Magnesiumsulfat ist wirksamer als Nimodipin.

Von einer Eklampsie sprechen Ärzte, wenn die Patientin bei der Schwangerschaft neben den Symptomen der Präeklampsie noch an schweren krampfartigen Anfällen leidet. Seit vielen Jahren verordnen Gynäkologen daher das Präparat Magnesiumsulfat, weil es die intrazerebralen Gefäße erweitert. Im Hirn verdrängt es Calciumionen aus hypoxisch geschädigten Zellen und wirkt außerdem über eine kompetitive Hemmung der Glutamat-Aspartat-Rezeptoren direkt antikonvulsiv.

Als Hauptursache für die Eklampsie gilt, so die Mediziner, die krankhafte Verengung der Blutgefäße. Daher die Idee des Gynäkologen Michael Belfort vom Massachusetts General Hospital in Boston, den Calciumantagonisten Nimodipin, der Gefäße gezielt erweitert, im Vergleich mit Magnesiumsulfat in einer Studie zu testen.

Vergleichende Studie mit 1650 Patientinnen

An dieser Studie, die vom Pharmaunternehmen Bayer unterstützt wurde, nahmen zwischen 1995 und 2000 insgesamt 1650 Frauen in 14 Orten aus acht Ländern teil. Nach dem Zufallsprinzip bekamen 819 von ihnen Nimodipin und 831 Magnesiumsulfat. Dabei handelte es sich um keine Blindstudie; die Patientinnen wussten, welches Präparat sie bekamen.

Es zeigte sich, dass die Frauen, die Nimodipin eingenommen hatten, viel eher einen Krampfanfall bekamen als die, denen Magnesiumsulfat injiziert wurde. Das Verhältnis des Risikos einer Eklampsie von Nimodipin zu Magnesiumsulfat ergab sich als zirka 3,0: Von den 819 Patientinnen mit Nimodipin hatten 21 einen Anfall, von den 831 der Magnesiumsulfat-Gruppe jedoch nur neun. Dies bedeutet, dass die Magnesiumverbindung die Krampfanfälle tatsächlich besser bekämpft.

Jedoch zeigte sich auch eine negative Seite: So litten diese Patientinnen eher an leicht höherem Blutdruck und Atemproblemen (siehe Tabelle). Daher mussten die Patientinnen der Magnesiumsulfat-Gruppe öfter Dihydralazin einnehmen, um den hohen Blutdruck zu kontrollieren.

Magnesiumsulfat bekämpft Eklampsie besser als Nimodipin

Es bleibt als Fazit: Magnesiumsulfat bekämpft die Krampfanfälle während der Schwangerschaft viel effektiver als Nimodipin. Die Autoren vermuten daher, dass das Magnesiumsalz künftig auch in Ländern wie Großbritannien als Standard eingesetzt wird, die ihm bisher eher skeptisch gegenüberstanden.

Allerdings bleiben die eigentlichen Ursachen der Eklampsie weiterhin im Dunkeln. Denn die Erwartungen gingen dahin, dass Nimodipin aufgrund seiner gefäßerweitertenden Eigenschaften eine größere Wirkung auf die Patientinnen haben könnte. Die Ursachen der Präeklampsie und der Eklampsie und auch der genaue Wirkmechanismus von Magnesiumsulfat sind aber nach wie vor nicht bekannt.

Risikofaktoren für Eklampsie

Die Studie zeigte auch die Risikofaktoren auf, die Krampfanfälle während der Schwangerschaft begünstigen: So fördert chronischer Bluthochdruck die Eklampsie. Auch das Alter einer Patientin spielt eine große Rolle: insbesondere junge Frauen, vor allem, wenn sie jünger als 18 Jahre sind, leiden an Krampfanfällen. Bisher kaum bekannt, sollte der Natriumspiegel im Blutplasma nicht zu tief sein.

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