Berichte

Universität Frankfurt: Verabschiedung der Absolventen

Es ist mittlerweile gute Tradition, dass an der Frankfurter Pharmazieschule die Urkunden zum bestandenen zweiten Staatsexamen in einer festlichen akademischen Feier überreicht werden. Am Freitag, den 24. Juli konnte zu diesem Anlass der Dekan des Fachbereichs Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften, Prof. Dr. Walter Müller, 29 Absolventinnen und Absolventen des Examenssemesters WS 2002/03 und deren Angehörige und Freunde im großen Hörsaal des Frankfurter Biozentrums begrüßen.

Gut gerüstet in die Zukunft

Der Promotor der diesjährigen Feierstunde, DPhG-Präsident Prof. Theo Dingermann, zeigte sich in seiner kurzen Ansprache tief beeindruckt von der Leistung der Studierenden, die sich in einem schwierigen, teils stark reglementierten Studium erfolgreich ein theoretisches Rüstzeug erarbeiteten, um in ihrem letzten Teil der Ausbildung als Arzneimittelfachleute – als Verwalter der Arzneimittel in unserer Gesellschaft – heranreifen zu können.

Allerdings, so Dingermann, sei die Entlassung aus der akademischen Ausbildung nur eine – wenn auch eine sehr wichtige – Etappe in einem Prozess, den man heute als "life long learning" bezeichne. Sinnlos und falsch sei die Forderung, in dem akademischen Teil der Ausbildung Berufsfertigkeit zu vermitteln. "Dies wird jedem klar, der moderne biologisch/medizinische Forschung aufmerksam verfolgt. "Bullisch" geriert sich die Wissensgesellschaft. Wissenszuwachs erfolgt in Atem beraubendem Tempo. Wer sich da zurücklehnt, wird abgehängt – ist bereits Teil der Vergangenheit.

Gut gerüstet", so Dingermann, "ist der, der über Werkzeuge verfügt, mit denen es möglich ist, die gängigen Schrauben zu drehen, den typischen Nagel zu ziehen oder das runde Loch zu bohren. Daneben kann man sich – und sollte man sich – auch das ein oder andere Spezialwerkzeug zulegen. Wer allerdings nur auf Spezialwerkzeug setzt, der wird sehr schnell erleben, dass der Kreativität bald ein Ende gesetzt ist. Das, mit dem es sich gestern noch drehen ließ, wird morgen nicht mehr oder nur noch unzulänglich greifen."

In einem kurzen Überblick stellte Prof. Dingermann den Gästen die Frankfurter Pharmazieschule vor, die zu den besten Pharmazieschulen Deutschlands zählt, wie dies kürzlich in einem bedeutenden, vom "Centrum für Hochschulentwicklung – CHE", durchgeführten Universitätsranking, bescheinigt wurde (www.dashochschulranking.de).

Bemerkenswert sei auch, so Dingermann, die Auszeichnung des Pharmazie-Professors Manfred Schubert-Zsilavecz als bester Hochschullehrer an der Goethe-Universität. Ihm wurde erst kürzlich von der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth der mit 15000 Euro dotierte "1822-Universitätspreis für exzellente Lehre" der Frankfurter Sparkasse 1822 überreicht. Dies und mehr möge die Absolventinnen und Absolventen motivieren, ihrer Alma Mater und den Pharmazeutischen Instituten verbunden zu bleiben und Teil einer aktiven Alumni Community zu werden, die man aus gutem Grund in den kommenden Jahren verstärkt aufbauen wolle.

Perspektiven der Arzneimittelversorgung

Nach der Überreichung der Zeugnisse konnte Prof. Dingermann als einen besonderen Höhepunkt der akademischen Feier als Festredner den Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Walter Schunack, vorstellen und seinen Vortrag "Perspektiven der Arzneimittelversorgung in Deutschland" ankündigen. "Aufhänger" dieses ebenso mitreißenden wie desillusionierenden Vortrags waren Zitate eines Briefes der Ministerin für Gesundheit und Soziale Sicherheit, Ulla Schmidt, mit dem sie sich zu den "Eckpunkten der Konsensverhandlungen zur Gesundheitsreform" an die "lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger" wendet (www.bmgs.bund.de/deu/gra/themen/gesundheit/eck.cfm).

Mit harten Daten demonstrierte der Festredner, wie sehr sich populistische Floskeln und harte Versorgungsrealität widersprechen, und wie abgeschlagen Deutschland im internationalen Vergleich dasteht, wenn es um eine angemessene Versorgung mit Arzneimitteln geht. Den Satz aus dem Brief der Ministerin "Stellen Sie sich vor, man müsse Angst haben, dass Vater und Mutter nicht mehr die Behandlung bekommen, die sie benötigen" stellte der Festredner u.a. an Hand epidemiologischer Daten zur Diagnostik und Behandlung des Diabetes mellitus, zur Diagnostik und Behandlung einer Hepatitis-C-Infektion, zum Einsatz von Statinen und zur Behandlung der Osteoporose ins Lichte der aktuellen Behandlungsrealität und entlarvte ihn mehrfach auf erschreckende Weise als wertlose Ironie.

Nach diesem Festvortrag, dessen Thema so ideal mit der aktuellen politischen Diskussion korrelierte, erinnerte sich cand. pharm. Julia Boni stellvertretend für alle ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen an ein Studium mit Höhen und Tiefen. Diese Erinnerungen stellte sie unter das Motte des Heine-Zitats:

"Anfangs wollt ich fast verzagen, und ich glaubt ich trüg es nie; Und ich hab es doch getragen, aber fragt mich nur nicht, wie."

Sie verglich das Studium mit einer dünnschichtchromatographischen Trennung, bei der die Laufgeschwindigkeit einzelner Substanzen zwar Rückschlüsse auf die physiko-chemischen Eigenschaften, nicht jedoch auf die "therapeutische Qualität" der Substanzen zuließe. Letztlich wertete sie das Studium als eine wichtige Erfahrung, aber eben auch als Basis für einen neuen Lebensabschnitt in einem attraktiven Beruf. Wie immer schloss die Feierstunde in guter akademischer Tradition mit "Gaudeamus igitur".