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Neue Arzneimittel: Was wird demnächst zugelassen?

In einer Vortragsveranstaltung der DPhG am 3. Juni in Würzburg sprach Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt a. M., über das Thema: Arzneimittel vor der Zulassung Ų was kommt in den nächsten Monaten?

In seinem außerordentlich lebendigen Vortrag gab Schubert-Zsilavecz eine Übersicht über neue Arzneistoffe, die in Europa kurz vor der Zulassung stehen, und betonte dabei, wie wichtig es für Apotheker/innen ist, frühzeitig über Neuentwicklungen auf dem Arzneimittelmarkt Bescheid zu wissen.

Antiphlogistika

Im Gegensatz zu den etablierten Coxiben, wie z. B. Rofecoxib, Celecoxib und dem Prodrug Parecoxib, ist Lumiracoxib der erste selektive COX-2-Hemmstoff mit sauren Eigenschaften. Das Phenylessigsäurederivat, das in seiner Struktur sehr dem Diclofenac ähnelt, besitzt eine ausgeprägte Gewebeselektivität, da sich die Substanz als lipophile Säure im sauren Entzündungsgebiet anreichert.

Ein neues Antiphlogistikum mit einem dualen Wirkprinzip ist Licofelone. Die Substanz hemmt sowohl die Cyclooxygenase-1 und -2 als auch die 5-Lipoxygenase (5-LOX), welche die Bildung von 5-Hydroxyeicosatetraensäure (5-HETE) katalysiert (die 5-LOX wird übrigens selektiv von den im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren gehemmt).

Da die alleinige Inhibition von COX-1 und -2 über die vermehrte Bildung von Leukotrienen (LTB4, LTC4, LTD4) zu einer Schleimhautschädigung führt, wird durch die simultane Inhibition beider COX-Isoformen und der 5-LOX die Verträglichkeit erhöht, was in klinischen Studien bereits gezeigt werden konnte. Obwohl 5-HETE auch in der Pathophysiologie von Asthma, Psoriasis, Atherosklerose, Morbus Crohn und der allergischen Rhinitis eine Rolle spielt, wird Licofelone zunächst nur als Therapeutikum gegen Osteoarthritis zugelassen.

Anakinra (Kineret®) und Adalimumab (Humira®) sind zwei neue Arzneistoffe zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA). Während Anakinra die entzündlichen Vorgänge bei der RA durch eine Blockade der Interleukin-1-Rezeptoren bewirkt, ist Adalimumab ein monoklonaler Antikörper, der den Tumornekrosefaktor-Š (TNFŠ) inhibiert. TNFŠ spielt eine zentrale Rolle bei den im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen, wie der RA, auftretenden Entzündungen.

Lipidsenker

Die Therapie der Hypercholesterolämie erfolgte bisher überwiegend durch Statine, die die Cholesterol-Biosynthese hemmen. Dass auch die Hemmung der Cholesterol-Absorption aus der Nahrung ein innovatives Therapieprinzip darstellt, zeigt die Entwicklung von Ezetimib (Ezetrol®), das die Cholesterol-Aufnahme aus der Nahrung blockiert. Die Substanz senkt signifikant den LDL-Cholesterolspiegel und wird zur Behandlung der Hypercholesterolämie sowie zur Prophylaxe der Koronaren Herzkrankheit zugelassen.

Aber auch bei den Statinen gibt es Neuentwicklungen. Rosuvastatin, ein hydrophiles Statin der 2. Generation, besitzt eine sehr gute Wirksamkeit und ausgeprägte Leberselektivität bei einem sehr geringen Interaktionspotenzial, da die Substanz nur in geringem Ausmaß über Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert wird. Im Gegensatz zu Cerivastatin, das aufgrund der Verursachung von Rhabdomyolyse vom Markt genommen werden musste, ist die Verträglichkeit von Rosuvastatin sehr gut.

Weitere Substanzen

Mit Atomoxetin (Strattera®) steht bald ein neuer Arzneistoff zur Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zur Verfügung. Atomoxetin erhöht die Konzentration von Noradrenalin im synaptischen Spalt der Neuronen und gehört wie Reboxetin zur Klasse der selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI).

In mehreren klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Atomoxetin eine dem Methylphenidat (Ritalin®) vergleichbare Wirkung besitzt, wobei die Nebenwirkungsrate (z. B. Appetitlosigkeit, Einschlafstörungen) sehr gering ausfiel. Die im Vergleich zu Methylphenidat fehlende Psycho-Stimulation und die einmal tägliche Applikation machen Atomoxetin zu einer geeigneten therapeutischen Alternative bei ADHS.

Aprepitant ist ein selektiver nicht-peptidischer Neurokinin-1-Antagonist, der bei Chemotherapie in Kombination mit 5-HT3-Antagonisten und Dexamethason effektiv vor Übelkeit und Erbrechen schützt. Die Blockade der emetisch wirksamen Neurokinine durch Aprepitant stellt ein innovatives, neuartiges Wirkprinzip dar und spielt vor allem in der Spätphase des Chemotherapeutika-induzierten Erbrechens eine Rolle.

Ein neues und innovatives pharmakologisches Wirkprinzip liegt auch dem PDE-4-Inhibitor Cilomilast (Ariflo®) zugrunde. Cilomilast hat entzündungshemmende und bronchodilatatorische Eigenschaften und wird zur Therapie der COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) eingesetzt. Die COPD beruht auf einer chronischen, nicht oder nicht vollständig reversiblen, exspiratorischen Flusslimitierung auf dem Boden einer chronischen Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem.

Ein Wirkstoff mit bekanntem Wirkprinzip, aber verbesserter Verträglichkeit ist der selektive Aldosteronantagonist Eplerenon. Der Arzneistoff, der in seiner Struktur sehr dem Aldosteronantagonisten Spironolacton ähnelt, kann sowohl bei Herzinsuffizienz als auch bei Hypertonie eingesetzt werden und besitzt ein sehr viel günstigeres Nebenwirkungsprofil als Spironolacton.

Ximelagatran, ein Prodrug, das im Körper in Melagatran umgewandelt wird, ist ein direkter Thrombinantagonist, d. h., die Wirkform Melagatran hemmt die Funktion des Thrombins durch eine Blockade des aktiven Zentrums. Ximelagatran steht kurz vor der Zulassung zur Thromboseprophylaxe und -therapie sowie zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern.

In seiner Funktion als Generalsekretär der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) wies Schubert-Zsilavecz auf die erstklassigen und sehr praxisnahen Arzneimittelinformationen in der Zeitschrift "Pharmazie in unserer Zeit" hin, die die Mitglieder der DPhG kostenlos erhalten.

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