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Herzinfarkt und Schlaganfall: Die Polypille soll es richten

Herzinfarkt und Schlaganfall gehören in den Industriestaaten zu den häufigsten Todesursachen. In Großbritannien soll sich dies nach Vorstellung einer Londoner Medizinergruppe künftig ändern. Die Wissenschaftler wollen die Bevölkerung mithilfe einer "Polypille" schützen.

"Sechs auf einen Streich" – so stellen sich Nicholas Wald und seine Kollegen vom Wolfson-Institut in London ihr Arzneimittel vor, das als Präventionsmaßnahme gegen Herzinfarkt und Schlaganfall allen Briten über 55 Jahren verabreicht werden soll.

Wie sie in der renommierten Fachzeitschrift "British Medical Journal" schreiben, arbeiten sie an einem Kombinationspräparat, das sich aus Acetylsalicylsäure (75 mg), Folsäure (0,8 mg), einem Statin (z. B. Atorvastatin in einer Dosis von 10 mg oder Simvastatin in einer Dosis von 40 mg) und drei Blutdrucksenkern (z. B. ein Diuretikum, ein Betablocker und ein ACE-Hemmer, jeweils in der halben Standarddosis) zusammensetzt.

Täglich verabreicht ließe sich mit dieser Polypille nach Ansicht der Entwickler die Rate an Herzinfarkt und Schlaganfall um 80 Prozent senken. Da in den westlichen Ländern etwa jeder Zweite in seinem Leben Herz-Kreislauf-Probleme bekommt, sei eine flächendeckende Verteilung der Tabletten gerechtfertigt, erklärt Wald.

Aufgrund der Tatsache, dass die einzelnen Komponenten in der Polypille nur niedrig dosiert eingesetzt werden, rechnet er nur mit einer geringen Nebenwirkungsrate. Die Pille wird seiner Aussage nach in etwa fünf Jahren herstellungsreif sein und soll dann ausführlich getestet werden. Bis zu einer eventuellen Markteinführung wird also noch einige Zeit ins Land gehen. ral

Quelle: British Medical Journal 2003, Vol. 326, Nr. 7404, S. 1419 – 1423

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