Arzneimittel und Therapie

Interview: Fragen rund um die Insulinpumpen-Therapie

(sw). Insulinpumpen werden zwar nicht über Apotheken vertrieben, trotzdem kommen Insulinpumpen-Patienten mit ihren Anliegen oft in die Apotheke, denn sie beziehen beispielsweise Insulin, Katheter, Blutzucker-Teststreifen und Batterien über die Apotheke. Wir sprachen mit Dr. Meike Femerling, Oberärztin am Diabetes-Behandlungszentrum des Kreiskrankenhauses Eckernförde, darüber, worauf bei Insulinpumpen geachtet werden sollte.

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Was leistet eine Insulinpumpe?

Femerling:

Die Pumpe fördert kontinuierlich Insulin und deckt so den Insulingrundbedarf entsprechend einer einprogrammierten Basalrate, die der physiologischen zirkadianen Rhythmik der Insulinsekretion sehr nahe kommen kann. Zusätzlich kann per Knopfdruck der nahrungsabhängige Bedarf als Bolus freigesetzt werden. Alle handelsüblichen Geräte sind meines Erachtens gut und sicher. Die Unterschiede erscheinen mir eher marginal.

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Welche Insuline werden in Insulinpumpen verwendet?

Femerling:

Man nimmt ausschließlich kurz wirksame Insuline, keine Verzögerungsinsuline. Sowohl Humaninsulin als auch Analoginsuline können eingesetzt werden. Auch Schweineinsulin darf verwendet werden, allerdings gibt es keine Fertigampullen. Die Konzentration (U40/U100) ist zu beachten.

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Müssen besonders stabilisierte Insuline in der Pumpe verwendet werden?

Femerling:

Dank besserem Kathetermaterial ist das heute eigentlich nicht mehr nötig. Die Insuline enthalten Konservierungsstoffe, die meisten zusätzlich das Netzmittel Genapol, um die Insulinadhäsion im Katheter zu verringern.

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Für wen eignet sich die Insulintherapie mit der Pumpe?

Femerling:

Grundsätzlich eignet sich die Pumpentherapie für insulinpflichtige Diabetiker jeden Alters. Sie kommt insbesondere für Patienten in Frage, bei denen die bisherige Therapie – in der Regel eine intensivierte Insulintherapie – keine gute Blutzuckereinstellung ermöglicht oder mit großem Aufwand, wie zahlreichen, auch nächtlichen Messungen und Injektionen, verbunden ist.

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Gibt es typische Indikationsgebiete für die Insulingabe über die Pumpe?

Femerling:

Ja, eine typische Indikation ist das Vorkommen schwerer Hypoglykämien. Eine andere wichtige Indikation ist das Dawn-Phänomen. Darunter versteht man den bei manchen Diabetikern am frühen Morgen (dawn = Morgendämmerung) hochschießenden Blutzuckerspiegel. Auch vor und während einer Schwangerschaft können Typ-1-Diabetikerinnen gut mit einer Pumpe behandelt werden.

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Was kann man mit der Pumpentherapie im Vergleich zu multiplen Injektionen erreichen?

Femerling:

Die Pumpe erlaubt individuell eine bessere medizinische Behandlung des Diabetes mellitus; durch die bessere Stoffwechseleinstellung hilft sie Akutkomplikationen, wie Hypoglykämien, aber auch Spätkomplikationen zu vermeiden. Zusätzlich scheint sie eine höhere Lebensqualität zu gewährleisten, beispielsweise eine höhere Flexibilität bei den Mahlzeiten.

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Was kostet eine Pumpe?

Femerling:

Die Kosten belaufen sich auf rund 3500 Euro. Die Pumpenbehandlung ist teurer als die intensivierte Insulintherapie, nicht nur durch das Gerät und die Verbrauchsmaterialien, sondern auch durch eine etwas aufwändigere Schulung der Patienten.

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Wie unterscheidet sich die Schulung eines Pumpenpatienten von anderen Diabetikern?

Femerling:

Er benötigt zusätzlich eine Pumpenschulung, das heißt eine Schulung zur Handhabung des technischen Geräts. Hier geht es um Fragen, wie das Legen des Katheters und das Bedienen der unterschiedlichen Pumpfunktionen.

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Wie sieht der ideale Pumpenpatient aus?

Femerling:

Auf jeden Fall sollte man die Insulinpumpe nur Patienten verordnen, die dies auch selbst wollen. Eine Insulinpumpe ist eine invasive Behandlung: Der Patient muss sich Katheter legen und die Pumpe (fast) immer bei sich tragen. Deshalb brechen viele Patienten eine Pumpentherapie ab, wenn sie nicht aus eigenem Antrieb begonnen wurde.

Der Patient sollte mit den Prinzipien der intensivierten Insulintherapie vertraut sein. Dazu gehört die Trennung von Basal- und Bolusinsulin und die eigenständige Anpassung der Insulindosis. Der Patient muss verantwortungsbewusst genug sein, um regelmäßig – vier- bis sechsmal täglich – seinen Blutzucker zu kontrollieren. Er muss in der Lage sein, seinen Insulinbedarf zu berechnen.

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Wie kommt es zur Gewichtszunahme unter der Pumpentherapie?

Femerling:

Sie ist wahrscheinlich durch die bessere Insulinversorgung bedingt und durch die Möglichkeit einer freien Kost. Das Risiko, durch Überernährung dick zu werden, entspricht dann dem der Nichtdiabetiker.

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Kommt eine Insulinpumpe auch für Typ-2-Diabetiker in Frage?

Femerling:

Es mag bei Typ-2-Diabetikern einzelne Indikationen für die Pumpe geben. Das Interessante an der Pumpe ist jedoch die basale Insulinsubstitution, die bei Typ-2-Diabetikern nicht das Hauptproblem darstellt.

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Frau Dr. Femerling, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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