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Universität Tübingen: Zertifikatskurs "Clinical Pharmacy"

Seit 1997 haben Apotheker durch Teilnahme an dem Zertifikatskurs "Clinical Pharmacy" an der Universität Tübingen die Möglichkeit, ihre berufliche Kompetenz zu erweitern. Moderne Konzepte klinisch-pharmazeutischer Tätigkeitsfelder, zum Beispiel in den Bereichen Drug Monitoring, Wundbehandlung oder onkologischer Supportivtherapie, werden während des knapp vierwöchigen Kurses vermittelt. Wie gut sich die neu erworbenen Kenntnisse tatsächlich in die Praxis umsetzen lassen, wurde nun durch eine Erhebung unter den ehemaligen Kursteilnehmern evaluiert. Die Rückmeldungen spiegeln insgesamt eine große Zufriedenheit wider. Nicht zuletzt hat sich offenbar das Selbstbewusstsein vieler der Befragten in der kollegialen Zusammenarbeit mit Ärzten deutlich verbessert.

Der Zertifikatskurs entstand durch die Initiative von Dr. Rüdiger Kilian und weiteren Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (DGKPha), Prof. Dr. Lutz Heide von der Universität Tübingen und Dr. Soraya Dhillon von der University of London School of Pharmacy (ULSOP). Die Träger des Kurses sind das Pharmazeutische Institut der Universität Tübingen, die ULSOP, die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, die DGKPha und der Bundesverband der Deutschen Krankenhausapotheker (ADKA).

Zwanzig Apothekerinnen und Apothekern wird jährlich berufsbegleitend der Einstieg in die Klinische Pharmazie ermöglicht (1, 2). Bei erfolgreichem Abschluss wird das "Certificate in Pharmacy Practice" der Universitäten London und Tübingen verliehen.

In einem zehntägigen Blockunterricht an der Universität Tübingen erhalten die Teilnehmer einen theoretischen Überblick zur Klinischen Pharmazie und erwerben anhand von Beispielen und Übungen wichtige Grundkenntnisse. Die Themen umfassen Therapeutisches Drug Monitoring, Arzneimittelanwendung, zum Beispiel in der Onkologie, Klinische Ernährung, Wundbehandlung, Arzneimittelinformation, Therapiemonitoring anhand von Patientenakten und die Interpretation von Labordaten.

Diese Kenntnisse werden bei einem zweiwöchigen Stationsaufenthalt in der Praxis angewendet. Unter Anleitung eines erfahrenen Klinischen Pharmazeuten haben die Teilnehmer Gelegenheit, sich intensiv mit klinisch-pharmazeutischen Fragestellungen auseinander zu setzen und den Stationsalltag kennen zu lernen.

Eine Nachbefragung der Teilnehmer und ihrer Vorgesetzten 15 Monate nach Ende des ersten Zertifikatskurses zeigte, dass sich die Kursinhalte auch im pharmazeutischen Alltag – von der Offizin bis zum Dienst im Krankenhaus – umsetzen ließen (3). In der hier vorgestellten zweiten Befragung wurde ermittelt, ob sich dieser Trend auch mehrere Jahre nach Etablierung des Kurses fortsetzt und welche Themen und Erfahrungen den Apothekern rückblickend wichtig waren.

Basis der Datenerhebung

Die Nachbefragung ehemaliger Kursteilnehmer umfasste die Jahrgänge 1997 bis einschließlich 2001. Auf der Grundlage der Ergebnisse der ersten Befragung wurde ein dreiseitiger standardisierter Fragebogen mit 15 Fragen erarbeitet. Neben Fragen, die durch einfaches Ankreuzen beantwortet werden konnten, wurde auch Raum gelassen, freie Kommentare zu geben.

Der Fragebogen wurde an sämtliche 102 ehemaligen Kursteilnehmer verschickt. 49 Fragebögen (48 %) kamen beantwortet zurück und konnten ausgewertet werden, 14 waren auf Grund geänderter Adressen rückläufig. Die Rückmeldungen waren gleichmäßig über alle Kursjahrgänge verteilt und sollten daher ein repräsentatives Bild ergeben.

Ergebnisse

Die Mehrheit (62 %) der ehemaligen Teilnehmer ist zurzeit in einem Krankenhaus beschäftigt, knapp ein Drittel in einer Offizin, die übrigen arbeiten in verschiedenen Bereichen, wie z. B. an der Hochschule oder als Apotheker in einer Arztpraxis. 23 Personen (47 %) haben den Fachapotheker in Klinischer Pharmazie, 6 (12 %) den Fachapotheker in Offizinpharmazie, Arzneimittelinformation oder einem anderen Gebiet.

Sämtliche Teilnehmer, mit einer Ausnahme, gaben an, dass sie Inhalte des Kurses in der Praxis anwenden. Arzneimittelinformation, Wundbehandlung und Monitoring von Arzneimitteltherapie waren die Themen, die besonders häufig genannt wurden (Abb. 1).

Die Umsetzung erfolgt durch eine Vielzahl klinisch-pharmazeutischer Projekte (Abb. 2): Der Arzneimittelinformationsservice wurde am häufigsten genannt, die Teilnahme und Mitarbeit an ärztlichen Visiten wurde ebenfalls von mehr als der Hälfte der Befragten angegeben. Viele Apotheker engagieren sich in Arbeitskreisen oder Qualitätszirkeln.

Die Schwerpunkte umfassen Wundversorgung, Onkologie, Schmerztherapie und Hygiene. Projekte, die Therapeutisches Drug Monitoring und Klinische Ernährung betreffen, werden häufiger von Klinikapothekern umgesetzt, während Patientenschulungen, sowie Pharmaceutical-Care-Projekte hauptsächlich von Offizinapothekern durchgeführt werden. Die überwiegende Mehrheit der Projekte (70 %) wird von den Apothekern dauerhaft weitergeführt.

Zeitmangel gaben über 80 % der Apotheker als das Haupthindernis bei der Umsetzung des im Kurs Erlernten an. Dagegen wurden fehlende finanzielle Mittel, mangelnde Kooperation oder Unterstützung von Ärzten und Apothekenleitern weniger häufig genannt (Abb. 3). Nur knapp 10 % erachteten die Themen des Kurses als irrelevant für ihr Betätigungsfeld.

Größere Kompetenz, ein größeres Selbstbewusstsein im Umgang mit Ärzten und mehr Zufriedenheit im Beruf waren wichtige Veränderungen, die der Kurs bei den Befragten bewirkt hat. Durch die Weiterbildung bekamen sie neue Ideen für Projekte und die Motivation zu deren Umsetzung wurde gestärkt. Die neugeknüpften Kontakte zu Kollegen, wurden ebenfalls als positiv empfunden. Einzelne gaben an, dass das Zertifikat bei einem Stellenwechsel ein Einstellungskriterium war. 90 % der Teilnehmer haben den Kurs weiterempfohlen.

Ein Offizinapotheker schrieb: "Den Kurs fand ich rundum gut! Ich konnte viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen! Er war auf jeden Fall ein Hilfe für die berufliche Praxis."

Darüber hinaus empfanden es eine Reihe der Teilnehmer als ein sehr gute Erfahrung, die Sichtweise der Mediziner kennen zu lernen und einen Einblick in den Stationsalltag zu gewinnen: Die Kursinhalte, so ein Teilnehmer, schließen die Lücke zwischen Arzt- bzw. Apothekerdenkweise.

Fazit

Die überwiegend positive Resonanz zeigt, dass die im Zertifikatskurs behandelten klinisch-pharmazeutischen Themen praxisrelevant sind. Das Themenspektrum des Kurses kann somit beibehalten werden. Einige Spezialgebiete, wie die Wundbehandlung, die im Kurs relativ knapp behandelt werden, sind wichtig für die pharmazeutische Praxis. Sie könnten daher vertieft werden. Das für den Kurs 2003 erstmalig vorgesehene Seminarthema der Schmerztherapie scheint eine Lücke zu schließen.

Erfreulich ist, dass die Apotheker über eine große Vielfalt von Projekten berichten. Dies zeigt, dass die erworbenen Kenntnisse in der Klinik, Offizin und in anderen Bereichen gut umsetzbar sind.

Danksagung:

Wir danken Hannelore Kreckel und Dr. Christiane Staiger für ihre hilfreichen Kommentare bei der Erstellung des Fragebogens. Wir danken allen Tutoren und Referenten des Kurses für ihr großes Engagement.

Informationen zum Kurs Dr. Katja Taxis Pharmazeutisches Institut Pharmazeutische Biologie Universität Tübingen Auf der Morgenstelle 8 72076 Tübingen E-Mail: katja.taxis@uni-tuebingen.de

Kommentare zum Kurs "Der Kurs war sehr hilfreich bei der Bearbeitung klinischer Fragestellungen in der Krankenhaus- Praxis, und auf das Skript kann man immer wieder als nützliche Informationsquelle zurückgreifen. Viele wichtige Infos, die man in der Ausbildung und auch in der Praxis sonst nicht lernt."

"Der Kurs vermittelt einem die Basis, von der aus man auf Station losarbeiten kann. Alle angesprochenen Themen sind relevant und wurden an unserem Krankenhaus auch bearbeitet."

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