Arzneimittel und Therapie

COPD frühzeitig diagnostizieren: Kennen Sie ihren FEV1-Wert?

Fast jeder kennt seine Blutdruckwerte, ältere Menschen meist auch ihren Cholesterinwert. Doch wer weiß schon über seine Lungenfunktionsparameter Bescheid? Ein Fehler. Denn sie geben Aufschluss über eine drohende COPD.

Auswurf – Husten – Atemnot, kurz AHA, kennzeichnen die chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD – chronic obstructive pulmonary disease), die derzeit in den Mittelpunkt des pneumologischen Interesses gerückt ist. Und das durchaus zu Recht. All zu lange wurde die medizinische und ökonomische Bedeutung der COPD völlig unterschätzt.

Während beim Asthma bronchiale Prävalenz und Morbidität insbesondere durch die Einführung inhalativer Corticoide in das Therapieregime rückläufig sind, ist die COPD im Kommen. Derzeit liegt sie weltweit auf dem sechsten Platz der zum Tode führenden Krankheiten. Doch schon 2020, so die Schätzungen, wird sie sich auf Platz 3 "hochgearbeitet" haben – hinter den koronaren Herzkrankheiten (KHK) und dem Schlaganfall. Die Prävalenz in Deutschland wird zwischen 3 und 7 Prozent geschätzt. Hauptrisikofaktor ist das Rauchen. Zwar entwickelt längst nicht jeder Raucher eine COPD. Wer aber auf den Rauch suszeptibel reagiert, muss mit einer frühen Morbidität und hohem Mortalitätsrisiko rechnen.

Symptome oft nicht ernst genommen

COPD ist ein Sammelbegriff. Dahinter verbergen sich die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem (siehe Kasten). Doch die Auswirkungen der COPD beschränken sich nicht auf die Lungenfunktion. Auch kardiovaskuläre Reserven werden reduziert, die Leistungsfähigkeit der peripheren Muskulatur sinkt und das Osteoporoserisiko steigt. Sekundär können sich als Folge der Dyspnoe Depression und Angststörungen entwickeln.

Das Hauptproblem bei der COPD ist die späte Diagnosestellung. Der Grund: Die Symptome setzen schleichend ein und werden anfangs kaum beachtet, auch, weil der Patient sich unbewusst auf die schlechtere Lungenfunktion einstellt. Den Patienten nur zu fragen "Wie geht's?" führt deshalb kaum zum Ziel. Eine rechtzeitige Diagnosestellung ist nur durch die Bestimmung der Lungenfunktionsparameter möglich. Immer häufiger wird deshalb ein breiterer Einsatz der Spirometrie gefordert.

Wie schlecht die Situation tatsächlich ist, förderte eine epidemiologische Studie in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt zu Tage. Dort wurden bei Patienten in Wartezimmern von Arztpraxen spirometrische Messungen durchgeführt. 7,2 Prozent hatte einen FEV1 < 70 Prozent des Sollwerts. Die entscheidenden Punkte: Bei etwa der Hälfte war die verringerte Lungenfunktion nicht einmal diagnostiziert, etwa 25 Prozent hatten keinerlei Beschwerden.

Größtes Einsparpotenzial: kostenintensive Exazerbationen verhindern

Am wichtigsten ist es, COPD und Asthma bronchiale differenzialdiagnostisch zu unterscheiden (siehe DAZ 15/2003, S. 71). Wenn die Diagnose steht, sollte vor allem dem Zigarettenrauchen endgültig abgeschworen werden. Hier gilt es durchaus als sinnvoll, auf die gängigen Konzepte zur Raucherentwöhnung zurückzugreifen.

Therapiert wird die COPD ähnlich wie beim Asthma bronchiale nach einem Stufenplan, in dem Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika im Mittelpunkt stehen. Als wesentlicher Fortschritt gilt das lang wirksame Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®), das nicht nur die Lungenfunktion verbessert, sondern auch die Zahl der Exazerbationen und Krankenhauseinweisungen reduziert.

Dass gerade diese besonders kostenintensiv sind, zeigen die Ergebnisse der ersten Krankheitskostenstudie zur COPD in Deutschland. So belaufen sich die Kosten pro Exazerbation aus volkswirtschaftlicher Perspektive im Mittel auf 412 Euro (ambulant: 149 Euro, stationär: 2960 Euro). Dass die Kosten mit dem Schweregrad steigen, versteht sich ohnehin von selbst (leicht: 2364 Euro/Jahr, mittelschwer: 3332 Euro/Jahr, schwer: 6585 Euro/Jahr).

Rechtzeitige adäquate und effektive Therapie, die die Progression verlangsamt und kostenintensive Exazerbationen verhindert, bietet daher das größte Einsparpotenzial. Übrigens: Die Kosten für Medikamente bei COPD liegen gerade einmal bei 23 Prozent.

Quelle

Prof. Dr. D. Nowak, München; Dr. E. S. Dietrich, Köln; Prof. Dr. P. Oberender, Bayreuth: Pressekonferenz "COPD – unerkannt und kostenintensiv!", München, 21. März 2003, veranstaltet von der Boehringer Ingelheim Pharma KG, Ingelheim, und der Pfizer GmbH, Karlsruhe.

COPD ist eine ... ... "chronische Lungenkrankheit mit progredienter, nach Gabe von Bronchodilatatoren und/ oder Glucocorticoiden nicht vollständig reversibler Obstruktion auf dem Boden einer chronischen Bronchitis und/oder eines Lungenemphysems". Deutsche Atemwegsliga 2002

"Jeder sollte seinen FEV1-Wert kennen!" Prof. Dr. Dennis Nowak, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin, LMU München

1 Kommentar

FEV1

von Tom am 30.05.2019 um 14:29 Uhr

Ich habe einen FEV1 von 80-82% ( vom Sollwert) Also gesund?

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