Arzneimittel und Therapie

Sexuelle Störungen: Sildenafil bei erektilen Dysfunktionen unter Antidepressiva

Eine antidepressive Therapie geht häufig mit sexuellen Störungen einher. Diese unerwünschte Wirkung der Antidepressiva beeinträchtigt wiederum die Compliance und somit den Therapieerfolg. In einer Studie wurde untersucht, ob mit Hilfe von Sildenafil therapieinduzierte sexuelle Dysfunktionen verbessert werden können.

Antidepressiva müssen in der Regel über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, um einen Therapieerfolg zu erzielen und Rückfälle zu verhindern. Doch gerade bei einer medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva ist die Compliance von Seiten des Patienten ungenügend. Man schätzt, dass bis zu 70 % der Patienten weder eine kurz- noch eine langzeitige Therapie befolgen. Als Gründe hierfür werden meist unerwünschte Wirkungen genannt, davon in 60 bis 75 % aller Fälle sexuelle Dysfunktionen, Gewichtszunahme und Schlafstörungen.

Um einen Therapieabbruch zu verhindern, liegt es nahe, diese unerwünschten Wirkungen möglichst gering zu halten oder zu vermeiden. Daher wurde untersucht, ob die sexuellen Störungen bei einer antidepressiven Behandlung therapeutisch behoben werden können. Dazu wurde der Phosphodiesterase-Hemmer Sildenafil (Viagra®) eingesetzt, der bei erektilen Dysfunktionen unterschiedlichster Genese (z. B. bei erektilen Dysfunktionen aufgrund von Diabetes, Hypertonie, MS, Prostatektomie oder aufgrund einer antiandrogenen Therapie) wirksam ist.

Studie mit Sildenafil

Die sechswöchige, prospektive, randomisierte, doppelblinde und plazebokontrollierte Studie wurde an drei US-Zentren durchgeführt. An ihr nahmen 90 Männer im Durchschnittsalter von 45 Jahren teil, die aufgrund einer Depression Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (selektive und nicht-selektive) einnahmen und seit dieser Therapie an sexuellen Störungen litten. 45 Patienten wurden der Verumgruppe zugeteilt, 45 der Vergleichsgruppe; Art und Ausmaß der sexuellen Störungen war in beiden Gruppen vergleichbar.

Die Patienten wurden angehalten, vor der sexuellen Aktivität das für sie bestimmte Medikament (Sildenafil; beginnend mit 50 mg bis maximal 100 mg bzw. entsprechend Plazebo) einzunehmen und die Qualität ihrer sexuellen Aktivität anhand diverser Fragebögen zu charakterisierten. Zur Beurteilung der sexuellen Funktion wurden verschiedene Skalen herangezogen, in denen unter anderem erektile Funktionen, Orgasmusfähigkeit, Ejakulation, sexuelle Wünsche, Befriedigung nach dem Geschlechtsakt etc. bewertet wurden. Ferner wurde die Schwere der Depression mit Hilfe der Hamilton-Depressions-Skala beurteilt.

Verbessertes Sexualleben

85 % der Studienteilnehmer (76 % der Verum- und 89 % der Vergleichs-Gruppe) beendeten die Studie. 54,5 % der Sildenafil-Gruppe verglichen mit nur 4,4 % der Plazebo-Gruppe berichteten über eine deutliche bis sehr deutliche Verbesserung ihres Sexuallebens. Dieser Benefit umfasste sowohl erektile Funktionen als auch andere Aspekte der sexuellen Aktivität.

Das Ausmaß der Depression blieb in beiden Gruppen konstant und änderte sich nicht mit einer verbesserten Qualität des Sexuallebens. Sildenafil wurde gut vertragen, verursachte aber häufiger Kopfschmerzen und Flush als ein Plazebo. Ernsthafte unerwünschte Wirkungen traten nicht auf.

Eine antidepressive Therapie geht häufig mit sexuellen Störungen einher. Diese unerwünschte Wirkung der Antidepressiva beeinträchtigt wiederum die Compliance und somit den Therapieerfolg. In einer Studie wurde untersucht, ob mit Hilfe von Sildenafil therapieinduzierte sexuelle Dysfunktionen verbessert werden können.

Sexuelle Dysfunktion als unerwünschte Arzneimittelwirkung Sexuelle Dysfunktionen treten relativ häufig in Folge einer medikamentösen Therapie auf und gefährden die Compliance des Patienten. Sexuelle Störungen können unter anderem bei folgenden Medikamentengruppen auftreten (eine Auswahl):

  • Diuretika: Thiazide, Spironolacton
  • Antihypertensiva: Dihydralazin, Methyldopa, Clonidin
  • Herzmittel: Digitalispräparate, Verapamil, Propafenon
  • Lipidsenker: Fibrate
  • Magenmittel: Ranitidin, Cimetidin
  • Antidepressiva: SSRI, trizyklische Antidepressiva,
  • Lithiumpräparate, MAO-Hemmer
  • Antiepileptika: Carbamazepin
  • Haarwuchsmitttel: Finasterid
  • Hormone: Antiandrogene
  • Urologika: 5-Alpha-Reduktasehemmer
  • Tranquillantien: Benzodiazepine
  • Neuroleptika: Butyrophenone, Phenothiazine, Thioxanthene
  • Analgetika: Morphin
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