Arzneimittel und Therapie

Dermatologie: Imiquimod bei viralen Hauterkrankungen

Fast jeder hatte schon einmal eine Warze, und das ist nicht verwunderlich. Denn der häufigste Erreger, das humane Papillomavirus (HPV), ist weit verbreitet. Nach Schätzungen von Experten liegt der Durchseuchungsgrad bei 75 Prozent, jedes Jahr treten in Deutschland über 750000 Neuinfektionen mit HP-Viren auf. Einen neuen Therapieansatz bietet Imiquimod als ein Vertreter der so genannten Immune Response Modifier.

Von HPV wurden bisher mehr als 150 verschiedene Genotypen identifiziert. Die von ihnen verursachten Warzen unterscheiden sich im Aussehen und der Lokalisation am Körper. Am häufigsten (bei etwa 13 Prozent der Bevölkerung) treten die gewöhnlichen Warzen (Verrucae vulgares) auf. Sie sind vor allem an Händen und Füßen, an Ellenbogen oder im Gesicht zu finden.

Bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr können sie sich großflächig ausbreiten. Die rundlich-ovalen Flachwarzen (Verrucae planae juveniles) treten vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, bevorzugt im Gesicht, an Unterarmen und Händen. Dornwarzen (Verrucae plantares) entstehen meist an den Fußsohlen und wachsen durch den Druck des Körpergewichts wie ein Dorn in die Tiefe.

Feigwarzen im Genitalbereich

Die ebenfalls von HPV verursachten Feigwarzen (Condylomata acuminata) wurden von der WHO als sexuell übertragbare Erkrankung eingestuft. Etwa ein bis zwei Prozent der Frauen und Männer zwischen 15 und 49 Jahren sind davon betroffen, die Tendenz ist stark steigend. Feigwarzen treten hauptsächlich an Scheide, Schamlippen, Penis und After auf und sind hochgradig ansteckend.

Unbehandelt können sie sehr stark wuchern – bis hin zu einem blumenkohlartigen Aussehen. Während die meisten durch HPV verursachten Hautwarzen gutartig sind, ein begrenztes Wachstum zeigen und (vor allem bei Kindern und Jugendlichen) spontan und narbenlos abheilen, besteht bei etwa 70 Prozent der Feigwarzen das Risiko einer malignen Entartung.

Hohe Rezidivrate

Zur Behandlung von Feigwarzen stehen chirurgische Verfahren (Kürettage, Schere, Skalpell, Elektrochirurgie), Kältebehandlungen (Kryotherapie), die Lasertherapie oder eine lokale medikamentöse Therapie (z. B. mit Salicylsäure, Milchsäure, Tretinoin, Podophyllotoxin, 5-Fluoruracil, Bleomycin, Trichloressigsäure) zur Auswahl.

Diese Behandlungsmethoden sind meist langwierig und nicht immer von dauerhaftem Erfolg. Dies ist bei den ablativen Behandlungsmethoden (Kürettage, Kryotherapie, Laserbehandlung) vor allem darauf zurückzuführen, dass in der Umgebung der zerstörten Warzen häufig latent virusinfizierte Zellen zurückbleiben, die erneut proliferieren.

Innerhalb von Wochen bis Monaten kommt es dann bei bis zu 50 Prozent der Patienten zu einem Rezidiv; bei immundefizienten Patienten (HIV-Infizierte, Patienten nach Organtransplantation) muss sogar mit einer Rezidivrate von über 60 Prozent gerechnet werden.

Imiquimod stimuliert das Immunsystem

Einen neuen Therapieansatz bietet Imiquimod, ein Vertreter der so genannten Immune Response Modifier (Verstärker physiologischer Immunreaktionen). Die Wirkung beruht vor allem auf einer Stimulierung von Immunzellen wie Makrophagen, dendritischen Zellen und Langerhanszellen, die daraufhin verstärkt Zytokine wie Interferon alpha, Tumornekrosefaktor und Interleukine (IL-1, IL-6, IL-8) freisetzen.

Diese Zytokine aktivieren natürliche Killerzellen, steigern die Zytotoxizität der T-Lymphozyten und regen Plasmazellen zur erhöhten Antikörper-Produktion an. Interessant ist in diesem Zusammenhang die erst kürzlich gewonnene Erkenntnis, dass Imiquimod an den Toll-Like-Rezeptor 7 (TLR-7), einen wichtigen Bestandteil der angeborenen Immunabwehr, bindet.

Klinische Studien auch für andere Warzenarten

Imiquimod ist seit 1998 zur lokalen Behandlung von Feigwarzen im Genital- und Perianalbereich bei Erwachsenen zugelassen (Aldara® 5% Creme). In der größten bisher durchgeführten Phase-III-Studie mit 311 Kondylom-Patienten zeigte sich bei einer Behandlung über 16 Wochen bei 50 Prozent der Patienten eine vollständige Remission der Warzen, in der Plazebo-Gruppe nur bei 11 Prozent. Die Creme wurde dreimal wöchentlich abends aufgetragen und am Morgen abgewaschen.

In weiteren Studien wurde nun geprüft, ob Imiquimod über die zugelassene Indikation hinaus auch bei anderen Warzenarten und weiteren Patientengruppen Therapieerfolge zeigt. Dies vor dem Hintergrund, dass die im Kindesalter und bei gesunden Erwachsenen oft harmlosen vulgären Warzen bei immundefizienten Patienten oft ungebremst wachsen können und daher ein echtes Problem darstellen.

In einer offenen Studie wurden zunächst 50 Patienten (darunter vier Kinder), die immundefizient oder allergisch belastet waren und bei denen bisherige Behandlungsversuche zum größten Teil erfolglos geblieben waren, mit Imiquimod-Creme behandelt.

Bei 30 Prozent von ihnen heilten die Warzen nach durchschnittlich 9,4 Wochen Behandlung vollständig ab, bei weiteren 26 Prozent bildeten sie sich um mehr als die Hälfte zurück. Bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit (24 bis 64 Wochen) kam es nur bei einem Patienten zu einem Rezidiv. Größere doppelblinde und plazebokontrollierte Studien sind nun geplant, um die bisher erzielten Therapieeffekte zu überprüfen.

Die häufigsten unter Imiquimod-Behandlung beobachteten Nebenwirkungen waren lokale Reizerscheinungen, Erytheme und Juckreiz, die sich durch die vermehrte Zytokinproduktion erklären lassen. Die meisten Hautreaktionen verschwanden innerhalb von zwei Wochen nach Absetzen der Behandlung.

Quelle

Prof. Dr. med. Gerd E. Gross, Rostock; Prof. Dr. med. Helmut Schöfer, Frankfurt: Presseseminar "Imiquimod und virale Hauterkrankungen: Neue Studienergebnisse und erfolgreiche Behandlungsstrategien" im Rahmen der 42. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Berlin, 8. Mai 2003, veranstaltet von der 3M Deutschland GmbH, Neuss.

Fast jeder hatte schon einmal eine Warze, und das ist nicht verwunderlich. Denn der häufigste Erreger, das humane Papillomavirus (HPV), ist weit verbreitet. Einen neuen Therapieansatz bietet Imiquimod als ein Vertreter der so genannten Immune Response Modifier. Die Wirkung beruht vor allem auf einer Stimulierung von Immunzellen, die daraufhin verstärkt Zytokine freisetzen. Diese Zytokine aktivieren natürliche Killerzellen, steigern die Zytotoxizität der T-Lymphozyten und regen Plasmazellen zur erhöhten Antikörper-Produktion an. Interessant ist, dass Imiquimod an den Toll-Like-Rezeptor 7 (TLR-7), einen wichtigen Bestandteil der angeborenen Immunabwehr, bindet.