Arzneimittel und Therapie

Alzheimer-Demenz: Memantine erhält Alltagsaktivitäten

Eine Studie an 252 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz belegte die Wirksamkeit von Memantine (Ebixa®) beim Kampf gegen das Vergessen. Die Studiendaten stützen damit die praktischen Erfahrungen aus Klinik und Praxis. Die Daten zeigen, dass mit Memantine nicht nur der kognitive und funktionelle Abbau verlangsamt wird, sondern auch wichtige alltagsrelevante Aktivitäten nachhaltig verbessert werden.

Erhalten, was noch da ist

Wichtigstes Ziel einer Therapie der Alzheimer-Demenz ist es, verbliebene Funktionen so lange wie möglich zu erhalten. Dies kann die Pflege erleichtern und den Patienten kann auch weiterhin eine vertraute Umgebung ermöglicht werden.

In der prospektiven, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie wurden 252 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit von 20 mg Memantine/Tag untersucht. Die Patienten hatten einen MMSE-Wert (Mini-Mental-State-Examination) zwischen 3 und 14, alle Studienteilnehmer waren deutlich pflegebedürftig.

Die Ergebnisse belegen, dass die mit Memantine behandelten Patienten deutliche Vorteile in den drei entscheidenden Untersuchungsparametern aufweisen. Nicht nur Kognition (SIB, Severe Impairment Battery) und Globalurteil (CIBIC-plus, Clinician's Interview-Based Impression of Change) waren günstiger als unter Plazebo, auch in der Fähigkeit, komplexere Alltagsaktivitäten (ADCS-ADL severe, Activities of Daily Living) durchzuführen, waren die Memantine-Patienten den mit Plazebo Behandelten überlegen:

Betroffene waren mit Memantine doppelt so häufig in der Lage, sich außer Haus aufzuhalten oder das Telefon zu bedienen. Alltagsaktivitäten wie Abfall entsorgen oder Tisch säubern wurden fünf- bis sechsmal so häufig ohne fremde Hilfe ausgeführt als unter Plazebo. Weiterhin wurde eine Verminderung der Heimeinweisungen durch Memantine beobachtet: Statt fünf Patienten unter Plazebo wurde nur ein Patient unter Memantine in ein Pflegeheim eingewiesen.

Fortschritt für Patienten, Ärzte und Angehörige

Bislang beschränkten sich Untersuchungen zur Wirksamkeit von Antidementiva auf Patienten mit Alzheimer-Demenz im leichten bis mittleren Stadium. Der Wirksamkeitsnachweis im Spätstadium der Demenz gilt als sehr schwierig. Dabei sind gerade in diesem Krankheitsstadium Patienten und Angehörige besonders belastet und profitieren von einer Behandlung.

Die Ergebnisse der Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz zeigen, dass die Erkrankung zwar nicht heilbar ist, aber ein Fortschreiten kann dank antidementiver Therapien verhindert werden. So können die Betroffenen auch weiterhin am aktiven Leben teilhaben.

Glutamat – Vom Neurotransmitter zum Neurotoxin

Neben der klinischen Wirksamkeit bestätigen die aktuellen Studiendaten die Effektivität des Wirkmechanismus des N-Methyl-D-Aspartat(NMDA)-Rezeptor-Antagonisten Memantine, der den Neurotransmitter Glutamat als Angriffspunkt hat. Glutamat ist ein wichtiger exzitatorischer Neurotransmitter, der in einem Drittel aller Synapsen des ZNS aktiv ist.

Man geht davon aus, dass Glutamat in mehr als 70 Prozent aller erregenden Nervenzellen des Gehirns wirksam ist. Damit hat der Überträgerstoff eine enorme Bedeutung bei Lern- und Gedächtnisvorgängen. Bei der Alzheimer-Demenz kommt es zu einer erhöhten Glutamat-Konzentration am synaptischen Spalt. Dies führt zu einem vermehrten Calcium-Einstrom in die Nervenzelle und einer gestörten Signalübertragung.

Aus dem Neurotransmitter Glutamat wird ein Neurotoxin. Memantine wirkt nun als Modulator der glutamatergen Neurotransmission. Indem Memantine an den NMDA-Rezeptor bindet, reguliert es das Ungleichgewicht von Glutamat und Calcium sowie dessen pathologische Wirkung, ohne die physiologische Funktion zu beeinträchtigen. Wird bei einem eingehenden Signal Glutamat freigesetzt, gibt Memantine den Rezeptor kurzfristig wieder frei. Signale können erkannt und gezielt weitergeleitet werden.

Literatur

Reisberg, B., et al.: Memantine in Moderate-to-Severe Alzheimer's Disease; N. Eng. J. Med. 348, 1333 – 41 (2003). ck

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