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Apothekerverband Westfalen-Lippe: Großhandel wälzt Abschlag weitgehend auf Apo

BONN (im). In Westfalen hat der pharmazeutische Großhandel im ersten Quartal dieses Jahres rund 80 Prozent seines Abschlags von etwa zwölf Millionen Euro auf die Apotheken übergewälzt. Zusätzlich zu ihren eigenen Kassenrabatten mussten die Pharmazeuten dadurch weitere zehn Millionen Euro an die Krankenkassen abführen, berichtete Dr. Horst-Lothar Müller, Vorsitzender des Apothekerverbands, am 2. Mai in Münster.

In Westfalen-Lippe sinkt demnach die Apothekenzahl, nach Schließung von neun Apotheken im ersten Quartal dieses Jahres gibt es hier 2239 Offizinen. Auch in dieser Region ist das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Apotheken rückläufig.

Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) hat mit 2088 Inhabern einen Organisationsgrad von über 90 Prozent. Den Zahlen dieses Verbands zufolge stieg zwar der Bruttoumsatz der Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zwischen Januar und März um 6,15 Prozent (einschließlich Patienten-Zuzahlung), die effektiven Ausgaben jedoch seien wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Abschläge zurückgegangen.

So hätten die westfälischen Apotheken im ersten Quartal dieses Jahres Abschläge in Höhe von 47,27 Millionen Euro an die Kassen gezahlt und die Hersteller 13,21 Millionen Euro. Der Großhandel hätte 12,25 Millionen tragen müssen, die er jedoch mehrheitlich an die Apotheken weiterreichte. Die effektiven Arzneiausgaben der Kassen betrugen nach Angaben dieses Apothekerverbands in den ersten drei Monaten 559 Millionen Euro, das sei ein Rückgang von drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Gesamtumsatz in 2002 stieg ...

Im abgelaufenen Jahr hätten sich die GKV-Ausgaben noch um fünf Prozent auf 2,367 Milliarden Euro erhöht. Der Zuwachs in diesem Landesteil habe damit um 0,4 Prozent unter der bundesdeutschen Entwicklung mit einem Plus von 5,4 Prozent auf 22,05 Milliarden Euro gelegen. Die Selbstmedikation sei mit rund sieben Prozent stärker als der GKV-Umsatz gewachsen. Der Anstieg des Gesamtumsatzes der westfälischen Apotheken habe somit sechs Prozent betragen.

... der Rohertrag nicht

Trotz des GKV-Umsatzanstiegs sei das betriebswirtschaftliche Ergebnis zurückgegangen. Zwar hätten in 2002 die Mehrausgaben der GKV im Arzneimittelbereich 112,3 Millionen Euro betragen, dies habe wegen der Erhöhung des Kassenzwangsrabatts auf sechs Prozent den Rohertrag der Apotheken allerdings nicht wachsen lassen. So hätten zum Beispiel die Gesamtkosten (bei den Mitarbeitern und übrigen Kosten) um 3,5 Prozent zugelegt. Die Anteile der Mehrausgaben der Kassen hätten sich vielmehr auf die Industrie, den Großhandel und die Mehrwertsteuer verteilt.

Anstieg vor allem wegen teurer Arzneien

Der Umsatzanstieg in der GKV habe 2002 unter Berücksichtigung der Patienten-Zuzahlung brutto um sieben Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Dieses Plus sei vor allem auf die Verordnung innovativer und teuerer Arzneimittel zurückzuführen (so genannte Strukturkomponente). Nur 0,5 Prozentpunkte habe der Mengenzuwachs betragen, die Arzneimittel-Preise seien mit minus 0,4 Prozent sogar leicht rückläufig. Die Rezeptzahl sei im abgelaufenen Jahr um 1,86 Prozent gestiegen, der Rezeptdurchschnitt um 4,83 Prozent gegenüber 2001.

Zum Stichtag 31. Dezember 2002 habe es 2248 Apotheken bei 19 Schließungen und elf Neueröffnungen gegeben. In den westfälisch-lippischen Apotheken sind einschließlich der Leiter 13 800 Personen beschäftigt.

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