Prisma

Unterbewusstsein: Beeinflusst das Gehirn

Das menschliche Gehirn reagiert ununterbrochen auf Reize von außen. Selbst "unterschwellige" Reize, die zu schwach sind, um bewusst wahrgenommen zu werden, verarbeitet das Gehirn. Wie Befunde von Wissenschaftlern der Charité nahe legen, ist die Funktion dieser Reize größer als bisher angenommen.

Dr. Felix Blankenburg und Mitarbeiter der "Klinik für Neurologie" der Charité und dem "Berlin Neuroimaging Center" untersuchten den Effekt minimaler elektrischer Reize auf sensible Nerven an den Fingern von freiwilligen Probanden.

Die Verarbeitung dieser unterschwelligen Reize im Gehirn konnte mit dem modernen Verfahren der so genannten "funktionellen Magnet-Resonanz-Tomographie" (fMRT) räumlich und zeitlich dargestellt werden. Wie die Wissenschaftler im renommierten Wissenschaftsjournal "Science" schreiben, erwiesen sich dabei die Areale in der Hirnrinde, in denen die unterschwelligen sensiblen Reize verarbeitet werden, als die gleichen Bereiche, die man auch als Orte der Prozessierung überschwelliger Reize kennt – allerdings mit verminderter Hirnaktivität.

Die Forschergruppe stellte eine interessante Funktion der unterschwelligen Reize fest: Treffen sie auf gleichzeitig vorhandene überschwellige Reize, so schwächen sie diese ab. Die sensorische Wahrnehmungsschwelle erhöht sich. Diese Wirkung unterschwelliger Reize kann, so meint Blankenburg, einen Schutz für das Gehirn bedeuten: Die minimalen Reize könnten eine Art Schutzschild bilden gegen wahllose Wahrnehmung von Hirnaktivierungen, ob sie nun zufällig im Gehirn entstehen oder durch Stimulation von außen kommen.

Wenn durch Schädigungen des Gehirns (etwa durch Schlaganfall oder Verletzungen) jene Bereiche betroffen sind, die sensible Reize verarbeiten, so könnte dieser Schutzmechanismus ausfallen und die Empfindlichkeit gegenüber sensiblen Reizen krankhaft erhöht werden. ssch

Quelle: Pressemitteilung der Charité vom 21. 3. 2003; Science 2003, Vol. 299, Nr. 5614, S. 1864

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