Arzneimittel und Therapie

Schweres akutes respiratorisches Syndrom: WHO benennt Erreger als "SARS-Virus"

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat offiziell bestätigt, dass ein neues Virus der Coronafamilie die Ursache für das Schwere Akute Respiratorische Syndrom ist, es erhielt die Bezeichnung SARS-Virus. Erste molekularbiologische Untersuchungen des SARS-Erregers zeigten, dass sich dieses neue Virus auf Genomebene erheblich von anderen Coronaviren unterscheidet. Inzwischen ist die Zahl der SARS-Fälle weltweit auf 3861 gestiegen, 217 Menschen starben. Innerhalb Europas trat in Großbritannien der erste Fall einer lokalen Ansteckung auf, bisher wurden nur eingeschleppte Fälle verzeichnet.

Die WHO und die Labor-Kooperation widmeten den Nachweis sowie die Charakterisierung des SARS-Virus Carlo Urbani (Urbani SARS-associated Coronavirus). Der italienische Arzt war der erste WHO-Experte, der den Ausbruch der Krankheit an einem amerikanischen Geschäftsmann in Hanoi diagnostizierte. Durch die Aufmerksamkeit Urbanis gelang es der WHO, Verantwortliche in der ganzen Welt zu alarmieren. Er starb am 29. März 2003 selbst an SARS.

Genom in nur sechs Tagen entschlüsselt

Gerade einmal sechs Tage haben Forscher vom Genome Sciences Centre in Vancouver in Canada benötigt, um die Sequenz des als SARS-Erreger verdächtigten humanen Coronavirus zu entschlüsseln. Diese rasche Entschlüsselung des Genoms weckt Hoffnung auf einen Impfstoff gegen die Erkrankung, denn eine spezifische antivirale Therapie steht bisher nicht zur Verfügung. Über eine ständige Kontrolle der Gensequenz könnten sich zudem neue Stämme von humanen Coronaviren frühzeitig erkennen lassen.

Test liefert Nachweis in zwei Stunden

Dem Biotech-Unternehmen Artus ist es gemeinsam mit dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) gelungen, einen SARS-Test zu entwickeln, der innerhalb von nur zwei Stunden anhand von Mund- oder Rachenabstrichen, Speichel oder Stuhlproben eine Infektion mit den Coronaviren nachweisbar macht. Er beruht auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), mit der bereits Spuren von an DNA aufgespürt und vervielfältigt werden können.

So können die Erreger bereits in den ersten Tagen der Infektion nachgewiesen werden. Bisher gab es nur Testverfahren, die mindestens 10 Tage dauerten. Sensitivität und Spezifität liegen nach Herstellerangaben nahezu bei 100 Prozent Der Test soll kostenlos an Labore abgegeben werden, die bereit sind, das Verfahren zu evaluieren. Später soll er für etwa 20 Euro pro Nachweis erhältlich sein.

Ansteckung erstmals innerhalb Europas

Bei allen europäischen Fällen des schweren akuten Atemwegssyndroms handelt es sich nach Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO um so genannte importierte Erkrankungen, bei denen sich die Patienten außerhalb Europas infiziert hatten. Jetzt hat sich erstmals innerhalb Europas ein Mensch mit der Lungenkrankheit SARS angesteckt.

Ein britischer Geschäftsmann wird Medienberichten zufolge mit SARS-Symptomen auf der Intensivstation eines Londoner Krankenhauses behandelt und war in jüngerer Zeit nicht im Ausland. Das britische Gesundheitsministerium bestätigte, dass es sich um den ersten SARS-Fall handele, bei dem sich ein Mensch in Großbritannien angesteckt habe.

Nachdem sich in Deutschland bisherige Verdachtsfälle auf SARS nicht bestätigt haben, gibt es jetzt einen weiteren SARS-Verdachtsfall. Wie das Münchner Gesundheitsministerium mitteilte, handelt es sich um einen 45-Jährigen Bayern, der am Ostersamstag von einer Reise aus China zurückgekehrt war und bei dem auf Grund der Symptome eine SARS-Infektion nicht ausgeschlossen werden könne.

Gemeinsame Impfstoffsuche schwierig

Bei der Suche nach einem möglichen Impfstoff gegen das Virus wird vermehrt auf eine Intensivierung und eine Zusammenarbeit gesetzt. So wirbt die US-Regierung um Pharmakonzerne und Biotechnologie-Unternehmen. Sie sollen nach Medikamenten und Impfstoffen gegen die Lungenkrankheit suchen. Die Rekrutierung von Firmen zur Entwicklung von Substanzen gegen den Erreger erweist sich als schwierig. Es ist einfach unklar, wie groß der Markt für Impfstoffe und Medikamente sein wird. Man hoffte vor allem große Konzerne locken zu können.

Nur einige wenige Firmen reagieren allerdings. Der Impfstoff-Hersteller Aventis Pasteur hat zum Beispiel Zellen zur Verfügung gestellt, die die Züchtung des SARS-Virus in Kulturen ermöglichen. Kleinere Unternehmen zeigen mehr Engagement. ViroPharma lässt seine Medikamente und Substanzen von der US-Army auf eine mögliche SARS-Wirkung testen.

Auch die Firma AVU Biopharma aus Portland/Oregon und Advanced Viral Research untersuchen ihre Medikamente auf "SARS-Tauglichkeit". Das Privatunternehmen Perlan Therapeutics aus San Diego, das derzeit einen Wirkstoff gegen Erkältungen entwickelt, ist noch am überlegen, ihre Forschung auch auf das SARS-Virus zu erweitern. Dort wurden bereits SARS-ähnliche Viren angefordert. Andere Unternehmen schienen allerdings ähnliche Forschungen anstellen zu wollen. Die Viren waren ausverkauft. ck

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