Arzneimittel und Therapie

Ständige Impfkommission: Impfungen – was ist neu?

Die letzte Aktualisierung der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin (STIKO) erfolgte im Juli vergangenen Jahres. Eine grundsätzliche Neuerung war die Erweiterung der bisherigen Impfkategorien.

Man unterscheidet jetzt folgende Kategorien:

  • S Standardimpfungen mit allgemeiner Anwendung (= Regelimpfungen)
  • A Auffrischimpfungen
  • I Indikationsimpfungen (für Risikogruppen bei individuell erhöhtem Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko sowie zum Schutz Dritter)
  • B Beruflich indizierte Impfungen
  • R Reiseimpfungen
  • P Postexpositionsprophylaxe (Riegelungsimpfungen und spezifische Prophylaxe wie Immunglobulingabe oder Chemoprophylaxe, für Kontaktpersonen)

Der aktuelle Impfkalender umfasst die Grundimmunisierung zum Schutz vor Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Hämophilus influenzae Typ b, Hepatitis B, Poliomyelitis, Mumps, Masern und Röteln im Kindesalter sowie die Impfungen zum Schutz vor Influenza und Pneumokokken für Erwachsene.

Die STIKO empfiehlt, die Grundimmunisierung bis zum Alter von 14 Monaten abzuschließen. Danach sollte der Impfstatus regelmäßig überprüft und gegebenenfalls komplettiert werden. Weiterhin sind in den STIKO-Empfehlungen Hinweise zu den Impfungen gegen Cholera, FSME, Gelbfieber, Hepatitis A, Meningokokken, Tollwut, Tuberkulose, Typhus und Varizellen enthalten.

Bei folgenden Impfungen wurden Veränderungen bzw. Aktualisierungen vorgenommen:

Diphtherie- und Tetanusimpfung

Die Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus sollten alle 10 Jahre – möglichst mit einem Kombinationsimpfstoff – aufgefrischt werden. Ab einem Alter von 5 bis 6 Jahren wird ein Impfstoff mit reduziertem Diphtherietoxoid-Gehalt (Td) eingesetzt.

Poliomyelitis-Impfung

Laut STIKO gelten Erwachsene mit vier oder mehr dokumentierten OPV- oder IPV-Impfungen als vollständig immunisiert. Daher ist gegebenenfalls bei Jugendlichen zwischen 9 und 17 Jahren eine Komplettierung des Poliomyelitis-Impfschutzes notwendig. Der Polio-Lebendimpfstoff (orale Polio-Vakzine, OPV) wird wegen des – wenn auch sehr geringen – Risikos einer Vakzine-assoziierten paralytischen Poliomyelitis nicht mehr empfohlen. Stattdessen sollte ein zu injizierender Impfstoff (inaktivierte Polio-Vakzine, IPV) angewendet werden.

Europa erhielt im Juni 2002 von der WHO das Zertifikat "poliofrei", angestrebt ist eine weltweite Eliminierung der Erkrankung bis 2005. Eine Maßnahme zur Verhinderung der Wiedereinschleppung der Erreger ist daher die Klassifizierung der Poliomyelitis-Impfung im Rahmen einer Reise in Endemiegebiete als Indikationsimpfung (und nicht als vom Impfling kostenmäßig selbst zu tragende Reiseimpfung). Personen ohne Nachweis einer Grundimmunisierung sollten vor Reisebeginn wenigstens zwei Dosen IPV erhalten.

Hepatitis-A-Impfung

Die berufliche Impfindikation bei Kanalisations- und Klärwerksarbeitern wurde durch die Einfügung "mit direktem Kontakt zu Abwasser" präzisiert.

Hepatitis-B-Impfung

Serologische Tests zur Kontrolle des Impferfolgs sind bei der Regelimpfung im Kindes- und Jugendalter nicht erforderlich. Bei Hepatitis-B-gefährdetem Personal im Gesundheitsdienst, Dialysepatienten, Patienten mit Bluttransfusionen (Hämophilie-Patienten, Patienten vor ausgedehnter OP), Personen mit chronischen Lebererkrankungen, HB-Antigen-negativen HIV-Patienten oder Kontaktpersonen von HbsAG-Trägern und – neu aufgenommen – Personen mit Immundefizienz ist dies jedoch notwendig.

Die Empfehlung zur Auffrischimpfung wird an das Bestehen bzw. Fortbestehen eines Infektionsrisikos mit einer anzunehmenden hohen Infektionsdosis (z. B. Nadelstichverletzungen, needle sharing, Transfusionen) gebunden und schließt ausdrücklich Hämodialyse-Patienten mit ein.

Impfung gegen Meningokokken-Erkrankungen

Die neue STIKO-Empfehlung enthält erstmalig Hinweise zur Aufeinanderfolge von Polysaccharid- und Konjugat-Impfstoff. Die Indikationsgruppe "Patienten mit Immundefekt" wurde durch "Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion" ersetzt, da nur diese von einer solchen Impfung profitieren, was auch für die Pneumokokken-Impfung gilt.

Die Reiseindikation wurde um "Aufenthalte in Regionen mit Krankheitsausbrüchen für die einheimische Bevölkerung" erweitert. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Meningokokken-Impfung bei Jugendlichen, die sich im Rahmen eines Schüleraustauschs kurzfristig in einem Land aufhalten, in dem diese Impfung für Jugendliche empfohlen wird, indiziert sein kann.

FSME-Impfung

Als Voraussetzung für die Impfindikation wird die individuelle Gefährdung durch eine mögliche Zeckenexposition in einem Risikogebiet hervorgehoben. Eine aktualisierte Darstellung der FSME-Risikogebiete wurde im Epidemiologischen Bulletin 26/2002 des Robert Koch-Instituts veröffentlicht.

In Deutschland stehen jetzt wieder gut verträgliche Impfstoffe für Kinder und Erwachsene zur Verfügung (Encepur® Kinder, Encepur® Erwachsene, Chiron Behring; FSME-immun® Erwachsene, FSME-immun® junior, Baxter, Letzterer voraussichtlich ab Juni 2003 im Handel).

Standardimpfungen im Erwachsenenalter

Zu den Standardimpfungen im Erwachsenenalter zählen die Auffrischungen gegen Diphtherie und Tetanus sowie die Impfungen der über 60-Jährigen gegen Influenza und Pneumokokken-Erkrankungen. Diese wurden erstmalig in den Impfkalender (der bisher nur die empfohlenen Standardimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche enthielt) aufgenommen, was ihre Wichtigkeit unterstreicht.

Die Indikationsgruppen der Influenza-Impfung wurden um "Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen" sowie "Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen fungieren" erweitert und damit epidemiologischen Erkenntnissen und international üblichen Empfehlungen angepasst.

Maßnahmen der Postexpositionsprophylaxe

Nach § 20 des Infektionsschutzgesetzes hat die STIKO auch die Aufgabe, Empfehlungen zur Durchführung anderer Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe übertragbarer Krankheiten zu erarbeiten. Daher wurden 2002 erweiterte Empfehlungen zur Postexpositionsprophylaxe (PEP) für folgende Infektionskrankheiten veröffentlicht: Diphtherie, Hämophilus influenzae Typ b, Masern, Mumps, Röteln, Meningokokken, Pertussis, Poliomyelitis und Varizellen.

Quelle

Epidemiologisches Bulletin 28/2002, (www.rki.de)

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