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Ganz klar: deutsche Großhändler und deutsche Apotheken. Das jedenfalls sagt Ralf Däinghaus, gelernter Informatiker und Chef von DocMorris, in einem Interview in der FAZ-Sonntagszeitung vom 20. April, das überschrieben ist mit "Wir tricksen die Apotheker aus".

Ein dickes Ei, das uns da am Ostersonntag Morgen auf den Tisch gelegt wurde. Natürlich hat Däinghaus nicht verraten, wer ihn beliefert, "sonst kriegen die Probleme". Vielmehr macht er sich über Deutschlands Apotheker und "Verbandskasper" lustig. Selbst das Nachspionieren mit Detektiven, um die Lieferanten ausfindig zu machen, habe nichts genutzt. Im übrigen ziehe man aus allen Streitereien mit den Apotheken Kapital. Auch aus der ABDA-Unterschriftenaktion gegen den Versandhandel. Däinghaus im FAZ-Interview: "Vielen Dank! Jetzt wissen 7,7 Millionen Menschen mehr, dass es uns gibt."

Der DocMorris-Chef räumt ein, dass er zur Zeit Wettbewerbsvorteile mitnimmt; so hat die Versandapotheke keinen Sonn- und Feiertagsdienst, keinen Nacht- und Notdienst. Er wehrt sich allerdings gegen das Argument, Rosinenpickerei zu betreiben. Außer Betäubungsmittel verschicke er jedes Arzneimittel, auch die billigen. Und natürlich habe er die Aktionen von Apothekern durchschaut, bei denen hunderte von Apotheker Paracetamol für 1 Euro 32 Cent bestellten, und ihnen einen lustigen Brief geschrieben.

Noch zahlt er, so gibt Däinghaus zu, bei jeder billigen Bestellung drauf, außerdem bezahlt DocMorris den Kurierdienst, das Telefongespräch und die Zuzahlung des Patienten. Aber es rechne sich trotzdem aufgrund der Mischkalkulation. Beispielsweise sei das meistverkaufte Arzneimittel bei dieser Versandapotheke Viagra. Auch über das Procedere der derzeitigen "Auslieferung" spricht Däinghaus offen: zur Zeit liefert DocMorris nicht nach Deutschland, da dies gerichtlich untersagt ist. Vielmehr holt der Kunde seine Ware per Kurierdienst ab – den DocMorris bezahlt. So einfach wird hier getrickst.

In dem Interview wehrt sich der DocMorris-Chef gegen die von Apothekern erhobenen Vorwürfe, eine Internetapotheke sei nicht sicher. "Wir bieten mehr Sicherheit als der stationäre Apotheker", behauptet er, denn jede Bestellung werde von Fachkräften am Computer genau überprüft ..."Beratung fängt nicht da an, wo der grauhaarige Apotheker seine Lesebrille zurechtrückt". Eine Versandapotheke versteht sich nach Auffassung von Däinghaus als Ergänzung zu den stationären Apotheken – der Kunde soll mit den Füßen abstimmen, was er will. Zur Zeit knapst DocMorris den deutschen Apothekern "sagenhafte 1,1 Promille" Umsatz weg, acht Prozent hält der Versandapothekengründer Däinghaus jedoch in ein paar Jahren für realistisch.

Soweit die wichtigsten Aussagen aus dem Interview in der FAZ-Sonntagszeitung, das wieder einmal eine Seite Werbung für die Internet-Apotheke darstellt, aber prinzipiell nichts Neues bietet. Außer: Däinghaus bestätigt öffentlich, was immer wieder vermutet, aber bisher nicht nachgewiesen wurde: deutsche pharmazeutische Großhändler beliefern DocMorris. – Dazu passt gut ein Papier des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) vom 16. April, in dem der Großhandel seine Grundpositionen zur Modernisierung des Gesundheitssystems darlegt (s. Seite 20). Wörtlich heißt es da: "Der Bundesverband Phagro lehnt die Freigabe des Arzneimittelversands an den Verbraucher ab."

Hindert aber Mitgliedsfirmen sichtlich nicht daran, Versandapotheken mit Arzneimitteln zu beliefern – möchte man angesichts der Aussagen von Däinghaus ergänzen. Natürlich kann ein Verband nicht für jede einzelne seiner Mitgliedsfirmen gerade stehen, und ein Großhändler nicht für jeden seiner einzelnen Filialen und Filialleiter. Oder doch? Und dann soll es auch Apotheker geben, die sich als kleiner Großhändler aufspielen, Arzneimittel über die Grenze zur holländischen Versandapotheke transportieren und kräftig daran verdienen, dass sie dem Systemwechsel in Deutschland hin zu Versandapotheken auf die Sprünge helfen. Mittlerweile ist DocMorris nicht die einzige Versandapotheke, die von den Niederlanden aus nach Deutschland liefert. In Venlo buhlt bekanntlich die Europa-Apotheek um Kunden, auch mit Unterstützung z. B. des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen in Bayern – woher bekommt diese Apotheke die deutsche Ware?

Die Pläne von Däinghaus sind klar: "Wenn das Gesetz [des Versandverbots von Arzneimitteln in Deutschland] gekippt wird", sagt der DocMorris-Chef, "dann sind wir da. Ich halte schon Ausschau nach einem neuen Gelände – zehn Mal so groß wie hier." Warten wir's ab.

Ganz aktuell in dieser DAZ-Ausgabe: der Bundesverband des Pharmazeutischen Großhandels (Phagro) legte vor Ostern neben seinen Grundpositionen zur Modernisierung des Gesundheitswesens auch einen interessanten Vorschlag zur Novellierung der Arzneimittelpreisverordnung vor. Diskutieren Sie mit, was Sie von diesen Vorschlägen halten!

Außerdem in dieser Ausgabe: Hinweise und Infos zur 1. Nationalen Impfwoche, damit Sie sich darauf vorbereiten und kompetent informieren können (Seite 44). Und die Vorstellung des BVA-Netzwerkes Patientenkompetenz: Was darunter zu verstehen ist und wie Sie mitmachen können, erfahren Sie auf Seite 58.

Peter Ditzel

Wer beliefert DocMorris?

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