Arzneimittel und Therapie

Schweres akutes respiratorisches Syndrom: SARS-Erreger identifiziert

Coronaviren sind der Auslöser des schweren akuten Atemwegssyndroms, von dem insgesamt bis zum 7. April weltweit 2601 Verdachtsfälle gemeldet wurden, 98 Personen sind an der Infektion gestorben. Das Robert Koch-Institut sieht trotz der gestiegenen Zahl an Erkrankten weltweit derzeit keine Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung des SARS in Deutschland.

Der Erreger der hochansteckenden asiatischen Lungenentzündung ist nicht – wie bisher vermutet – ein Paramyxovirus, sondern gehört zur Gruppe der Coronaviren. Virologen des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts und der Universität Frankfurt war es gelungen, Viren aus einer Probe des ersten Frankfurter SARS-Falles in Zellkultur zu vermehren. Es konnten nun mit Hilfe molekularer Methoden typische Genabschnitte von Coronaviren sowohl in der Patientenprobe wie auch in der Zellkultur nachgewiesen werden. Das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) war als letztes der vier deutschen Laboratorien (Universität Frankfurt, Universität Marburg, Robert Koch Institut, BNI) in die Untersuchungen eingeschaltet worden. Bei dem Virus der Frankfurter SARS-Patienten scheint es sich um ein bisher unbekanntes Coronavirus zu handeln. Die in Hamburg gefundene Gensequenz ist in den Gen-Datenbanken bisher nicht verzeichnet.

Coronaviren gehören zur großen und sehr heterogenen Familie Coronaviridae, die 13 Virusspezies beinhaltet. Es handelt sich um behüllte einzelsträngige RNA-Viren, die eine pleomorphe bis sphärische Form haben und im Durchmesser 60 bis 200 nm groß sind. Die Viren tragen auf ihrer Oberfläche zahlreiche ca. 20 nm lange keulenförmige Ausstülpungen, Peplomere genannt, die ihnen ihr typisches Aussehen verleihen und an das Bild einer Sonnenkorona erinnern. Coronaviren sind empfindlich gegenüber Hitze, Fettlösungsmitteln, nichtionischen Detergentien, Formaldehyd und oxidierenden Agenzien. Sie verursachen verschiedene Erkrankungen bei Säugetieren und Vögeln, ein humanes Coronavirus galt beim Menschen bisher nur als Erreger von leichten Erkältungen.

Falldefinition der WHO

Aufgrund der weltweiten Entwicklungen hat die Weltgesundheitsorganisation eine Falldefinition entwickelt und zu einer globalen Überwachung des SARS aufgerufen. Ein wichtiger Bestandteil der Falldefinition ist eine Reiseanamnese in Länder, in denen nicht nur importierte Fälle auftraten, sondern auch eine lokale Übertragung stattgefunden hat. Diese Liste wird von der WHO ständig aktualisiert. Ein Verdachtsfall von SARS ist gegeben wenn: – der Erkrankungsbeginn nach dem 1. Februar 2003 datiert und – Fieber > 38 °C gemessen wird und – eines oder mehrere respiratorische Symptome auftreten wie zum Beispiel Husten, Atemnot oder Kurzatmigkeit und mindestens eine der folgenden Expositionen vorliegt:

  • Enger Kontakt innerhalb von 10 Tagen vor Beginn der Symptome mit einem wahrscheinlichen Fall für SARS
  • Aufenthalt innerhalb von 10 Tagen vor Beginn der Symptome in einer Region, aus der Häufungen von SARS berichtet wurden.

    Ein wahrscheinlicher Fall von SARS ist gegeben, wenn Kriterien für einen SARS-Verdachtsfall erfüllt sind und mindestens eine der folgenden Bedingungen vorliegt:

  • Röntgenbefund weist auf eine Pneumonie oder auf ein akutes Atemnotsyndrom hin.
  • Feststellung einer ungeklärten Atemwegserkrankung mit Todesfolge sowie ein Autopsiebefund mit Hinweisen auf ein akutes Atemnotsyndrom ohne feststellbare Ursache.

    SARS kann zusätzlich auch von Kopfschmerzen, Muskelsteifigkeit, Appetitverlust, Übelkeit, Verwirrtheit, Ausschlag oder Durchfall begleitet sein. Die hier genannten Symptome sind jedoch keine Kriterien der Falldefinition.

    Unspezifischer Beginn

    Die Erkrankung hat nach den bisherigen Erfahrungen eine Inkubationszeit von fünf bis neun Tagen, wobei frühe Symptome wie Fieber, Unwohlsein, Myalgien, Kopfweh und Schwindel unspezifisch sind und leicht übersehen werden können, wenn nicht, etwa durch eine Asienreise, ein hoher SARS-Verdacht besteht. Halsschmerzen und Schnupfen erscheinen in weniger als 25% der Fälle. Husten tritt nur in 39% der Fälle früh auf. Nach drei bis sieben Tagen Fieber beginnen die Lungensymptome mit unproduktivem Husten und möglicherweise Dyspnoe und Thoraxschmerzen. Etwa jeder sechste Patient muss künstlich beatmet werden. Bei frühen Röntgen-Aufnahmen der Lunge sieht man kleine fokale einseitige diffuse interstitielle Infiltrate.

    Die Infiltrate können sich rasch in beide Lungenfelder ausbreiten. Bei einige SARS-Patienten können Lungen-Röntgen-Aufnahmen jedoch während des gesamten Krankheitsverlaufs auch unauffällig bleiben. Tödlich verläuft SARS bei etwa drei Prozent der Patienten. Eine Therapie mit Antibiotika und Neuraminidasehemmern hat bei der Infektion bisher keine Nutzen gezeigt. Eine gewisse Besserung sei bei Patienten mit Steroiden sowie intravenösem Ribavirin erzielt worden.

    Verbreitung nicht nur durch direkten Kontakt möglich

    Die schnelle Ausbreitung der SARS-Erreger wirft die Frage nach dem Übertragungsweg auf. Der Virus wird wahrscheinlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Allerdings wird auf Grund der aufgetretenen Fälle vermutet, dass der Erreger nicht nur durch direkten Kontakt mit Erkrankten oder Tröpfcheninfektion übertragbar ist. Ist das SARS-Virus doch längere Zeit in der Luft stabil könnte es möglicherweise über Belüftungssysteme oder Klimaanlagen verbreitet werden. So könnte auch erklärt werden, wie es zur Infektion von mehreren Personen in einem Haus kommen konnte, die keinen direkten Kontakt zueinander hatten.

    Wie kann man sich schützen?

    Da SARS ähnlich wie Grippeviren durch Tröpfchen (Aerosole) übertragen werden, sollten besonders die Schleimhäute – beispielsweise durch Mund-/Nasenschutz – geschützt werden. Dieser Schutz ist auf alle Fälle im Kontakt mit Kranken erforderlich. Häufigeres Händewaschen schützt ebenso vor Übertragung, da die Hände regelmäßig Kontakt zu den Schleimhäuten (Mund, Nase, Augen) haben.

    Die Virusübertragung bei Infizierten, aber noch nicht Erkrankten (ohne klinische Symptome) wurde bisher nicht nachgewiesen, könnte aber eventuell kurz vor dem charakteristischen Fieberanstieg erfolgen. Mit Ausbruch der Erkrankung, in der Regel mit sehr hohem Fieber, beginnt eine starke Virusausscheidung.

    Reisewarnung der WHO

    Länder und Regionen, in denen wahrscheinliche SARS-Fälle gemäß der WHO-Falldefinition aufgetreten sind, sind Kanada (dort nur die Regionen Toronto und Vancouver), China (dort nur Hongkong und die Provinz Guangdong [Kanton]), Singapur und Vietnam (dort nur die Region Hanoi). Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erstmals in ihrer Geschichte eine Reisewarnung für eine Region ohne Krieg gegeben. Sie riet am 2. April wegen des schweren akuten Atemwegssyndroms von Reisen nach Hongkong und in die südchinesische Provinz Guangdong ab. Das Auswärtige Amt in Berlin rät bisher lediglich erkälteten Menschen von Reisen in die Risiko-Gebiete Asiens ab, weil sie dort unter Quarantäne gestellt werden könnten. Eine offizielle Reisewarnung der Bundesregierung gibt es noch nicht.

    Experten warnen jedoch vor einer übertrieben Hysterie, SARS mag infektiös sein, allerdings ist die Krankheit nur selten letal: 96 Prozent der Infizierten überleben SARS, und häufig verläuft die Krankheit milde und ohne Komplikationen. Die Sterblichkeit ist geringer als bei einer Grippeepidemie.

  • Coronaviren sind der Auslöser des schweren akuten Atemwegssyndroms, von dem insgesamt bis zum 7. April weltweit 2601 Verdachtsfälle gemeldet wurden, 98 Personen sind an der Infektion gestorben. Das Robert Koch-Institut sieht trotz der gestiegenen Zahl an Erkrankten weltweit derzeit keine Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung des SARS in Deutschland.

    Umsetzung des WHO-Aufrufs zur globalen Überwachung

    Die namentliche Meldung (nach § 6 Abs.1, Nr. 5a des Infektionsschutzgesetzes) der Verdachtsfälle und der wahrscheinlichen Fälle muss unverzüglich telefonisch an das zuständige Gesundheitsamt erfolgen. Das Gesundheitsamt ermittelt und registriert die Kontaktpersonen, klärt sie über das weitere Vorgehen auf und kann diese in die aktive Gesundheitsüberwachung aufnehmen. Das RKI hat den Gesundheitsämtern Übermittlungsbögen zur Verfügung gestellt, mit denen die Weiterleitung der Fälle (über das Bundesland) durch das RKI an die WHO erfolgt. Die aktuellen Informationen zum Umgang mit entnommenem Probenmaterial und zu Desinfektionsmaßnahmen sowie zur aktuellen Falldefinition können auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts eingesehen werden.

    Aktuelle Informationen gibt es im Internet unter www.rki.de

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