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ABDA-Aktionswoche: Altern in Würde

HAMBURG (gmc). Die Hälfte der Bevölkerung weiß nicht, was eine Demenz ist, so das Ergebnis einer kürzlich durchgeführten repräsentativen Befragung (EMNID, 2003). Sogar Angehörige von Demenz-Patienten sind oftmals nicht in der Lage, Zeichen einer krankhaften demenziellen Entwicklung zu erkennen und sie von einem normalen altersbedingten Leistungsabbau zu differenzieren. Das Ergebnis ist besonders erschreckend, da eine frühe Diagnose wesentliche Voraussetzung für eine rechtzeitige Therapie ist. Die Ende März in Apotheken bundesweit stattfindende Aktionswoche "Altern in Würde" mit dem Motto "Wenn Menschen anders werden" hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Früherkennung der Alzheimer Demenz zu leisten.

Broschüren, in denen die Symptome der Demenz erläutert werden und der Leser Tipps für den Umgang mit Betroffenen erhält sowie Fragebögen, die eine erste Einordnung von Symptomen ermöglichen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über die Alzheimer Demenz. Die Apotheken fungieren nicht nur als erste Anlaufstelle für Fragen ratloser betroffener Angehöriger, darüber hinaus können sie Betroffene an den Arzt weiterleiten, der dann eine frühe Diagnose sichert und eine rechtzeitige Therapie einleitet.

Eine frühe Diagnose ist das erste Ziel

An einer Demenz leiden in Deutschland ungefähr 1,2 Millionen Menschen. Die Tendenz ist steigend, da der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft zunimmt und das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, mit dem Alter wächst. Ca. 50 bis 60 Prozent der Erkrankungen sind Demenzen vom Alzheimer Typ. Die Alzheimer Demenz ist bis heute noch nicht heilbar. Eine Therapie ist aber um so wirkungsvoller, je weniger fortgeschritten die Krankheit ist. So können eine frühzeitige Diagnose und eine nachfolgende rechtzeitige Behandlung mit neuen Antidementiva eine Verzögerung der Krankheitsprogression um bis zu einem Jahr ermöglichen. Ein Verlust der Gedächtnisleistung kann gebremst und die Wesensveränderungen beeinflusst werden. So hilft eine adäquate Therapie, die Alltagskompetenzen des Betroffenen länger aufrechtzuerhalten, die Hilfsbedürftigkeit deutlich nach hinten zu verlagern und somit die pflegenden Angehörigen zu entlasten.

Moderne Atypika in der Therapie erfolgsversprechend

Als Ursache der Veränderungen im Bereich der geistigen Leistungsfähigkeit wird ein Mangel an dem Botenstoff Acetylcholin im Gehirn angenommen. Dieses Defizit kann heute zum Teil medikamentös ausgeglichen werden, indem mit Hilfe der so genannten Acetylcholinesterase-Hemmer der Abbau dieses Botenstoffes verlangsamt wird. Die wesentlich stärker belastenden Veränderungen des Verhaltens können in jedem Stadium der Erkrankung mit Neuroleptika therapiert werden. Die früher eingesetzten klassischen Neuroleptika haben aufgrund ihrer Nebenwirkungen unter Umständen sogar zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes durch ein Abnehmen der geistigen Leistungsfähigkeit geführt.

Heutzutage werden von führenden Fachgesellschaften der Altersheilkunde so genannte moderne Atypika empfohlen, die erfolgsversprechende neue therapeutische Möglichkeiten aufzeigen. So können beispielsweise mit dem gut verträglichen Risperidon viele Verhaltensauffälligkeiten positiv beeinflusst werden. Begleitend zur medikamentösen Therapie sollten Angehörige für ein spannungsfreies und ausgeglichenes häusliches Klima sorgen. Darüber hinaus führen auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen, Gedächtnistraining oder eine Milieutherapie zu einer Verbesserung der Symptome.

Auch wenn die Aktionswoche in den Apotheken schon fast vorüber ist, so können Angehörige eine individuelle Beratung von medizinischen Experten über die Hotline 0800 101 53 98 (jeweils mittwochs, 14.00 bis 18.00 Uhr vom 24. März bis zum 14. Mai) erhalten. Weitere Informationen sind auch im Internet unter www.altern-in-wuerde.de abzurufen.

Die zwei Seiten der Demenz

Die eine Seite der Demenz – Gedächtnisstörungen

Das Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit zeigt sich bei Demenzkranken zunächst durch eine Verringerung der Merkfähigkeit, was fortschreitend zu einer Einschränkung der Alltagskompetenz führt. Auch die Fähigkeit zu logisch abstraktem Denken schwindet, und später leidet der Betroffene unter Orientierungsstörungen.

Die andere Seite der Demenz – Verhaltensstörungen

Zu Beginn der Erkrankung stehen häufig die Veränderungen im Verhalten der Betroffenen im Vordergrund. So kommt es zu verstärkter Reizbarkeit bis hin zu aggressivem Verhalten und Misstrauen. Schlafstörungen verbunden mit Umherlaufen während der Nacht und die folgende Müdigkeit am Tage gehören ebenso zum Krankheitsbild dazu wie Halluzinationen und Wahnbildungen. In vielen Fällen sind gerade die belastenden Verhaltensänderungen der Grund für eine Heimeinweisung.

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